Sa., 12.10.2019

Fußball: Abschiebung reißt den Ghanaer aus der Oesterweger Vereinsfamilie – Asylantrag 2017 abgelehnt »Stay strong«: SG will Frimpong helfen

Im Kreise »seiner Jungs« stets bester Laune: Richard Frimpong (hinten) war auch als Oesterweger Jugendtrainer sehr beliebt. Jetzt sitzt er im fernen Accra fest.

Im Kreise »seiner Jungs« stets bester Laune: Richard Frimpong (hinten) war auch als Oesterweger Jugendtrainer sehr beliebt. Jetzt sitzt er im fernen Accra fest. Foto: SG Oesterweg

Von Jens Horstmann und Gunnar Feicht

Versmold (WB). Fast hätte es für Richard Frimpong am vergangenen Sonntag zum Titel »Derbyheld« gereicht. Doch weil Spvg. Versmold II gegen SG Oesterweg II in der 90. Minute des C-Liga-Fußballspiels noch zum 2:2 ausglich, reichte »Richies« Doppelpack der SGO nicht zum Dreier. Was nach Abpfiff niemand ahnen konnte: Es wird wahrscheinlich sein letztes Spiel für die SGO gewesen sein. Denn am Montag wurde Richard Frimpong in sein Geburtsland Ghana abgeschoben.

Der Termin bei der Ausländerbehörde des Kreises Gütersloh, den der 31-Jährige gemeinsam mit seiner Freundin wahrnahm, endete für ihn damit, dass er noch am Abend in einen Flieger nach Westafrika gesetzt wurde. »Er durfte nicht einmal selber seine Koffer packen, das hat die Polizei übernommen. Jetzt befindet er sich in Ghanas Hauptstadt Accra bei einem Freund.« Daniel Hermann, Vorstandsmitglied der SG Oesterweg, bekundet, wie geschockt und traurig die SGO-Familie auf die Abschiebung reagiert.

Voll integriert

Denn Richard Frimpong hat seit seiner Ankunft in Deutschland im Jahr 2014 beim Versmolder Ortsteilklub viele Freunde gefunden, ist in das Vereinsleben voll integriert. »Er war bei jedem Training der zweiten Mannschaft und selbst Trainer einer Jugendmannschaft, außerdem Mitglied unserer Showgruppe, ist beim Versmolder ›Sommer in der City‹ und bei der Altkreissportlerwahl aufgetreten. Er hat immer geholfen, wenn Not am Mann war – ein absolut fleißiger und hilfsbereiter Typ.« Björn Mittendorf, Trainer der ersten Mannschaft, lobt die menschlichen Qualitäten ebenfalls in den höchsten Tönen. Auch Frimpongs Freundin habe bei den Jugendspielen in der SG-Hütte geholfen und oft selbstgemachten Kuchen mitgebracht.

Am Mittwochabend beriet der SG-Vorstand in einer außerordentlichen Sitzung, wie der Verein Richard Frimpong helfen könne. Ein Rechtsbeistand wird einbezogen, um Möglichkeiten zu prüfen, gegen die Abschiebung vorzugehen. Die rechtliche Situation aus Sicht der Ausländerbehörde erläutert Jan Focken, Pressesprecher der Kreisverwaltung: »In diesem Fall hat es einen Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gegeben, der aber am 31. Januar 2017 abgelehnt wurde. Bereits seit diesem Datum gilt der Betreffende als ausreisepflichtig.« Die Ausländerbehörde habe nach Ablauf diverser Fristen keine andere Wahl gehabt, als die aus der BAMF-Entscheidung resultierende Abschiebung umzusetzen. Denn Ghana gilt laut Asylgesetz als »sicheres Herkunftsland«. Und mit der Ausreise ist eine Wiedereinreisesperre nach Deutschland von zweieinhalb Jahren verbunden.

Banner

Die Oesterweger erleben durch das Schicksal ihres Freundes hautnah mit, wie geltendes Recht in menschliche Schicksale eingreifen kann. »Richard wollte unbedingt eine Arbeitsstelle finden und wir haben alles versucht. Aber mit seinem Titel konnte beziehungsweise durfte er nirgends einen regulären Job annehmen«, sagt Daniel Hermann. Auf jeden Fall wollen die SG-Fußballer ihren Freund weiter unterstützen: Beim A-Liga-Derby der ersten Mannschaft in Peckeloh wird Sonntag ein großes Banner mit der Aufschrift »Stay strong, Richie« entrollt und auf das Los des sympathischen Sportlers aufmerksam gemacht.

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