Di., 19.05.2020

Handball: SF Loxten ist zweiter Nachrücker. In anderen Spielklassen könnten bis zu 20 Teams melden „Wollen kein Risiko eingehen“

Auf Platz zwei der Nachrückerliste: Ob der Oberliga-Zweite SF Loxten ein Ticket für die 3. Liga erhält ist fraglich. Auch die Mannschaft soll mitreden, ob ein solches Angebot angenommen werden würde.

Auf Platz zwei der Nachrückerliste: Ob der Oberliga-Zweite SF Loxten ein Ticket für die 3. Liga erhält ist fraglich. Auch die Mannschaft soll mitreden, ob ein solches Angebot angenommen werden würde. Foto: Sören Voss

Halle (WB/vos/star/tip). SF Loxten weiß weiterhin nicht, in welcher Spielklasse die erste Mannschaft in der neuen Saison spielt. In der am Dienstag vom Deutschen Handball-Bund (DHB) veröffentlichten Übersicht der 72 Vereine der 3. Liga fehlen die Frösche – sie dürfen sich als Zweiter der Nachrückerliste aber durchaus noch Hoffnungen auf einen nachträglichen Aufstieg machen.

Während HC Elbflorenz II (Dresden) und Concordia Delitzsch auf eine Meldung verzichteten, reichten alle weiteren Wackelkandidaten, wie der insolvente Leichlinger TV, die Unterlagen fristgerecht ein. Die zwei verbleibenden freien Plätze nehmen die Vizemeister TV Cloppenburg und HaSpo Bayreuth ein. Sollten jetzt weitere Clubs von ihrem Rückzugsrecht bis zum 31.5. Gebrauch machen, erhalten TSV Neuhausen/Filder (Baden Württemberg) als erster und eben SF Loxten als zweiter Nachrücker bis zum 30. Juni. eine Meldeoption. TSG A/H Bielefeld folgt auf Rang vier.

„Für uns kommt die Nachricht nicht überraschend“, sagt der SFL-Clubvorsitzende Andy Evers: „Die 3. Liga wäre sportlich reizvoll, aber dort muss man erstmal sechs Mannschaften hinter sich lassen. Wir wären nicht böse, wenn es bei der Oberliga bleibt.“ Evers hatte, als die 3. Liga zum Thema wurde, zunächst verlauten lassen, dass die Frösche ein mögliches Angebot auf jeden Fall annehmen würden. Dass er mittlerweile unentschlossener ist, liegt auch an der Corona-Pandemie. „Mehr als 80 Prozent unserer Sponsoren unterstützen uns weiterhin, aber natürlich haben wir auch Einbußen. Wir werden unsere Hausaufgaben machen und haben viele Ideen wie beispielsweise Online-Tickets. Natürlich versuchen wir, die 3. Liga finanziell zu realisieren, wollen aber kein Risiko eingehen.“ Weil Loxten ein eingetragener Verein ist, kann der Vorstand persönlich haftbar gemacht werden.

Die bisherigen Gehälter hat der Verein, laut Evers, trotz der Pause komplett bezahlt. Da die meisten Spieler als Mini-Jobber angestellt sind, kann für sie keine Kurzarbeit angemeldet werden. Ein Gespräch mit dem Mannschaftsrat über möglichen Verzicht soll in Kürze stattfinden.

Ein erstes Treffen der Mannschaft für die neue Saison mitsamt der Neuzugänge hat es – unter Beachtung der Abstandsregelungen - bereits am Dienstagabend gegeben. Michael Boy, der auch in der Sponsorenakquise eingestiegen ist, begrüßte als neue Gesichter Jonas Zwacka, Johnny Dähne (beide TSG AH), Konstantin Kraak (Versmold) und Aaron von Ameln (Hesselteich). „Neben dem Finanziellen müssen wir für den Fall der Fälle auch das Sportliche abwägen – und dabei soll die Mannschaft auch mitreden“, betont Andy Evers. Die ersten lockeren Trainingseinheiten sind ab dem 2. Juni in der (im Gegensatz zur Realschulhalle geöffneten) Sparkassenarena geplant. Pascal Welge sowie studienbedingt Jasper Steinlechner, Malte Weigel und Max Schäper stehen nicht mehr zur Verfügung. Wann Philipp Harnacke nach seiner Knieverletzung voll einsteigt, ist offen. Evers: „Mit ihm haben wir 13 Feldspieler plus zwei Torhüter und halten die Augen weiter offen.“

38 Spiele nicht möglich: Zweigeteilte Frauen-Oberliga?

Wer steigt auf, wer nicht? Bis Mittwoch, 20. Mai, müssen die westfälischen Handballvereine dem Verband erklären, ob sie die nach der vorzeitig abgebrochenen Corona-Saison angebotene Wild Card annehmen. Noch vor Ablauf der Frist steht fest: Es kommt zum erwarteten Massenaufstieg.

18 von 20 Vereinen in Verbands- und Landesliga haben erklärt, dass sie die zusätzliche Aufstiegschance wahrnehmen werden. Das heißt: 90 Prozent aller in Aussicht gestellter Wildcards werden von den Klubs angenommen. Lediglich der Frauen-Oberligist DJK Eintracht Coesfeld und der Frauen-Landesligist TuS Borgholzhausen verzichten auf den Aufstieg durch die Hintertür. Auch bei den OWL-Bezirksligisten waren die Wildcards beliebt. Abgelehnt haben nur die Frauen der HSG Rietberg-Mastholte und der HSV Minden-Nord 3. Auch die Männer von Lit 3 steigen nicht auf. Sie hatten zwar eine Wildcard, nach dem Zusammenschluss mit dem TuS Nettelstedt aber keine Wahl, da die TuS-Reserve Landesligist ist.

Durch die vergebenen Wildcards würden die gemeldeten Mannschaften in einigen Ligen drastisch ansteigen. In den zwei Staffeln der Männer-Verbandsliga könnte es zu 34 Meldungen kommen, in der eingleisigen Frauen-Oberliga sind sogar 20 Teams realistisch. Innerhalb von zwei Spielzeiten sollen sich die Gruppenstärken zwar wieder normalisieren. Doch sollen in der kommenden Saison in der Frauen-Oberliga 38 statt bisher 26 Spieltage absolviert werden? Andreas Tiemann, Vizepräsident im Handballverband Westfalen und für die Spieltechnik zuständig, hat bereits angedeutet, dass dies nicht durchführbar ist. Eine Lösung wäre, die Liga zunächst in zwei Staffeln zu teilen. Der Funktionär regt an, über eine grundsätzliche Strukturreform mit Abweichungen vom bekannten Liga-Spielsystem nachzudenken.

Tiemann, der auch die 3. Liga plant, sieht Westfalen hinsichtlich des Saisonstarts gegenüber anderen Landesverbänden im Vorteil. Durch die führende NRW-Rolle bei den Corona-Lockerungen hält er es für möglich, dass in Westfalen eher wieder Punktespiele stattfinden als in der 3. Liga: „Vielleicht können wir am Ende ja sogar den 15. September als Saisonstart halten.“ Für den Start in Liga drei hat Tiemann nach eigenen Worten vier Pläne in der Schublade: Einen für September, einen für Oktober, einen für November und einen für Januar. Ab November würde die Zeit allerdings zu knapp, die Saison in vier 18er Staffeln bis zum 30. Juni zu beenden.  Die Folge wären mehr Staffeln mit jeweils weniger Teams.

Wildcard-Aufsteiger im Überblick: Männer, Aufstieg in die Oberliga: Eintracht Hagen II; Aufstieg in die Verbandsliga: Eintracht Oberlübbe, TuS SW Wehe, TV Werther, HC Westfalia Herne, HSG Hohenlimburg; Aufstieg in die Landesliga (nur OWL-Klubs): TG Herford

Frauen, Aufstieg in die Oberliga: TuS Brockhagen, TuS 97 Bielefeld/Jöll., Lüner SV, Teut. Riemke, HSG Schwerte-Westh.; Aufstieg in die Verbandsliga: TuS SW Wehe, VfL Sassenberg, TV 01 Wattenscheid, SG Witten 2, HSG Gevelsberg-Silschede, ASC Dortmund 2, HVE Villigst-Ergste; Aufstieg in die Landesliga (nur OWL-Vereine): SG Häver-Lübbecke, TV Hille, VfL Schlangen, TSV Schloß Neuhaus, Union Halle.

 

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