Fußball: Wie geht es nach der Unterbrechung des Spielbetriebes weiter?
Neustart Mitte Januar macht Sinn

Halle. (WB). Am 18. Juli hatte die coranbedingte Zwangspause ein Ende. Endlich rollte bei den ersten Testspielen wieder der Ball. Doch gut drei Monate später hat die Politik angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen auch dem Amateur-Fußball ab dem 2. November erneut das Stoppschild gezeigt. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen und der Fußballkreis Bielefeld haben auf die Entscheidungen aus Berlin prompt reagiert und alle noch geplanten Partien ab Donnerstag abgesetzt. Ansonsten hätten diese Spiele am Wochenende noch ausgetragen werden können. Das WESTFALEN-BLATT hat Reaktionen von Sportlern und Funktionären gesammelt und auch die Frage gestellt, wie es ab Dezember weitergehen könnte?

Donnerstag, 29.10.2020, 23:29 Uhr
Vieles spricht dafür, dass in diesem Jahr keine Meisterschaftsspiele mehr stattfinden (im Bild Steinhagens Reto Bechtel in der Partie gegen Dornberg). Foto: Sören Voss
Vieles spricht dafür, dass in diesem Jahr keine Meisterschaftsspiele mehr stattfinden (im Bild Steinhagens Reto Bechtel in der Partie gegen Dornberg). Foto: Sören Voss

Der Kreisvorsitzende Markus Baumann kann sich nicht vorstellen, dass in diesem Jahr wieder um Punkte gekämpft wird. „Die Spieler brauchen nach einer Pause eine Vorbereitungszeit von mindestens zwei Wochen.“ Und es mache keinen Sinn, am 20. Dezember noch einen Spieltag zu bestreiten, ehe der Spielbetrieb Weihnachten und zum Jahreswechsel ohnehin ruhe. Vielmehr weist Baumann auf die Möglichkeit hin, die Winterpause um einen Monat zu verkürzen und den Spielbetrieb Mitte Januar wieder aufzunehmen: „Genau darüber haben wir im FLVW bereits gesprochen. Wir sind uns einig, dass es eine einheitliche Regelung geben muss und nicht jeder Kreis sein eigenes Süppchen kocht.“ Baumann, der die Wiederaufnahme des Spielbetriebes im Sommer mit einiger Skepsis gesehen hatte, betont, dass es zunächst einmal darum geht, bis zum Saisonende mindestens eine komplette Hinrunde gespielt zu haben, damit die Spielzeit 2020/21 überhaupt gewertet werden kann (siehe Kasten).

Der Kreisvorsitzende betont, dass ihm die neuerliche Zwangspause für die vielen Vereine leid tut, die durch ein herausragendes ehrenamtliches Engagement sicher gestellt haben, dass die vereinsindividuellen Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte eingehalten werden konnten. „Doch leider mussten wir auch immer häufiger feststellen, dass es Vereine und Sportler gab, die sich einfach nicht an die Regeln halten konnten oder wollten.“ Alle Sportvereine als Veranstalter sowie jeder Sportler und jeder Zuschauer hätten durch konsequentes Einhalten der wichtigsten Maßnahmen mithelfen können. Gemeinsam sollte dazu beigetragen werden, den Sportbetrieb für so viele Menschen aufrecht zu erhalten, um ihnen Bewegung und Ausgleich in schwierigen Zeiten zu geben, so Baumann und gibt zu Bedenken: „Leider scheiterten viele schon daran, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen oder den erforderlichen Abstand zu wahren“. Das gelte nicht nur für Zuschauer, sondern auch für die Situation in den Kabinen.

Eine ähnliche Meinung vertritt auch Spvg. Steinhagens Vorsitzender Andreas Wessels. „Grundsätzlich glaube ich, dass die Ansteckungsgefahr auf dem Feld sehr gering ist. Aus meiner Sicht sind die Zuschauer ein viel größeres Risiko. Kaum jemand hält sich an Masken- und Abstandsregelungen.“ Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen hält Wessels die sofortige Unterbrechung des Spiel- und Trainingsbetriebs für absolut richtig: „Es gibt sicher wichtigere Dinge als den Hobbysport.“ Und wie geht es jetzt weiter? Wessels regt eine Art Online-Staffeltag der Vereine an, um das weitere Vorgehen gemeinsam abzusprechen und legt mit einem wohl unpopulären Gedanken den Finger in die Wunde. Für den weiteren Saisonverlauf könne man auch überlegen, zeitweise Zuschauer auszuschließen: „Es gibt leider zu viele Unvernünftige. Wenn man nur Spieler, Trainer und Offizielle auf die Anlage lassen würde und die Anstoßzeiten entsprechend ausein­ander legt, halte ich das Risiko für überschaubar.“ Allerdings ist Wessels natürlich bewusst, dass Vereine dann auf gewisse Einnahmen verzichten müssten, was wiederum für Diskussionen sorgen dürfte.

Weitere Stimmen

Thomas Schmidtke: (Spvg. Versmold): „Wir hätten ja am Donnerstag noch unser Nachholspiel gehabt. Die Absage der Partie hat mich im ersten Moment schon überrascht. Aber es ist ja nur logisch und konsequent, wenn ab Montag der Spiel- und Trainingsbetrieb ruhen soll. Wobei ich eine Fortführung des Trainings unter bestimmten Voraussetzungen für möglich gehalten hätte – mit Dusch- und Kabinenverbot und ohne Geselligkeit, nur reiner Trainingsbetrieb. Dafür hätte man natürlich große Disziplin benötigt, aber die Ansteckungsgefahr wäre meiner Meinung nach sehr gering gewesen. So denke ich, dass wir erst im März wieder spielen. Zunächst muss man ja die Restaurants öffnen, die Wirtschaft ist wichtiger. Für uns als Mannschaft ist es natürlich auch schade, weil wir lange gebraucht haben, um uns an die Liga zu gewöhnen. Zuletzt haben wir uns deutlich wohler gefühlt.“

Jörg Müller (SV Häger): „Für meinen Geschmack war es fast schon zwei Wochen zu spät, die Entwicklung empfand ich als absehbar. Die Einschläge kamen ja zuletzt immer näher. Natürlich spielen wir alle gerne Fußball, aber es braucht auch eine gewisse Symbolik. Daher halte ich es für richtig, dass erstmal alle gleich behandelt werden, auch wenn man natürlich gerne Sport machen möchte. Ich gehe nicht davon aus, dass dieses Jahr noch gespielt wird. Aber bei einer entsprechenden Entwicklung kann man ja im neuen Jahr eher starten. Wir in Häger sind in der glücklichen Lage, dass unser Vereinsleben gewissermaßen weiterwächst, trotz der Zwangspause. Denn unser neues Vereinsheim am Platz nimmt immer mehr Form an und wenn man in der fußballfreien Zeit vorbeifährt, sieht man trotz der Pause einen Fortschritt.“

Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann...

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat vor dem ersten Spieltag festgelegt, wie und unter welchen Voraussetzungen die „Corona-Saison“ 2020/21 gewertet wird. Mindestziel ist es, 50 Prozent der Spiele (eine komplette Hinrunde) auszutragen.

– Die Saison wird nur gewertet, wenn mindestens 50 Prozent der Spiele ausgetragen worden sind. Dann greifen auch die „normalen“ Auf- und Abstiegsregelungen.

– Wird mehr als die Hälfte der Spiele ausgetragen, berechnet die Quotientenregel (Punkte geteilt durch Anzahl der Spiele) die Abschlusstabelle.

– Bei weniger als 50 Prozent ausgetragener Spiele wird die Saison nicht gewertet. Es gibt dann keine Auf- und Absteiger.

 

 

 

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