Fußball: Der Versmolder Bjarne Pudel (19) wechselt zum SC Wiedenbrück
Alles rausholen, was möglich ist

Versmold (WB). Der Profivertrag und damit die Erfüllung eines ganz großen Traumes ist für den Versmolder Bjarne Pudel ausgeblieben. Dennoch ist der 19-jährige Kapitän des DSC-Bundesliga- Nachwuchses alles andere als enttäuscht. Denn vor wenigen Tagen unterschrieb Pudel einen Ein-Jahres-Kontrakt beim künftigen Regionalligisten SC Wiedenbrück.

Mittwoch, 17.06.2020, 12:12 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 12:21 Uhr
Als Kapitän des A-Jugend-Bundesligisten DSC Armina Bielefeld hat Bjarne Pudel starke Leistungen gezeigt. Nun wechselt der Versmolder zum SC Wiedenbrück. Foto Thomas F. Starke

Überhaupt geht es gerade Schlag auf Schlag für den blonden Mittelfeldspieler. Am Montag bekam er seine Abi-Noten, ein paar Tage zuvor unterschrieb er seinen ersten Seniorenvertrag. „Das ist echt weltklasse, ich bin mega zufrieden mit der Entscheidung und super glücklich. Die Verantwortlichen machen alle einen sehr sympathischen Eindruck und ich komme in eine intakte, gut harmonierende Mannschaft“, freut sich Pudel. Die Entscheidung zum Wechsel habe er zusammen mit seinem Berater und Vater Jörg wohlüberlegt. „Es war ja gar nicht so einfach, jetzt in der Corona-Krise einen neuen Verein zu finden. Schließlich kann man nicht mal ein Probetraining machen oder sich noch ins Schaufenster spielen.“ Dennoch bekundete Wiedenbrück schon früh Interesse, der Aufstieg in die Regionalliga machte die Entscheidung für Bjarne dann ganz leicht: „Für einen jungen Spieler ist Spielzeit ganz wichtig. Und ich glaube, dass man in der Regionalliga schon eine Menge lernen kann. Aber auf der anderen Seite ist es eben auch realistisch, einige Einsätze zu bekommen. Auch wenn ich jetzt sicher keine 35 Spiele machen werde. Ich muss mich erstmal an den Seniorenfußball gewöhnen und noch eine Menge lernen.“

Realistisch sein

Dabei versucht sich Pudel so realistisch wie möglich einzuschätzen. Auch ein Grund, warum er trotz einer starken Saison in der A-Jugend-Bundesliga nicht übermäßig enttäuscht ist, dass es mit einem Profivertrag nicht geklappt hat: „Ich habe zwar auch ein paar Mal bei den Profis mittrainiert. Aber wenn man die Anzahl meiner Einheiten mit denen eines Joey Müller vergleicht, war es jetzt keine Riesenüberraschung, dass es nicht geklappt hat.“ Müller (aktuell an den Regionalligist Wuppertal ausgeliehen) kam vergangene Saison aus der A-Jugend des DSC und unterschrieb anschließend einen Profivertrag bei Arminia. Dabei hat auch Pudel auf sich aufmerksam gemacht. Ex-Profi und Trainer Oliver Kirch machte ihn vor der Saison zum Kapitän des DSC-Nachwuchses. Und Pudel zahlte das Vertrauen zurück, kam auf 18 Einsätze und beachtliche fünf Tore. Damit war er als „Sechser“ sogar der Toptorjäger seines Teams. Auch für seine Mannschaft lief es ziemlich gut, mit 22 Punkten stand Arminia zum Zeitpunkt des Abbruches auf einem gesicherten Mittelfeldplatz. „In den ersten Spielen waren wir noch etwas nervös und naiv, aber dann haben wir uns gefangen und gut gepunktet“, resümiert der Kapitän. Besonders die Spiele gegen den BVB mit Shootingstar Youssoufa Moukoko sind ihm in Erinnerung geblieben. „Plötzlich vor 600 Zuschauern zu spielen, das war schon eine schöne Sache. Über den Ausgang der Spiele sprechen wir aber mal lieber nicht“, schmunzelt Pudel. In beiden Partien (0:3/2:6) gelangen Moukoko jeweils drei Treffer.

Duelle mit Moukoko

Dass seine drei Jahre beim DSC aufgrund des Saisonabbruches ein so plötzliches Ende nehmen, findet der 19-jährige etwas schade: „Ich hatte aber drei tolle Jahre und habe eine Menge toller Menschen kennengelernt.“ Dass es nur drei Jahre waren, lag dagegen an Bjarne selber. Denn Arminia hätte ihn schon gerne eher verpflichtet. Doch nach seiner Zeit bei der Spvg. Versmold spielte Pudel noch vier Jahre beim VfL Theesen. „Arminia wollte mich schon damals haben. Aber ich hatte noch nicht das Gefühl, soweit zu sein.“ Vor allem Papa Jörg, im Altkreis als Spieler und Trainer bestens bekannt, und Mama Katja unterstützten ihn dabei immer nach Kräften: „Die Fahrten nach Theesen sind ja schon kein Zuckerschlecken. Auch wenn ich zwei Jahre mit Erik Mannek eine Fahrgemeinschaft bilden konnte. Aber Papa ist ja zum Glück auch richtig fußballverrückt. Ich bin meinen Eltern auf jeden Fall total dankbar für ihre großartige Unterstützung.“

In der U17 kam Pudel dann zum DSC „Eigentlich ist das schon recht spät. Aber mit der Perspektive Bundesliga und Oliver Krause als Trainer hat es dann einfach Sinn gemacht.“ Und selbst zu den DSC-Auswärtsspielen fuhr Familie Pudel mit. „Wenn wir nicht gerade eine richtige Klatsche bekommen hatten, dann durfte ich die Rückfahrt im Auto mitfahren. Und dann haben wir natürlich auch das ganze Spiel nochmal analysiert. Mich interessiert das total.“

Unterstützung der Eltern

Auch das weitere Vorgehen hat er mit seinen Eltern genau abgesprochen. Denn eigentlich könnte Pudel auch zur Polizei nach Niedersachsen gehen: „Dort habe ich schon eine Zusage. Aber die Ausbildung dort und Regionalligafußball in Wiedenbrück sind parallel nicht machbar.“ Und die Chance in Wiedenbrück will er sich nicht entgehen lassen. „Ich kann ja mit 23 oder 24 immer noch zur Polizei gehen oder studieren, wenn ich beim Fußball nicht weiterkomme. Aber ich möchte zumindest erstmal alles rausholen, was möglich ist.“ Dazu gehört auch das Verbessern seines rechten Fußes. „Aktuell nehme ich lieber noch den linken Außenrist“, lacht Bjarne.

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