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Di., 07.06.2016

»Ausdauersporttag« liefert Einblicke in Abenteuer und Adrenalinsucht Wandeln zwischen den Extremen

Sie setzen sich ein für Ausdauer- und Extremsport: (von links) Wolfgang Kulow, Michele Ufer, Constanze Escher, Amanal Petros, Michael Haase, Organisator Jan-Olof Wadehn und Karsten Stolle. Die Referenten haben ihr Publikum überzeugt.

Sie setzen sich ein für Ausdauer- und Extremsport: (von links) Wolfgang Kulow, Michele Ufer, Constanze Escher, Amanal Petros, Michael Haase, Organisator Jan-Olof Wadehn und Karsten Stolle. Die Referenten haben ihr Publikum überzeugt. Foto: Philipp Bülter

Von Philipp Bülter

Bielefeld (WB). 90 Kilometer rund um die Insel Fehmarn zu schwimmen, so wie Wolfgang Kulow. 431 Kilometer bei arktischer Kälte zu laufen und dabei gegen Hunger und Erfrierungen anzukämpfen, so wie Constanze Escher. Was treibt Sportler zu solch außergewöhnlichen Leistungen? Was macht den Reiz des Extremen aus? Fragen wie diese haben sechs Referenten beim »Ausdauersporttag« beantwortet.

Plötzlich wird es still im Gastrobereich der Stadtwerke Bielefeld. Vor etwa 30 Zuhörern spricht Wolfgang Kulow über seine Tour über den gefrorenen Baikalsee. Gemeinsam mit Kumpel Stefan Schlett wollte der Extremsportler 1000 Kilometer über den riesigen See in Sibirien zurücklegen – auf dem Fahrrad. Dort herrschen Temperaturen bis zu minus 30 Grad Celsius. Kulow zeigt Bilder von unendlicher Weite. Man sieht nichts als Schnee und Eis.

Dann kommt Wasser zum Vorschein. Es ist pechschwarz. An dieser Stelle des Sees ist das Eis gebrochen. Kulows schwer bepacktes Fahrrad parkt am Wasserrand. »Wenn mich Stefan in diesem Moment nicht gewarnt hätte, wäre ich direkt ins Wasser gefahren. Bei diesen Temperaturen erstarrt der Körper blitzschnell. Wenn man nicht sofort handelt, stirbt man«, erklärt Kulow.

Die Lust, immer wieder eigene Grenzen zu überwinden

Für Abenteuer wie diese ist der 67-Jährige bekannt. Er stellt anlässlich des Ausdauersporttages seine Projekte vor. Kulow und die weiteren Referenten Amanal Petros (Lauf-Juwel der SV Brackwede), Sportpsychologe Michele Ufer, Karsten Stolle (Physiotherapeut), Ultratrail-Läuferin Constanze Escher und Alpinist Michael Haase referieren über ihre Erlebnisse. Sie sprechen über Krisenmanagement in Extremsituationen, vom Versagen und Wiederaufstehen, sowie von der Lust, immer wieder eigene Grenzen zu überwinden. »Durch mentale Stärke kann man sehr viel beeinflussen. Viel mehr, als die meisten glauben«, betont Michele Ufer.

Amanal Petros beschreibt seine Liebe zum Laufsport. »Man braucht große mentale Power«, betont der mehrfache Deutsche Meister. Der Bielefelder Physiotherapeut Karsten Stolle, der mit Sportlern wie Bastian Schünke (Extremradfahrer) oder Amanal Petros zusammenarbeitet, hebt das Mannschaftserlebnis beim Ausdauersport hervor. »Das Gemeinschaftsgefühl ist klasse. Man kämpft zusammen für ein Ziel.«

Extremsportler Wolfgang Kulow sticht mit seiner Biografie heraus. Der 67-Jährige fuhr etwa schon beim »Race Across America« 5000 Kilometer mit dem Fahrrad quer durch die USA. Er umschwamm die Insel Fehmarn (Strecke: 90 km) und absolvierte in Mexiko einen zehnfachen Ironman. Die Distanzen: 38,62 km Schwimmen, 1802,50 km Radfahren und 422 km Laufen. Unter Wasser lief er mit Sauerstoffgerät einen Marathon. Seine Hochzeit fand ebenso unter Wasser statt. »Natürlich«, sagt Wolfgang Kulow. »Und zu heiraten, das war wirklich ex-trem«, erklärt er augenzwinkernd.

Wappenweg-Ultralauf hat sich ein gutes Standing erarbeitet

Wie aber erklärt sich seine Passion für das Extreme? »Früher galt ich gemeinhin als verrückt, jetzt nennt man mich Extremsportler. Mich fasziniert das, was eigentlich nicht klappen kann. Das treibt mich an«, betont Kulow. »Man braucht die Gier, neue Dinge zu kreieren.« So plane er – bislang lose – als erster Mensch den Ärmelkanal zu durchtauchen. »Das wird aber sehr schwer zu realisieren sein«, erzählt Wolfgang Kulow.

Auch der 2. Wappenweg-Ultra, der am Samstag, 27. August, wieder 100 Kilometer rund um Bielefeld führt, trifft den Geschmack des Extremsportlers. Auch wenn er solche Läufe gesundheitsbedingt nicht mehr absolviert. Wieder mit dabei sein könnte dafür Vorjahressiegerin Petra Bach. Die Ultraläuferin vom TSVE setzte sich bei der Premiere bei den Frauen in 11:27 Stunden durch. Ob sie im August erneut an den Start geht, weiß sie derzeit noch nicht. Den Wappenweg-Ultra schätzt sie: »Man hat Berge, man hat Wald, eine tolle Strecke und eine noch bessere Gemeinschaft.«

Es sei schlichtweg toll, auf ein Ziel hinzutrainieren. »Außerdem wirkt der Ultrasport bei mir als Ausgleich zum Alltag, auch wenn das abgedroschen klingt«, sagt die kaufmännische Angestellte. Sie sitzt im Publikum, das ständig den Dialog mit den Referenten aufnimmt. Die sportbegeisterten Zuhörer stellen Fragen und können sich ein gutes Bild von der Lebenseinstellung Ausdauersport machen. Moderator Bernhard Vogel führt gekonnt durch das vierstündige Programm.

Positives Fazit und neue Ideen

Organisator Jan-Olof Wadehn zieht ein zufriedenes Fazit. Er selbst sammelt als Ultraläufer regelmäßig Spenden für das Kinder- und Jugendhospiz in Bethel. Den Ausdauersporttag will er künftig im Frühjahr veranstalten, »zu Beginn der Saison«. Es soll dann Workshops geben und einen noch intensiveren Austausch zwischen Publikum und Referenten. »Das kommt sehr gut an.«

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