Do., 28.12.2017

Alkreis-Hallenmasters: Top-Favoriten Peckeloh und Steinhagen scheitern im Halbfinale – Oesterweg wird gefeiert Sieger SV Häger knüpft an gute alte Zeiten an

Jubel beim SV Häger um Torwart Alexander Romnov: Nach dem letzten Oesterweger Fehlschuss von der Neunmeter-Linie ist der kleine HSV Masterssieger.

Jubel beim SV Häger um Torwart Alexander Romnov: Nach dem letzten Oesterweger Fehlschuss von der Neunmeter-Linie ist der kleine HSV Masterssieger. Foto: Sören Voss

Von Stephan Arend und Jens Horstmann

Versmold (WB). Eine derart sensationelle Endspiel-Konstellation hat das Altkreis-Hallenmasters in seiner 18-Jährigen Geschichte noch nicht erlebt: Beide Fußball-Landesligisten und Top-Favoriten scheitern im Halbfinale, zwei Kreisligisten machen den Titel unter sich aus – und SV Häger holt sich mit 3:2 gegen SG Oesterweg nach dramatischem Neunmeterschießen den Cup.

»Nach der schlechten Hinserie wollten wir als Team zusammenrücken und Selbstvertrauen gewinnen. Das hat grandios geklappt, denn wir haben den absoluten Willen gezeigt«, kommentiert Hägers Spielertrainer Frederic Kollmeier die Überraschung, mit der der kleine HSV an die Turniersiege 2006 und ‘07 anknüpft. Zweimal beweisen seine Schützlinge im Shootout von der Neunmeterlinie die besseren Nerven. Im Halbfinale gegen Peckeloh, nachdem Hüseyin Geceli 30 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit zum 2:2 egalisiert hat. Und im Endspiel gegen Oesterweg, als SG-Pechvogel Max Backhaus den letzten Neunmeter an die Unterkante der Latte hämmert.

Dieser letzte Schuss ist Sinnbild eines engen Finales auf Augenhöhe, in dem am Ende auch das nötige Quäntchen Glück den Ausschlag gibt. »Nach dem Highlight im Halbfinale war das Endspiel für beide Mannschaften vom Kopf her unheimlich schwer. Lange ein Geplänkel, keiner wollte Fehler machen. Mir persönlich hat dieser Titel noch gefehlt«, sagt der 36-jährige Kollmeier, der bereits die Bielefelder Stadtmeisterschaft, den Westfalenpokal und die A-Liga-Meisterschaft gewonnen hat: »Jetzt gehen wir feiern.«

Genau das macht völlig zurecht auch der Endspiel-Verlierer. »So bitter eine Niederlage im Neunmeter-Schießen ist. Ich bin so stolz auf meine Mannschaft«, sagt SG-Trainer Björn Mittendorf. Dass seine Schützlinge im Halbfinale Landesligist Steinhagen 3:1 besiegen, damit hat selbst der Coach nicht gerechnet: »Da sind wir über uns hinausgewachsen.« Angefeuert von den Peckeloher Fans werfen sich die Underdogs in die Schüsse, erzielen in letzter Minute die zwei entscheidenden Tore.

Hallensprecher Rolf Uthmann spricht von der größten Sensation der Masters-Geschichte. Niemand ahnt, dass eine weitere unmittelbar folgen wird und die dreijährige Siegesserie von Titelverteidiger SC Peckeloh gegen SV Häger endet. Als HSV-Keeper Alex Romnov die Neunmeter von Marvin Heinsch sowie Dennis Schmidt pariert und Justus Seifert Häger ins Finale schießt, ist es plötzlich still in der ausverkauften Sparkassen-Arena.

Doch die SCP-Fans sehen nicht ein, dass ihre Party frühzeitig vorbei sein soll. Das große Portrait-Foto ihres Lieblings Daniel Schnadwinkel wird kurzerhand umgedreht und auf die Rückseite der Name von SG-Youngster Luca Felsmann geschrieben. B-Ligist SG Oesterweg wird auch im Finale von der rot-schwarzen Wand unterstützt – vergebens.

Die Ergebnisse der Endrunde im Überblick:

Viertelfinale

Spvg. Steinhagen - Spvg. Versmold 10:0 (5:0). 1:0 (4.) Hakan Erdem, 2:0 (6.) Tobias Kreutzer, 3:0 (9.) René Schäfer, 4:0 (10.) Erdem, 5:0 (10.) Robin Bürmann, 6:0 (11.) Malte Siekmann, 7:0 (14.) Nick Mdoreuli, 8:0 (15.) Schäfer, 9:0 (16.) Mdoreuli, 10:0 (18.) Bürmann.

SC Peckeloh - TuS Langenheide 3:1 (2:0). 1:0 (3.) Daniel Schnadwinkel, 2:0 (6.) Alban Shabani, 3:0 (11.) Gerrit Weinreich, 3:1 (20.) Simon Stop­penbrink.

SG Oesterweg - SC Halle 3:2 (2:1). 1:0 (2.) Simon Velske, 2:0 (4.) Max Backhaus, 2:1 (9.) und 2:2 (19.) Alexander Wiens, 3:2 (20.) Jan Luca Felsmann in der letzten Spielsekunde.

SV Häger - FC Türk Sport Steinhagen 8:2 (3:1). 1:0 (2.) Nico Hofbüker, 2:0 (8.) Marius Nagel, 2:1 (9.) Serdar Fidan, 3:1 (10.) Colin Payne, 4:1 (13.) Marius Nagel, 4:2 (13.) Hüseyin Karasu, 5:2 (16.)/6:2 (17.) Justus Seifert, 7:2 (19.) Hofbüker, 8:2 (20.) Daniel Kesegi.

Halbfinale

Spvg. Steinhagen - SG Oes­terweg 1:3 (0:0). 0:1 (14.) Jan Luca Felsmann, 1:1 (18.) Hakan Erdem, 1:2 (19.) Max Backhaus, 1:3 (20.) Torben Kräuter.

SC Peckeloh - SV Häger 2:4 (2:2/0:1) nach Neunmeterschießen. 0:1 (8.) Colin Payne, 1:1 (14.) Marvin Heinsch, 2:1 (17.) Daniel Schnadwinkel, 2:2 (20.) Hüseyin Geceli 30 Sekunden vor Schluss – Neunmeterschießen: 2:3 Colin Payne, Marvin Heinsch verschießt, Daniel Kesegi an den Pfosten, Dennis Schmidt verschießt, 2:4 Justus Seifert trifft via Latte und Torwart-Rücken zum Siegtor ins Netz.

Endspiel

SG Oesterweg - SV Häger 2:3 (1:1/0:0) n.N. 0:1 (16.) Justus Seifert, 1:1 (20.) Nico Birkenhäger gut 20 Sekunden vor Schluss – Neunmeterschießen: 1:2 Payne, Velske verfehlt das Tor, 1:3 Kesegi, 2:3 Birkenhäger, Seifert scheitert an René Wiltmann, Backhaus schießt an die Latte.

Weitere Stimmen zur Turnier-Endrunde

Daniel Keller (Spvg. Steinhagen): »Natürlich sind wir enttäuscht, wir wollten ins Finale kommen. Nach dem deutlichen Sieg im Viertelfinale gegen Versmold haben wir es nicht geschafft, Tempo ins Spiel zu bekommen. Vor allem aber hat uns die Überzeugung gefehlt und dann reicht es eben nicht. Oesterweg hat das gut gemacht, hatte schon vor dem 1:0 gute Chancen. Dass der Schiedsrichter vor dem Oesterweger 2:1 nach Zeitstopp den Freistoß nicht angepfiffen hat, darf keine Ausrede sein. Wir dürfen die Schuld nicht woanders suchen, sondern müssen uns an die eigene Nase fassen.«

Markus Kleine-Tebbe (SC Peckeloh): »Keine Frage, Häger hat das gut gemacht. Wir haben zu langsam und egoistisch gespielt und waren in Überzahl ganz schlecht. Mir tut es vor allem für unsere Zuschauer leid. Dass wir mal verlieren war klar. So wie wir verloren haben, hat das einen Beigeschmack. Beim 2:2 sitzt der Hägeraner auf dem Ball.«

Alexander Bulanov (Spvg. Versmold/in Abwesenheit von Coach Patrick van der Sanden): »Wir haben es in der Vorrunde mit Platz zwei verpasst, Steinhagen aus dem Weg zu gehen und mussten nun in den sauren Apfel beißen. In puncto Einsatz haben wir uns im Vergleich zu Mittwoch um 100 Prozent verbessert. Doch wir konnten unsere vielen Ausfälle nicht kompensieren. Steinhagen war drei bis vier Klassen besser.«

Maximilian Luedtke (TuS Langenheide): »Nachdem direkt vor unserem Spiel Versmold mit 0:10 gegen Steinhagen verloren hatte, wollten wir gegen den Dauersieger Peckeloh nicht ebenfalls untergehen. Das ist uns gelungen. Wir haben uns gut präsentiert und den SCP sogar ein bisschen geärgert. Wir haben super gekämpft und sind mit unserem späten Tor zum 1:3 belohnt worden. Das war die Krönung.«

Sinan Karakayali (SC Halle): »Das 2:3 in der letzten Sekunde gegen Oesterweg ist so bitter. Doch genau für solche Momente lieben wir alle diesen Scheiß-Sport ja. Wir wollten es ruhig angehen lassen und uns mit viel Ballbesitz Sicherheit holen. Das ist nach hinten los gegangen. Doch dann haben wir gut ins Spiel gefunden. Leider hat uns vorne manchmal die Kaltschnäuzigkeit gefehlt. Die Mannschaft hat genug Qualität, aber wenig Erfahrung. Deshalb haben wir Ümit Ciflik und Alex Wiens aus dem Altherren-Team dazugenommen.«

Ergün Deli (FC Türk Sport Steinhagen/der Spielertrainer war mit 40 Jahren der älteste Aktive der Endrunde): »Wir sind natürlich nicht zufrieden. Schließlich haben wir in der Vorrunde gegen Werther schon bewiesen, dass wir es können. Heute waren wir in der Defensive oft zu unkonzentriert, und am Ende fehlte auch die Kraft. Man hat gesehen, dass wir mit unseren Neuzugängen ein gutes Team sind. Man hat aber auch gesehen, dass wir konditionell in der Vorbereitung einiges drauflegen müssen.«

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