Sa., 24.08.2019

Radsport extrem: Norbert Rieks schafft die mehr als 1200 Kilometer bei Paris-Brest-Paris in 83 Stunden »Bon courage«: Begeisterung beflügelt

Warm eingepackt (Foto) in die erste Nacht gestartet - und nach gut 83 Stunden wohlbehalten zurückgekehrt: Norbert Rieks hat 1200 Rad-Kilometer am Stück in Frankreich bravourös gemeistert.

Warm eingepackt (Foto) in die erste Nacht gestartet - und nach gut 83 Stunden wohlbehalten zurückgekehrt: Norbert Rieks hat 1200 Rad-Kilometer am Stück in Frankreich bravourös gemeistert. Foto: WB

Von Gunnar Feicht

Werther (WB). Norbert Rieks hat es geschafft: 1232 Kilometer mit dem Rad inklusive aller Pausen in exakt 83 Stunden, 10 Minuten und 45 Sekunden – deutlich schneller als die erlaubten 90 Stunden. Das sind für den Wertheraner die nackten Zahlen am Ende von Paris-Brest-Brest. Wenn der 57-Jährige erzählt, schwingt natürlich berechtigter Stolz über die gewaltige Ausdauerleistung mit. Über allem aber steht die Dankbarkeit, eine unvorstellbare Radsportbegeisterung an der Strecke erlebt zu haben.

»Die Fahrradnation Frankreich prägt und trägt die Veranstaltung. Die Menschen stehen auch nachts an der Straße, applaudieren, rufen ›bonne route‹ oder ›bon courage‹ «, berichtet Rieks. Bei Privatleuten konnte er sich mit Kaffee, Tee, Wasser, Crêpes oder Kuchen stärken – meist unentgeltlich: »Als Gegenleistung erbitten sie nur eine Ansichtskarte aus der Heimat der Radsportler.« Werthers Echte sind auch in Frankreich ein Begriff.

Die Postkarten wird Norbert Rieks gerne an die notierten Adressen schicken. Und sich dabei an die unvergesslichen Erlebnisse bei der traditionsreichsten Prüfung im Ultra-Langstreckensport erinnern. »Natürlich war es auf den letzten 100 Kilometern hart, da tut einem so einiges weh. Aber ich habe Paris-Brest-Paris wirklich von seiner schönsten Seite erlebt«, schwärmt der Radfahrer aus Leidenschaft. Zwar blies der gleichmäßige Wind auf der Hinfahrt in die Bretagne schwach bis mäßig von vorn. Aber in diversen Gruppen boten sich die Teilnehmer im Wechsel Windschatten – PBP ist eben kein Rennen, sondern bildet ein weit auseinandergezogenes Feld aus 6300 Sportlern mit gemeinsamem Ziel.

Auch die vier Nächte zwischen dem Start am Sonntag gegen 20 Uhr und der Rückkehr am frühen Donnerstagmorgen hat Rieks bestens gemeistert: »Es war kalt bis runter auf sechs Grad, da musste man schon alles überziehen. Aber das berüchtigte Tief zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens hat sich nicht eingestellt. Es lief viel besser als befürchtet.« Während er an etlichen Teilnehmern vorbeirollte, die – in Notfalldecken gehüllt – in Buswartehäuschen schliefen, konnte der Wertheraner seinem Plan folgen: Er nutzte die Verpflegungsstellen, aß tellerweise Nudeln und die leicht verdauliche Gemüsesuppe, die auch den Salzhaushalt stabilisiert.

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»Es war eine wirklich harte Nummer, aber insgesamt doch leichter als befürchtet, weil mental alles gut geklappt hat.«

Norbert Rieks

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Alle 300 Kilometer eine Dusche und frische Wäsche: Der strapazierte »Motor« blieb in Schwung. Die vier Schlafpausen, insgesamt sechs Stunden lang, dauerten höchstens je zwei Stunden, sodass der Dauerfahrer fünfzigeinhalb Stunden in die Pedale trat. Nur Mittwoch Nachmittag hatte er den berühmten toten Punkt, legte sich unter einem Baum ins Gras, nach 30 Minuten rollte es weiter – ein Powernap der besonderen Art.

Perfekte Organisation und Beschilderung über wenig befahrene Landstraßen half Rieks, auf Kurs zu bleiben. Die Begeisterung am Rand trieb immer wieder an. Mitten in Villains la Juhel, knapp 200 Kilometer vor dem Zielort Rambouillet, empfing die Sportler eine voll besetzte Tribüne mit lautstarkem Applaus. Norbert Rieks: »Nicht weit davon führte die Route an einem Altenzentrum vorbei. Vermutlich alle mobilen Bewohner standen an der Straße – viele mit Rollatoren und Rollstühlen – und haben uns applaudiert.«

Ohne jede Panne rollte Rieks dem Ziel entgegen – und bekam auf den letzten 45 Kilometern sogar die zweite Luft: »In einer Gruppe mit sieben Italienern und zwei Engländern haben wir uns vorne abgewechselt und noch mal richtig Tempo gemacht.« Der Express rollte frühmorgens gegen 7 Uhr ins Ziel – um diese Stunde natürlich von kaum einem Zuschauer beklatscht: »Es war eine wirklich harte Nummer, aber insgesamt doch leichter als befürchtet, weil mental alles gut geklappt hat«, sagt Norbert Rieks und kann sich »durchaus vorstellen, in vier Jahren wieder dabei zu sein«. Im Urlaub an der französischen Atlantikküste mit Ehefrau Petra Tarrach-Rieks tut es vorerst mal eine 20-Kilometer-Radtour: »Meine Frau hat mich ja zuerst für verrückt erklärt, aber mich dann super unterstützt. Ohne den Rückhalt hätte es nicht funktioniert.«

 

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