Handball-Oberliga: SF Loxtens neuer Trainer Michael Boy (39) im großen WESTFALEN-BLATT-Interview
Ohne Druck in die 3. Liga

Versmold-Loxten (WB). Bei den Sportfreunden Loxten hat Michael Boy als Trainer Dirk Schmidtmeier abgelöst. Im Gespräch mit WB-Mitarbeiter Sören Voss spricht der 39-Jährige über seine ersten Eindrücke, Training unter Corona-Bedingungen und die Ziele mit den Fröschen in der Handball-Oberliga.

Samstag, 20.06.2020, 06:30 Uhr
Bei seinem bisher letzten Spiel in der Versmolder Sparkassen-Arena musste sich Michael Boy als Trainer der TSG A-H-Bielefeld im März 2017 mit einem 31:31 gegen Loxten zufrieden geben. Foto: Sören Voss
Bei seinem bisher letzten Spiel in der Versmolder Sparkassen-Arena musste sich Michael Boy als Trainer der TSG A-H-Bielefeld im März 2017 mit einem 31:31 gegen Loxten zufrieden geben. Foto: Sören Voss

Von Ihrem bisher letzten Spiel als Altenhagens Trainer in der Sparkassen-Arena, das im März 2017 31:31 endete, gibt es ein Foto, auf dem sie ungläubig auf dem Boden knien. Welches Bild hatten Sie von Loxten, bevor sie als Trainer unterschrieben?

Michael Boy: Ein unangenehmer Gegner, immer kämpferisch. Man musste in der Versmolder Halle gefühlt fünf Tore besser sein, um mit einem Tor zu gewinnen. In der tollen Heimspielatmosphäre waren es trotzdem Spiele, auf die man sich gefreut hat.

 

Ging es dann nach der Loxtener Anfrage im Herbst ganz schnell?

Boy: Ja. Wir hatten vor drei Jahren schon einmal gesprochen. Damals konnte ich es mir noch nicht vorstellen. Aber Loxten ist mittlerweile eine super Adresse geworden. Die Entwicklung - zehn Jahre Verbandsliga, sechs Jahre Oberliga - ging immer in eine Richtung. Und sie ist nicht übers Knie gebrochen, sondern steht auf sehr soliden Füßen.

 

Wäre deshalb die dritte Liga in dieser Saison der logische nächste Schritt gewesen? Oder passt die Oberliga aktuell besser zu Loxtens Kragenweite?

Boy: Das große Ziel ist es natürlich. Man kann nie sagen, wann es passt. Sowas muss sich entwickeln. Es kann, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht passen, auch zu früh sein. Loxten kann es sportlich und finanziell stemmen, aber es ist auch nicht tragisch, wenn man noch ein Jahr Oberliga spielt. Oder zwei oder drei. Das Schöne ist ja, dass es keinen Druck von Sponsoren, Mannschaft oder Umfeld gibt.

 

Das war ja bei ihrem alten Club, der TSG Altenhagen-Heepen, wo sie mit 128 Spielen Rekordtrainer sind, anders…

Boy: … Bielefeld geht offensiv damit um, dass es die dritte Liga und noch höher sein soll. Da habe ich in Loxten andere Voraussetzungen, die ein ruhigeres Arbeiten mit sich bringen. Aber man muss sich als Sportler auch Ziele setzen, für die man sich strecken muss. Es gibt nichts Schlimmeres, als im leeren Raum vor sich hinzutrainieren.

 

Training ist ein gutes Stichwort. Wie war das erste Beschnuppern mit der neuen Mannschaft?

Boy: Durch Spiele oder Videos kenne ich alle Jungs. Einige, wie Werner oder Zwaka, habe ich schon trainiert, mit Johnny Dähne habe ich zusammengespielt. Der erste Eindruck ist durchweg positiv und ich hoffe, dass wir uns auf dieser Grundlage schnell weiterentwickeln können.

 

Gab es im persönlichen Kontakt trotzdem Dinge, die Sie überrascht haben?

Boy: Vor dem ersten gemeinsamen Training habe ich mit jedem Spieler, dem Physio, dem Teamarzt und allen, die dazugehören, ein Vier-Augen-Gespräch geführt. Ich war überrascht, dass jeder völlig klar war. Jeder hat seine persönlichen Ziele auch neben dem Sport und konnte klar formulieren, was sein Stand ist. Das kann man auf den Sport übertragen. Alle sind sehr aufgeräumt – das fand ich sehr beeindruckend.

 

Wie war das erste Training unter Corona-Bedingungen?

Boy: Total merkwürdig. Das wünscht sich kein Trainer, weil es mit Handball nicht zu tun hat. Seit März hat keiner mit Schultern, Knien oder Gelenken handballspezifische Bewegungen gemacht. Wenn man sonst pro Woche 1000 Mal den Arm kreist und plötzlich bei null ist, muss man ganz behutsam vorgehen, um auch Verletzungen vorzubeugen.

 

Calli Welge, Max Schäper, Jasper Steinlechner und Malte Weigel sind nicht mehr dabei. Können sie mit den Zugängen Johnny Dähne, Jonas Zwaka, Luca Werner, Konstantin Kraak und Aaron von Ameln kompensiert werden?

Boy: Wir haben es gut kompensiert und mit Luca Werner zusätzlich auch Erfahrung und Physis dazubekommen, die uns variabler macht. Ich sehe uns gut aufgestellt, denn auch die Balance aus Jung und Alt passt.

 

In welchen Bereichen möchten Sie die Mannschaft weiterentwickeln?

Boy: Das Tempospiel war schon sehr gut, aber man sollte nie zufrieden sein. Ansetzen möchte ich beispielsweise in der Abwehr, wo ich gerne noch eine dritte Variante hätte. Die Corona-Pause gibt uns sogar mehr Zeit dafür.

 

Ihr Vertrag läuft über zwei Jahre. Was möchten Sie erreichen?

Boy: Ich würde mich freuen, wenn ich jeden einzelnen besser machen kann. Dann werden wir auch schnell im Kollektiv besser. Ziele, die man an Platzierungen festmachen kann, formuliere ich sicher nicht alleine, sondern das erarbeiten wir gemeinsam mit der Mannschaft. Ich möchte Spaß vermitteln, denn mit einem Lachen geht es leichter. Es gibt aber auch Momente, in denen man Handball arbeiten muss. Ich bin ein Freund davon, wenn man dem Ball hinterherspringt. Deshalb waren uns auch bei der Auswahl von Neuverpflichtungen Einsatzbereitschaft und Leidenschaft mit am wichtigsten. Kämpfertypen passen zu Loxten. Natürlich wollen wir uns handballerisch weiterentwickeln, aber wir wollen auch körperlich arbeiten. Das wird auch von den Zuschauern honoriert.

Zur Person

Name: Michael BoyAlter: 39Vereine als Spieler: TBV Lemgo, GWD Minden, Eintracht Hildesheim, HSG Konstanz, TSG Altenhagen-Heepen, TuS Möllbergen.Vereine als Trainer: TSG AH Heepen (2013-2018).

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7459156?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F4029443%2F
Ein Stück aus dem Tollhaus
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker