So., 14.07.2019

Reinert Open: Nina Stojanovic gewinnt das Finale gegen Katharina Hobgarski Der Termin wird hinterfragt

Strahlende Gesichter bei der Siegerehrung – von links: Robert Hampe (WTV-Präsident), Ulrike Poetter (stellv. Bürgermeisterin), Finalistin Katharina Hobgarski, Siegerin Nina Stojanovic, Turnier-Initiator Hans-Ewald Reinert und Turnierdirektor Jan Miska.

Strahlende Gesichter bei der Siegerehrung – von links: Robert Hampe (WTV-Präsident), Ulrike Poetter (stellv. Bürgermeisterin), Finalistin Katharina Hobgarski, Siegerin Nina Stojanovic, Turnier-Initiator Hans-Ewald Reinert und Turnierdirektor Jan Miska. Foto: Stephan Arend

Von Stephan Arend

Versmold  (WB). »Ich kann doch nicht nach einer halben Stunde mit einem 0:6/0:6 vom Platz gehen.« Mit solchen bösen Gedanken beschäftigte sich Katharina Hobgarski im bisher größten Finale ihrer Karriere in Versmold . Zwar steigerte sich die 22-jährige Weltranglisten-247. in Durchgang zwei. Doch am Sieg ihrer gleichaltrigen Gegnerin Nina Stojanovic änderte das nichts. Die Serbin (WTA 250) gewann das zwölfte Finale der Reinert Open mit 6:0/7:5.

»Es war eine fantastische Woche für mich. Ich habe voll konzentriert begonnen. Doch Mitte des zweiten Satzes habe ich den Fokus verloren und war mit meinen Gedanken überall, nur nicht auf den Platz.« So erklärte Stojanovic, die mit 9.142 US-Dollar Preisgeld und 80 Weltranglisten-Punkten belohnt wurde, ihre Schwächephase nach deutlichem 6:0/3:1-Vorsprung. Vor allem nach einer Behandlungspause hielt Katharina Hobgarski mit nun bandagiertem Knie die Partie offen. Der Deutschen fehlten zwischenzeitlich bei einer 5:4-Führung nur noch zwei Punkte zum Satzausgleich. Dass sie dank der Finalteilnahme einen entscheidenden Sprung nach vorne macht und, ebenso wie ihre Kontrahentin, nun an der Qualifikation der US-Open teilnehmen darf, war mehr als ein Trostpflaster.

Viele Komplimente

Nina Stojanovic gab bei der Siegerehrung Komplimente an Hauptsponsor Hans-Ewald Reinert und Turnierdirektor Jan Miska zurück: »Versmold ist das beste Turnier auf der ITF-Tour. Das sage ich nicht, um höflich zu sein, sondern es stimmt wirklich.«

Die Verantwortlichen zeigten sich mit der Resonanz von insgesamt 5000 Zuschauern (eingerechnet sind die Abendveranstaltungen wie das Konzert von Patricia Kelly) zufrieden. »Das schlechte Wetter Donnerstag und Freitag hat uns einige Besucher gekostet«, sagte Jan Miska. Hans-Ewald Reinert erklärte, dass sich trotz der neuen Anlage, die begeistert habe, zumindest 2020 der Turnier-Status nicht verändern wird und es bei einer mit 60.000 US-Dollar dotierten Veranstaltung bleibt. »Ich bin mir sicher, dass wir die Besucherzahl steigern werden. Bei uns kommt man künftigen Top-Spielerinnen ganz nahe, die Versmold auf dem Weg nach oben als Sprungbrett nutzen. Diese familiäre Atmosphäre dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.«

Dass sich in Jule Niemeier eine junge westfälische Spielerin nur zwei Wochen nach einem Bänderriss bis ins Halbfinale kämpfte, das freute Roberte Hampe besonders. »Die Reinert Open passen perfekt zu unserem Ausbildungskonzept. Es sind für unsere Talente immer Plätze in der Quali oder sogar im Hauptfeld frei«, sagte der Präsident des Westfälischen Tennis-Verbandes.

Keine Top 100-Spielerin

Nicht ins Versmolder Konzept passte dagegen, dass in der zweiten Wimbledon-Woche neben dem »Konkurrenz-ITF-Turnier« in Frankreich nun erstmals auch ein größeres WTA-Event in Bastad parallel ausgetragen wurde. Weil Spielerinnen sich gleichzeitig für ITF- und WTA-Veranstaltungen einschreiben dürfen, erschwert das die Planungen der Verantwortlichen. So sagte Zugpferd Sarah Errani kurzfristig die Reinert Open ab, weil sie in Schweden noch ins Hauptfeld rutschte. Außerdem trat in diesem Jahr keine Top 100-Spielerin im Tennispark an. »Wir müssen uns die Frage stellen, ob unsere Turnier-Woche noch die geeignete ist«, sagte Jan Miska. Allerdings sei bei einem neuen Termin vieles zu bedenken wie etwa die Ferienzeit oder die Punktspiel-Saison. Miska: »Außerdem können die Schweden und Franzosen mit ihren Teilnehmerfeldern nicht zufrieden sein. Abwarten, was sie vorhaben. Da müssen wir demnächst mal die Köpfe zusammenstecken.«

Ergebnisse – Einzelhalbfinale: Hobgarski - Schoofs 6:2/7:5, Stojanovic - Niemeier 6:4/6:3. Endspiel: Stojanovic - Hobgarski 6:0/7:5. Doppelfinale: Anshba/Detiuc - Raina/Schoofs 0:6/6:3/10:8.

Kommentar von Stephan Arend

18 Spielerinnen, die in den vergangenen zwölf Jahren bei den Reinert Open angetreten sind, stehen in den Top 100 der Weltrangliste. Anastasija Sevastova klopft als Nummer zwölf an die Tür zu den Top 10. Und Karolina Muchova hat gerade einmal zwölf Monate nach ihrem Auftritt im Tennispark nun das Viertelfinale von Wimbledon bestritten. »Über Versmold den Sprung in die Weltspitze schaffen« – dieses Konzept hat Charme und Zukunft. Dennoch: Dass die ehemalige Weltranglisten-Fünfte Sarah Errani noch zwei Tage vor Turnierstart als Zugpferd die Schlagzeilen bestimmt, um dann in Schweden anzutreten, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Das erstmals parallel ausgetragene größere WTA-Turnier in Bastad könnte auch in Zukunft die Versmolder Planungen durcheinander wirbeln. Ein neuer Termin der Reinert Open könnte also durchaus Sinn machen, wenn auf feste Verpflichtungen von namhaften Spielerinnen mit Antrittsgeldern verzichtet werden soll.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6778876?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F4029443%2F