Fußball: TFC Werther kündigt juristische Schritte an
Kurioser Streit um Sportplatznutzung

Werther. (WB).Was Fußballplätze angeht, ist Werther vergleichsweise so gut aufgestellt, dass andere Kommunen durchaus neidisch werden könnten. Dennoch gibt es jetzt Streit, weil der seit 30 Jahren bestehende Türkische Fußball Club TFC nach Angaben von Gürkan Sever Schwierigkeiten hat, eine Spielstätte zu finden.

Mittwoch, 01.07.2020, 23:29 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 23:50 Uhr
Jahrelang war die Sportanlage am Meyerfeld die sportliche Heimat des TFC Werther. Nun wird ein anderer Spielort gesucht. Foto: Ulrich Fälker
Jahrelang war die Sportanlage am Meyerfeld die sportliche Heimat des TFC Werther. Nun wird ein anderer Spielort gesucht. Foto: Ulrich Fälker

Jahrelang habe man im Meyerfeld gespielt, vor zweieinhalb Jahren aber keine Mannschaft mehr zusammen bekommen. In der kommenden Saison will der TFC mit zwei Teams am Spielbetrieb der Kreisliga C teilnehmen – und mit Unterstützung eines Anwalts juristisch gegen die Stadt Werther vorgehen, kündigt Gürkan Sever an.

Hier zeigen sich Verantwortlichen relativ gelassen und auch ein wenig irritiert. »Wir können den TFC sofort auf den städtischen Rasenflächen in Theenhausen oder Häger spielen und trainieren lassen«, erklärt Bürgermeisterin Marion Weike und verweist darauf, dass man mit dem TFC mehrfach nach Lösungen gesucht habe. »Nach der letzten Gesprächsrunde dachte ich eigentlich, die Kuh sei vom Eis«, bestätigt der Vorsitzende des Stadtsportbundes, Ralf Biermann. Mehrfach habe man sich gegenüber dem TFC kulant gezeigt, sagt Stefan Meier vom zuständigen Fachbereich 1 und deutet an, dass die aktuelle Geschichte bereits ein Vorspiel hatte.

2016 wurde der TFC vorübergehend vom Fußball- und Leichtathletikverband FLVW gesperrt. Nach Beilegung der Differenzen zog sich der Verein mangels genügend Aktiver vom Spielbetrieb zurück, bevor er sich 2019 zurückmeldete. »Jeder Verein hat Kosten für seine Sportstätten aufzubringen«, sagt Stefan Meier und verweist darauf, dass etwa der TuS Langenheide in Bauherreneigenschaft seinen Kunstrasenplatz errichtet hat und aus steuerrechtlichen Gründen verpflichtet ist, bei vereinsfremder Nutzung entsprechende Entgelte zu verlangen. Andernfalls drohten Erstattungsforderungen des Finanzamtes.

Auch bei den städtischen Plätzen bringen sich die nutzenden Vereine in Bezug auf Reinigung und Pflege mit ein. Wenn nicht in Eigenregie etwa der Rasen turnusmäßig gemäht werden kann, wird ein bestimmter Obolus fällig. Nach Angaben von Stefan Meier hat die Stadt zur »Abdeckung von Altlasten« fällig gewordene Anteilszahlungen des TFC in Höhe von 1.000 Euro übernommen. Darüber hinaus wurde Ende 2019 vereinbart, dass die Spieler des TFC eine Zweitmitgliedschaft im TuS Langenheide beantragen, daraufhin die Vereinsanlagen kostenlos nutzen können, aber weiterhin als separate Mannschaft auflaufen.

Als Anschubfinanzierung der dann doppelt anfallenden Mitgliedsbeiträge zahlte die Stadt weitere 1.000 Euro. Offenbar hat sich laut Stefan Meier in der Zwischenzeit das Blatt gewendet, und die Idee der Zweitmitgliedschaft wurde nicht umgesetzt. Im Sinne der Fairness sollte man sich an Absprachen und vernünftige Regelungen halten, findet Ralf Biermann. Positionen wie »Ich will« und »Ihr müsst« und jegliches Anspruchsdenken seien rechtlich nicht haltbar. Zudem seien bestimmte Zahlungen nur schwer mit den Grundsätzen der Sportförderung vereinbar, weil sich andere Vereine benachteiligt fühlen könnten.

Auch Marion Weike fand die gefundene Lösung »eigentlich ganz gut«. Sie stellt klar, dass ihr alle Sportvereine gleich viel wert sind und appelliert, dass sich alle miteinander einigen. Der TFC Werther könne gerne den städtischen Rasenplatz für den Fußballkreis als Spielort benennen. Im Übrigen unterstreicht sie die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft der Stadt, um mit allen Beteiligten nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen.

Kommentar

Alle Wertheraner Fußball-Vereine müssen für ihre Spielstätten zahlen. Sie beteiligen sich an der Pflege oder sie treten wie zum Beispiel der TuS Langenheide als Bauherr des Kunstrasenplatzes auf und müssen Kredite abstottern. Einen Teil dieser Kosten übernimmt die Stadt. Den anderen Teil müssen die Vereine stemmen. So schießt etwa der TuS Langenheide jährlich Kosten in Höhe von 6.000 Euro zu.

Vor allem der Kunstrasenplatz am Meyerteich stößt nicht zuletzt durch die intensive Jugendarbeit des BV Werther an Auslastungsgrenzen. Für den TFC, der traditionell keine Nachwuchsspieler ausbildet, muss also eine andere Spielstätte gefunden werden.

Und eine Lösung ist so nahe. In Langenheide gibt es freie Kapazitäten auf dem Kunstrasen, der das ganze Jahr genutzt werden kann. Dort hat der TFC auch bereits in der vergangenen Saison gespielt. Gilt das gleiche Recht für alle – oder die im Sport oft zitierte Fairness – dann muss auch dieser Verein bereit sein, seinen Beitrag zur Kostendeckung zu leisten. Die Zweitmitgliedschaft in Langenheide wäre ein Kompromiss. Juristische Schritte dagegen sind keine Garantie für die Nutzung einer Spielstätte – und können schnell zu einem Eigentor werden. Stephan Arend

 

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