Di., 24.12.2019

Fußball: Richard Frimpong hat den schweren Schlag seiner Abschiebung mithilfe der Freunde aus Deutschland verkraftet Neuer Mut dank der Engel aus Oesterweg

Richard Frimpong und seine Schützlinge: Die Arbeit mit jungen Kickern an der Fußballschule in Accra lässt ihn wieder lachen.

Richard Frimpong und seine Schützlinge: Die Arbeit mit jungen Kickern an der Fußballschule in Accra lässt ihn wieder lachen.

Von Jens Horstmann

Versmold-Oesterweg (WB). Seine Geschichte hat im Oktober die heimische Fußballfamilie bewegt: Fünf Jahre hatte Richard Frimpong in Versmold verbracht, hatte sich - nicht zuletzt dank der herzlichen Aufnahme bei der SG Oesterweg - buchstäblich eingelebt, als er in sein Geburtsland Ghana abgeschoben wurde. Seinen Asylantrag hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt.

Als Richard Frimpong in Ghanas Hauptstadt Accra landete, stand er mit leeren Händen da, hatte weder eine Wohnung noch Freunde oder Geld, um sich die ersten Tage über Wasser zu halten. Doch mit etwas Glück und einer Menge Hilfe aus Deutschland ist der 31-jährige mittlerweile im Lebensalltag angekommen.

„Daniel Hermann ist mein persönlicher Engel“, sagt Frimpong und kann heute wieder lachen, wenn er von seinem neuen Leben in Ghana berichtet. Denn das Vorstandsmitglied der SGO ließ gemeinsam mit Vereinskameraden nach der Abschiebung keinen Stein auf dem anderen und vermittelte seinen ehemaligen Mitspieler an die Ghana Angel Soccer Academy. Das ist eine Fußballschule in Accra, die von dem Deutschen Maik Mönninghoff gegründet wurde und durch Spenden finanziert wird.

Ziel ist es, so viele Kinder wie möglich aus den Armenvierteln herauszuholen. Und dort ist Richard mittlerweile Trainer einer Jugendmannschaft und engagiert sich als Torwarttrainer. „Ich habe in Deutschland ja auch eine D-Jugend trainiert und eine Menge über Fußball gelernt. Das versuche ich hier jetzt weiterzugeben“, erklärt er. Frimpong lacht, wenn er über seine „Boys“, also seine Jugendmannschaft, spricht: „Sie geben meinem Leben einen Sinn und helfen mir, nicht aufzugeben.“

Denn so fröhlich er ist, wenn er über sein Fußballteam spricht, so traurig wird er, wenn er an seine Abschiebung denkt . Für den 31-Jährigen waren das schlimme Momente: „Ich konnte mich nicht einmal von meiner Freundin Naomi verabschieden. Nicht ein Wort durfte ich mit ihr wechseln. Die Beamten haben irgendwelche Wintersachen eingepackt und mich in den Flieger gesetzt. Als ich in Accra landete, waren es über 30 Grad. Ich kannte niemanden und wusste nicht mehr weiter. Ich war am Boden zerstört und saß weinend am Flughafen“, schildert Richard Frimpong die Empfindungen aus seiner Sicht.

Er hatte keine Freunde in Accra, konnte niemanden anrufen und wusste nicht, wo er übernachten sollte. „Ich wusste nicht mehr weiter und habe sogar an Selbstmord gedacht. Mein Leben hatte in dem Moment einfach keinen Sinn mehr“, berichtet Richard Frimpong. Ein Taxifahrer, der ihn völlig aufgelöst am Flughafen sitzen sah, habe ihm Halt gegeben: Als der den demoralisierten Mann ansprach, erzählte dieser ihm seine Leidensgeschichte. „Der Taxifahrer nahm mich dann mit nach Hause zu seiner Familie. Er gab mir zu essen, zu trinken und bot mir ein Bett zum Schlafen an. Ich hatte richtig Glück, ihn zu treffen, und bin ihm unglaublich dankbar. Ich weiß nicht, was ich sonst gemacht hätte.“ Parallel dazu setzten die Oesterweger alles daran, ihren Freund zu unterstützten. Einen Beitrag bei Facebook sahen fast 380.000 Internet-Nutzer. Auf diesem Weg kam auch der Kontakt zur Fußballschule zustande.

Dort kann Richard Frimpong nicht nur als Trainer arbeiten, sondern hat auch ein eigenes Zimmer. „Ich lebe dort zusammen mit den Jungs, habe aber auch einen eignen Raum für mich, wo ich abschalten kann.“ Derweil setzen die Oesterweger alle Hebel in Bewegung, um eine Rückkehr zu ermöglichen, wie Daniel Hermann erklärt: „Das ist natürlich nicht einfach. Eventuell gibt es eine Möglichkeit, Richard wieder legal nach Deutschland zu holen. Aber Konkretes kann ich noch nicht sagen.“

Für den Ghanaer wäre eine Rückkehr nach Deutschland das Größte: „Ich vermisse die Menschen, besonders natürlich meine Freundin Naomi. Ich weiß es sehr zu schätzen, was Daniel und die SG Oesterweg für mich tun. Ich hoffe, ich kann eines Tages wieder zurückkommen. Dafür würde ich alles tun. Ich würde mir in Deutschland gerne ein Leben mit meiner Freundin aufbauen.“

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