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Sa., 24.06.2017

Christian Sprdlik sieht tolle Voraussetzungen für das Projekt Spitzenhandball in Bielefeld »Hier ist ein idealer Nährboden«

Die Sponsoren spielen mit. Geschäftsführer Christian Sprdlik hat schon einen Großteil des Etats für die neue TSG-Saison beisammen.

Die Sponsoren spielen mit. Geschäftsführer Christian Sprdlik hat schon einen Großteil des Etats für die neue TSG-Saison beisammen. Foto: Bernhard Pierel

Von Jörg Manthey

Bielefeld (WB). Mit der Inthronisierung Christian Sprdliks als hauptamtlichem Geschäftsführer hat bei der TSG A-H Bielefeld eine neue Zeitrechnung begonnen. Der 38-jährige Sportfachwirt verspürt seither ein großes Wohlwollen in der Teuto-Metropole für seine Vision »Hand.B.OWL« und prophezeit dem Handball-Oberligisten eine glänzende Zukunft.

Sprdlik befindet sich aktuell in der wohl schwierigsten Phase seines Gesamtkonstruktes, das auf fünf Jahre – und mehr – ausgelegt ist. Stichwort: wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der GmbH. Seine Vision von einem Bundesliga-Standort erfordert möglichst frühzeitig eine Absicherung mit finanzieller Liquidität. Folglich ist sein Terminkalender gut gefüllt. »Jetzt gilt es, viele Personen für dieses Projekt und diesen Weg zu begeistern«, verrät Sprdlik.

Das Notebook ist immer dabei. Unverzichtbares Hilfsmittel, um seine durchdachte Konzeption charmant anzupreisen. Dabei geht Sprdlik nicht mit der Brechstange vor. »Es geht darum, potenzielle Unterstützer von einer nachhaltigen Arbeit zu überzeugen. Das ist unsere erste Aufgabe. Was hier entsteht, soll keine Eintagsfliege sein.« Vom kommenden Jahr an sollen neben der »Ersten« weitere Ressorts wie Nachwuchsarbeit, soziale Projekte, Kooperationen mit Schulen oder mit der Universität forciert werden. Denn Christian Sprdlik schaut nicht nur auf die Spitze, auch das Niveau des Breitensports soll steigen.

»Keine Spinnereien«

Seine Vita ist dabei ein echtes Pfund. Sprdlik kommt nicht nur sympathisch dynamisch rüber, sondern weist immerhin zehnjährige Erfahrung auf diesem Terrain auf. »Ich erzähle keine Kirmesweisheiten oder Spinnereien. Ich weiß, was auf uns zukommt.« Nach den beiden lippischen Vorzeigeklubs HSG Blomberg-Lippe und TBV Lemgo (samt Aufbau der Youngsters) ist nun das Oberzentrum dran. »Bielefeld hat eine Handball-Vergangenheit, auf der ich nicht herumreiten möchte. Ich gucke ins Hier und Jetzt und sehe eine große Stadt. Die 18.-größte in Deutschland. Der wirtschaftsstarke Standort, und da schließe ich die ostwestfälische Nachbarschaft mit ein, ist total attraktiv. Ich habe ein großes Vertrauen in die Perspektive und sehe eine Menge Potenzial, das akquiriert werden kann. Wir wollen eine Win-Win-Situation für alle schaffen.«

Sieben Neuzugänge

Das Premiumprodukt für die anstehende Saison 2017/18 weist sieben Neuzugänge auf: Arne Kröger (VfL Mennighüffen), Johannes Krause (MTV Braunschweig), Gustav Rydergaard (TBV Lemgo), Jonas Zwaka (GWD Minden A-Jugend), Maximilian Kroll (Eintracht Hildesheim), Julius Hinz (HSG Hannover-Burgdorf) und Marius Kastening (TuS Ferndorf). Bei einem passenden Linkshänder würde Sprdlik auch nicht Nein sagen. »Es kommt ein ganz anderer Wind rein. Einige Leute haben schon Bundesliga gespielt, 3. Liga, Junioren-Nationalmannschaft. Die kommen runter in die vierte Liga, weil sie überzeugt sind vom Konzept hier. Die spüren das. Das ist ein Vertrauensvorschuss.« Die Herkulesaufgabe von Trainer Michael Boy, der inzwischen mit dem A-Lizenzlehrgang begonnen hat, und dem Team hinter dem Team ist es, aus der versammelten individuellen Klasse ein funktionierendes Team zu modellieren.

85 Prozent des TSG-Etatvolumens speisen sich aus Sponsoreneinnahmen. Davon hat Christian Sprdlik schon einen ganzen Batzen beisammen; weit jenseits des Vorjahresvolumens. 65 Prozent des Gesamtetats bilden Personalkosten – inklusive Geschäftsführer. »Jedem sollte klar sein, dass ich hier eindeutig weniger verdiene als beim TBV Lemgo. Doch es geht mir nicht um die Kohle. Ich bin hier, um etwas aufzubauen«, betont der Lemgoer.

»Haben keinen Druck«

Sprdlik hatte schon bei seiner Vorstellung im Februar das Wort Aufstieg in den Mund genommen. Zu einem Zeitpunkt, als die TSG noch gar keine adäquate Mannschaft beisammen hatte. Inzwischen hat er hohe Handball-Qualität nach Heepen gelockt, die sich starker Konkurrenz wie TuS Spenge, VfL Gladbeck oder SF Loxten, von Christian Sprdlik mit dem Gütesiegel »Geheimfavorit« versehen, stellt. »Es liegt mir fern, Druck aufzubauen. Wir haben keinen Druck. Das Ganze soll Spaß machen. Wir wollen die Leute begeistern, in und für Bielefeld guten Handball spielen. Wenn wir im ersten Jahr nicht aufsteigen, dann eben im zweiten.«

Christian Sprdlik sieht in ferner Zukunft ein Handball-Bielefeld-Ostwestfalen-Lippe-Gebilde, das »automatisch zu einer zentralen Marke der Stadt werden soll.« Eine »Wir-Marke« nennt er das; für Sponsoren, Fans oder Pressevertreter gleichermaßen. »Alle sollen stolz sein auf die TSG als Imageträger. Ich habe keine Lust auf Grabenkämpfe. Jöllenbecker, Braker, Gadderbaumer oder Senner sollen genauso Lust entwickeln auf Profihandball und sich mal die Spiele angucken. Diese Stadt ist so Handball-affin. Jeder Ortsteil hat einen gut funktionierenden Handballklub. Für mich ist Bielefeld tatsächlich eine Handball-Hochburg. Hier wird Handball gelebt.«

Christian Sprdlik denkt groß und glaubt fest an die Chance seines Projektes. Sogar einem Umzug ins Gerry-Weber-Stadion ist der Tausendsassa nicht abgeneigt, um dort gegebenenfalls einen neuen Zuschauerweltrekord für die Oberliga oder 3. Liga (aktuell 8.555 Besucher beim Spiel HSV Hamburg – DJK Flensborg) aufzustellen. »Ich habe Bock. Die Vision ist gut, doch das ist keine Ein-Mann-Show. Das Rad ist aufgestellt. Wir brauchen jetzt Mitstreiter, Firmen, die es mit ins Rollen bringen. Hier ist ein idealer Nährboden. Nun bedarf es ausreichend Leute zum Pflanzen, Düngen und Säen.«

»Bielefeld ist gigantisch!«

Selbst Hüttenberg (11.000 Einwohner) könne die stärkste Liga der Welt stemmen. Oder Friesenheim. Ist Bielefeld reif, um mittelfristig mit der TSG als Platzhirsch zu einer echten Konkurrenz für Lemgo, Nettelstedt oder Minden zu wachsen? Sprdliks Augen blitzen kämpferisch. »Da gibt’s doch diesen Spruch, dass es Bielefeld gar nicht gibt. Ich sage, Bielefeld ist gigantisch! Wir werden zeigen, dass es Bielefeld gibt!«

 

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