Corona-Virus und der Sport im Altkreis: Ein vorzeitiges Saisonende droht
Kein Handball in Westfalen - kein Fußball im Kreis

Halle. SF Loxten hatte sich am Vormittag mit der Versmolder Stadtverwaltung verständigt, die Handball-Heimpiele im Seniorenbereich bis auf weiteres unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen. Wenige Stunden später war diese Reaktion auf die Ausbreitung des Corona-Virus hinfällig: In vielen Sportarten haben die Fachverbände am Donnerstag den Spielbetrieb im Amateurbereich ausgesetzt. Ein Überblick:

Donnerstag, 12.03.2020, 22:15 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 22:40 Uhr
Im Fußballkreis Bielefeld/Halle ruht bis zum 30. April der Ball: Nach dem Verbot von öffentlichen Veranstaltungen im Bielefelder Stadtgebiet sah sich der Fußballkreis zu diesem Schritt gezwungen. Foto: Sören Voss
Im Fußballkreis Bielefeld/Halle ruht bis zum 30. April der Ball: Nach dem Verbot von öffentlichen Veranstaltungen im Bielefelder Stadtgebiet sah sich der Fußballkreis zu diesem Schritt gezwungen. Foto: Sören Voss

Handball

Die Verbandsliga-Handballer der Spvg. Steinhagen hatten sich innerlich auf ihr für Donnerstag Abend angesetztes Nachholspiel gegen LIT II eingestellt, als der Landesverband Westfalen am Nachmittag auf seiner Homepage mit sofortiger Wirkung die Generalabsage des gesamten Spielbetriebs verkündete: „Spätestens zum 19. April wird über eine mögliche Wiedereinsetzung des Spielbetriebs der Seniorenmannschaften und der Saisonwertungen in den jeweiligen Ligen entschieden und veröffentlicht.“ Bis dahin ist der gesamte Amateurspielbetrieb von der Oberliga bis zur 1. Kreisklasse ausgesetzt.

„Die Jugendserien, die kurz vor dem Abschluss stehen, werden vorzeitig für beendet erklärt. Wie es im Seniorenbereich nach den Spielausfällen weitergeht, muss beraten werden“, sagt Heinz-Hermann Jerrentrup. Sollte die Saison vorzeitig enden, käme wohl Paragraf 52 der Verbandsspielordnung zum Tragen: „Kann der Sieger, Auf- oder Absteiger einer Klasse oder Staffel aus spieltechnischen oder sonstigen Gründen nicht termingerecht zur Teilnahme an den Meisterschaftsspielen, Aufstiegsspielen oder Abstiegsspielen für die nächste Spielsaison ermittelt werden, wird er von der zuständigen Spielleitenden Stelle nach sportlichen Gesichtspunkten bestimmt.“ Diese „sportlichen Gesichtspunkte“ sind Auslegungssache und müssten im Sinne der Chancengleichheit im Verband einheitlich festgelegt werden.

Timo Schäfer, Verbandsliga-Trainer des TuS Brockhagen, ist dafür, den jetzigen Tabellenstand für die Entscheidungen über Auf- und Abstieg heranzuziehen: „Ich rechne damit, dass die Pause länger dauert als bis zum 19. April und dann ist der Rückstand nicht mehr aufzuholen – auch nicht mit mehr als drei Spielen pro Woche.“

Für Liga-Schlusslicht Spvg. Steinhagen würde das den Abstieg bedeuten. Trainer Christian Blankert: „Die Gesundheit geht immer vor. Aber alle gehen weiterhin zur Arbeit, begegnen sich täglich beim Einkaufen in der Stadt. Ob es da ein sinnvoller Beitrag ist, den Amateursport abzusagen, müssen die Fachleute entscheiden.“

Fußball

Nach der Entscheidung der Stadt Bielefeld, alle öffentlichen Veranstaltungen auf ihrem Gebiet zu verbieten, sagt der Fußball-Kreisvorstand „ab sofort alle Pflicht- und Freundschaftsspiele auf Kreisebene der Jugend, Herren, Frauen und Altherren zunächst bis zum 30. April 2020 ab“. Damit ruht bereits an diesem Wochenende der gesamte Spielbetrieb. Auch die Halbfinalspiele der Altherren-Hallenrunde, die Samstag in der Sporthalle Stieghorst stattfinden sollten, sind abgesagt, ebenso wie Leichtathletik-Veranstaltungen (wie der Hermannslauf). Der Kreisvorstand um Markus Baumann und den Fußballausschussvorsitzenden Patrick Hartmann bittet um Verständnis, weil die Gesundheit wichtiger sei als der Spielbetrieb. Spätestens am 19. April soll über eine mögliche Fortsetzung des Spielbetriebs und die Saisonwertung der einzelnen Ligen entschieden und informiert werden. Stützpunkttraining und Schiedsrichter-Schulungen werden ebenfalls ausgesetzt. Zur Frage, wie es in den Amateurklassen oberhalb der Kreise weitergeht, hat der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen bis Donnerstag Abend nichts veröffentlicht.

Volleyball/Basketball

Während in der Bundesliga ohne Zuschauer weitergespielt werden soll, hat der Deutsche Volleyball-Verband beschlossen, den Spielbetrieb in den Dritten Ligen sowie Regionalligen zu beenden und die Tabellen „einzufrieren“. So weit ist es in den unteren Spielklassen zwar noch nicht. Allerdings finden auch für die heimischen Teams, die eigentlich von der Kreisliga bis zur Oberliga antreten, bis auf Weiteres keine Spiele statt. Auch der Westdeutsche Basketball-Verband hat beschlossen, den Spielbetrieb ab sofort bis auf Weiteres auszusetzen. „Ob es uns gelingen wird, den Spielbetrieb nach Ostern wieder aufnehmen zu können, ist heute noch nicht abzuschätzen“, heißt es.

Tischtennis

Bis Donnerstag Abend gingen die Verantwortlichen beim Westdeutschen Verband laut Internetportal davon aus, dass Pflichtspiele wie geplant stattfinden. Was den Spielbetrieb auf der Kreisebene Bielefeld/Halle angeht, beobachtet der Vorstand die Entwicklung, geht derzeit großzügig mit Spielverlegungen um und hofft, die ohnehin zu Ende gehende Saison über die Bühne zu bringen. Zumal bei Mannschaftsstärken von drei bis sechs Akteuren und kleinen Zuschauerzahlen das Risiko-Potenzial mit anderen Teamsportarten kaum vergleichbar ist.

Badminton

Vom Badminton-Landesverband NRW gab es bis Donnerstag-Abend (noch) keine Anweisungen, den Spielbetrieb auszusetzen, wie Carl Goos vom Landesliga-Spitzenreiter SC Peckeloh bestätigte. Der SCP kann am Samstag mit einem Heimsieg gegen Herringen II den Aufstieg perfekt machen. Wenn diese Partie wirklich stattfindet...

Kommentar

Die Stadt Bielefeld verfügt die Absage aller öffentlichen Veranstaltungen, Schulschließungen auch in OWL. Am Donnerstag-Nachmittag haben sich die Nachrichten überschlagen. Und natürlich hat der Corona-Alarm auch vor dem (heimischen) Amateursport nicht Halt gemacht. Nachdem zunächst nur von Geisterspielen etwa in Loxten und Verl die Rede war, hat der Handball-Verband den gesamten Spielbetrieb bis zum 19. April ausgesetzt. Die Landesverbände anderer Sportarten handelten ebenso. Was an einem Tag noch so weit weg erscheint, ist schon am nächsten Tag Realität. Bei dieser Dynamik ist es schwer vorstellbar, dass im Amateursport nach den Osterferien wieder um Punkte gekämpft wird und die Saison bis zum Sommer zu Ende gespielt werden kann. Vielmehr werden sich die Funktionäre wohl mit einem ganz anderen Thema beschäftigen müssen: Wie regeln sie die Auf- und Abstiegsfrage, wenn die Saison vorzeitig beendet wird? Stephan Arend

 

 

 

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