Heim-DM für TT-Ass Lei Yang: Brackwedes Chinese hat schon mit George Bush gespielt
Der Favoritenschreck

Bielefeld(WB). Bei seiner ersten Teilnahme an Deutschen Tischtennis-Meisterschaften hat er Timo Boll und Jörg Roßkopf geschlagen und besaß einen Matchball zum Titelgewinn. Acht Jahre danach ist Lei Yang von der SV Brackwede bei den 84. nationalen Titelkämpfen in Bielefeld erneut am Start – diesmal zusätzlich als Lokalmatador.

Freitag, 18.03.2016, 15:45 Uhr
Lei Yang hat bei seiner ersten DM-Teilnahme im Jahr 2008 für Furore gesorgt, als er sich den Vizetitel sichern konnte. Der Westdeutsche Meister möchte erneut auftrumpfen. Foto: Thomas F. Starke
Lei Yang hat bei seiner ersten DM-Teilnahme im Jahr 2008 für Furore gesorgt, als er sich den Vizetitel sichern konnte. Der Westdeutsche Meister möchte erneut auftrumpfen. Foto: Thomas F. Starke

Ob der Penholder-Spieler mit deutschem Pass und chinesischen Wurzeln, der schon den ehemaligen US-Präsidenten George Bush Senior am Tisch auf Trab brachte, erneut zum »Favoritenschreck« wird, zeigt sich in der Seidensticker Halle. Eintrittskarten gibt es noch. Auch ein Live-Streaming an allen drei Turniertagen.

Er war 30, als ihm Tischtennis-Deutschland den Titel »Favoritenschreck« verlieh. Bei seiner ersten DM-Teilnahme im Jahr 2008 in Hamburg hatte Lei Yang im Achtelfinale Doppel-Weltmeister Jörg Roßkopf ausgeschaltet und in der Runde der besten Acht sogar den topgesetzten Rekord-Europameister Timo Boll.

Wer ist bloß dieser Spieler?

Zuschauer und Journalisten steckten in der Sporthalle Hamburg die Köpfe zusammen. Wer ist bloß dieser Penholderspieler, der sich – selbst für ihn überraschend – angeschickt hatte, Deutscher Einzel-Meister zu werden und den erst der EM-Finalist von 2003, Torben Wosik, im Finale stoppen konnte?

Dieser Lei Yang war heute vor acht Jahren Spielertrainer der Oberliga-Mannschaft des württembergischen ASV Grünwettersbach und hatte sich als Baden-Württembergischer Meister für die DM in Hamburg qualifiziert. »Ich bin wirklich nur zum Spaß hierher gekommen«, erzählte er damals. »Ich habe gedacht, vielleicht fliege ich in der ersten Runde raus und schaue mir dann die Stadt an.«

Daraus wurde nichts. Fast hätte es sogar zum Titel gereicht bei 2:1- und 3:2-Satzführungen und einem sechsten Durchgang, den er nach vergebenem Matchball mit 10:12 gegen Wosik verlor.

Sparringspartner des Nationalteams

Heute sagt er rückblickend über den 29. und 30. März 2008: »Ich frage mich immer noch, wie ich gegen Timo gewonnen habe. Timo verliert gegen Oberligaspieler, hieß es da. Mir war das ein bisschen unangenehm, aber ich habe mich auch über meine Leistung gefreut.« Und er ergänzte mit einem Augenzwinkern: »Ich habe gesehen, wie Ma Lin gegen Boll spielt, und ein paar Ideen bekommen.«

Er zählte damals wie heute zum Kreis der Sparringspartner des deutschen Nationalteams, bekam Anfang 2007 den deutschen Pass, strebte aber keine Karriere im Hochleistungssport mehr an. »Ich will nicht mehr so hart trainieren«, erklärte der heute 38-jährige Rechtshänder.

Ballwechsel mit George Bush

1997 heuerte der gebürtige Chinese beim Zweitligisten DJK Offenburg an, machte danach bei anderen Zweitliga-Vereinen Station und spielte für den bayerischen TSV Gräfelfing auch ein Jahr im Oberhaus. Chinas Volksheld Ma Lin hat bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking zweimal Gold geholt, und auch zu den Sommerspielen in Lei Yangs alter Heimat weiß Lei eine Geschichte zu erzählen.

Er war damals als Sparringspartner der US-Tischtennismannschaft vor Ort und trainierte im selben Hallenkomplex wie das US-Basketball-Dream-Team. So hatte er unverhofft die Gelegenheit zu einem Foto mit Basketballstar Kobe Bryant, das inzwischen in der Pekinger Wohnung seiner Eltern hängt, und zu ein paar Ballwechseln mit dem ehemaligen US-Präsidenten George Bush Senior, der den amerikanischen Sportlern einen Besuch abstattete.

Vertrag bei Ostwestfalen bis 2017

Der A-Lizenz-Trainer, seit Mitte 2014 in Drittliga-Diensten des DM-Organisators SV Brackwede, hat Anfang 2015 vorzeitig seinen Vertrag bei den Ostwestfalen bis 2017 verlängert. Für ihn zählt die Nähe zu seiner Familie.

Mit Ehefrau Han Ying, Deutschlands und Europas Nummer eins, und der gemeinsamen kleinen Tochter Leonie lebt er in Düsseldorf, fungiert am dortigen Deutschen Tischtennis-Zentrum als DTTB-Honorartrainer. »Die Familie ist jetzt wichtiger. Ich will nicht mehr so viel unterwegs sein.«

Für die DM hat er sich als Westdeutscher Meister qualifiziert. Zur Freude der SVB-Fans greift Lei Yang am Samstag an. »Mein erstes Ziel war erstmal die Qualifikation für die Deutschen über die Westdeutschen Meisterschaften. Ich hätte nicht damit gerechnet, dort zu gewinnen«, sagt Yang. »Da diese Titelkämpfe wichtig für meinen Verein SV Brackwede sind, habe ich versprochen, mein Bestes für die Zuschauer zu geben. Ich hoffe, dass ich nicht zu nervös sein werde und gute Spiele abliefern kann.« Sport

 

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