Sa., 08.06.2019

Handball: Julian Possehl hat nach dem Wechsel zur HSG Nordhorn-Lingen den Sprung in die Eliteklasse geschafft Wie im Rausch in die Bundesliga

Julian Possehl hat in dieser Saison oft allen Grund, seine Freude rauszuschreien: Der Versmolder ist mit HSG Nordhorn-Lingen in die 1. Bundesliga aufgestiegen.

Julian Possehl hat in dieser Saison oft allen Grund, seine Freude rauszuschreien: Der Versmolder ist mit HSG Nordhorn-Lingen in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Foto: Jürgen Lüken

Versmold (WB). Mit 9:9 Punkten ist die HSG Nordhorn-Lingen in die Saison der 2. Handball-Bundesliga gestartet, sieben Monate später stand das Team des Versmolders Julian Possehl schon zwei Spieltage vor Saisonende als Aufsteiger zur Eliteklasse fest. Im Interview mit WB-Sportredakteur Gunnar Feicht verrät der ehemalige Jugend- und Juniorennationalspieler, was hinter der Erfolgsgeschichte steckt. Und warum er sich an der niederländischen Grenze nicht nur sportlich wohl fühlt.

 

Sie haben vier Jahre mit ASV Hamm in der 2. Liga eine gute Rolle gespielt. Nach dem Wechsel ist Ihnen mit Nordhorn-Lingen auf Anhieb der Aufstieg gelungen. Was ist anders geworden?

Julian Possehl: Ich wusste schon, wie viel Potential die HSG hat, aber für einen Aufstieg in dieser mittlerweile sehr ausgeglichenen 2. Liga muss alles stimmen. In der Hinserie hatten wir Verletzungsprobleme. Bei der Partie in Hamm hatten wir Anfang November fünf verletzte Stammspieler und haben trotzdem gewonnen. Die Mannschaft ist in dieser Phase ganz eng zusammengerückt, hat eine Serie hingelegt und sich im Lauf der Rückrunde in einen Rausch gespielt.

 

Nach dem 9:9-Punkte-Saisonstart klingt es fast wie im Märchen, dass die HSG so durchgestartet ist. Gibt es weitere Gründe für diese Entwicklung?

Possehl: Wir wollten bis zur WM-Pause die Aufstiegsplätze in Schlagdistanz haben und haben dann im Januar noch mal richtig hart gearbeitet. Mit einem super Start im Februar konnten wir uns dann unheimlich viel Selbstvertrauen erarbeiten und haben uns in der Verfolgerrolle sehr wohl gefühlt. Unser Konkurrent Coburg hat dagegen mehrfach gepatzt.

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»Ich wusste schon, wie viel Potential die HSG hat, aber für einen Aufstieg in dieser mittlerweile sehr ausgeglichenen 2. Liga muss alles stimmen.«

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Hinter Ihrem Teamkollegen Georg Pöhle auf der anderen Rückraumseite sind Sie mit bisher 114 Saisontreffern zweitbester Torschütze. Welche Rolle spielen Sie im Team?

Possehl: Nach dem Umzug ging es für meine Frau und mich zunächst mal darum, uns hier zurecht zu finden. Wir haben super schnell Anschluss gefunden, die Mannschaft hat mich sehr gut aufgenommen. Wegen der Verletzungsprobleme von Philipp Vorlicek, dem Kollegen auf meiner Position, musste ich gleich viel Verantwortung übenehmen. Ich bin ja mehr der dynamische Typ, der auch oft die Mitspieler in Szene setzt, aber ich konnte mich auch als Torschütze zeigen.

 

Sie haben beim TBV Lemgo schon Erstliga-Einsätze gehabt, standen aber damals im Schatten von Nationalspieler Rolf Hermann. War es also richtig, den Umweg über Hamm zu gehen?

Possehl: Ich habe die Zeit in Lemgo schon genossen und hatte tolle Erlebnisse. Aber um Fuß zu fassen, braucht man Spielzeit und auf diesem Weg habe ich mich weiter verbessert. Deshalb bin ich über die jetzige Entwicklung sehr glücklich und freue mich unheimlich auf die neue Saison. Auch wenn jeder von uns weiß, dass es in jedem Spiel von der 1. bis zur 60. Minute um den sportlichen Überlebenskampf gehen wird.

 

Aufsteiger haben es in der 1. Liga extrem schwer, die HSG kehrt nach zehn Zweitliga-Jahren als Tabellenzweiter ins Oberhaus zurück: Ist der Verein überhaupt für das Abenteuer gerüstet?

Possehl: Dass es schwer wird, weiß hier jeder. Aber um den hauptamtlichen Geschäftsführer Matthias Stroot, der seit zweieinhalb Jahren super Arbeit macht, hat die HSG ein sehr stabiles Gerüst aufgebaut. In Lingen haben wir eine hochmoderne Arena für 4300 Zuschauer, im alt bekannten Nordhorner Euregium wurden wir am Samstag von 3500 Leuten für den Aufstieg gefeiert. Da herrscht definitiv tolle Stimmung. Sportlich ist unsere Stärke, dass die Mannschaft über Jahre gewachsen und eingespielt ist. Sie wird jetzt noch auf ein oder zwei Positionen ergänzt.

 

Ihr Trainer Heiner Bültmann war als HSG-Spieler eher nur eine Randfigur. Vor einem Jahr hat er die beiden besten Torschützen der aktuellen Aufstiegssaison als Neuzugänge geholt. Welche Qualitäten zeichnen ihn sonst aus?

Possehl: Vor einem Jahr lief mein Vertrag in Hamm aus, ich hätte verlängern können, hatte aber auch mehrere Angebote. In den Gesprächen mit Heiner war ich mir schnell sicher, dass Nordhorn die richtige Entscheidung sein würde. Er hat immer Handball im Kopf, arbeitet sehr akribisch und setzt seine Vorstellungen auch energisch um. Ein überragender Trainer. Die Entwicklung in dieser Saison zeigt, dass wir mit unserem professionellen Trainingsbetrieb auf hohem Niveau schon bundesligareif sind.

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»Sportlich ist unsere Stärke, dass die Mannschaft über Jahre gewachsen und eingespielt ist.«

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Die Nachricht vom Aufstieg hat Sie nach dem Sieg in Aue während der Rückfahrt im Bus erreicht, weil Konkurrent Coburg ausgerechnet gegen Ihren Ex-Klub Hamm ausgerutscht ist. Kann man unter solchen Umständen richtig feiern?

Possehl: Und ob, der Bus ist fast aus den Nähten geplatzt. Und die Rückfahrt aus dem Erzgebirge war lang genug, um es ordentlich krachen zu lassen. Als wir um 6 Uhr morgens ankamen, wurden wir schon von Fans empfangen und haben weitergefeiert.

 

Auch bei SF Loxten ist die Oberliga-Rückserie super gelaufen. Was sagen Sie zur Perspektive Ihres Stammvereins?

Possehl: Die Entwicklung mit der bisher höchsten Punktzahl in der Oberliga ist wirklich top, vor allem auch, weil die vielen jungen Spieler für die Zukunft noch einiges versprechen. Wenn es die Zeit zulässt, bin ich bei den Heimspielen live dabei. Ich habe mich außerdem gefreut, dass die zweite Mannschaft aufgestiegen ist.

Zur Person

Julian Possehl, geboren am 31. Dezember 1992, hat bei SF Loxten mit dem Handballspielen begonnen. Im ersten B-Jugend-Jahr lief er für den TuS Brockhagen auf, im zweiten unter Regie von Trainer Thomas Lay dann wieder für SF Loxten in der B-Jugend-Oberliga. Danach wechselte er ins Jugendleistungszentrum des TBV (»HSG Handball«) Lemgo, wo er zum Jugend- und Junioren-Nationalspieler aufstieg und 2011 an der U19-WM in Argentinien teilnahm. Nach Einsätzen im U23-Team des TBV in der 3. Liga und dem Debüt in der Bundesliga 2013 wechselte der 1,91 m große Linkshänder im Februar 2014 zunächst mit Zweitspielrecht zum Zweitligisten ASV Hamm. Im vergangenen Sommer siedelte der Handballprofi mit seiner Frau Kathi, die als Ingenieurin für Medizintechnik am Klinikum Nordhorn tätig ist, ins Emsland über. Vor der Kooperation mit Lingen war die HSG Nordhorn während ihrer ersten Blütezeit mit Stars wie Holger Glandorf und Jan Filip 2002 Deutscher Vizemeister und 2008 EHF-Pokalsieger.

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