Mo., 19.03.2018

Oberliga-Mannschaft wird nach dieser Saison aufgelöst – Teil des Sanierungskonzeptes Das Ende für Arminias U23

Arminias U23 wird aufgelöst: NLZ-Leiter Finn Holsing, Nachwuchsleiter Armin Perrey und Präsident Hans-Jürgen Laufer verkünden die Entscheidung.

Arminias U23 wird aufgelöst: NLZ-Leiter Finn Holsing, Nachwuchsleiter Armin Perrey und Präsident Hans-Jürgen Laufer verkünden die Entscheidung. Foto: Thomas F. Starke

Von Arndt Wienböker

Bielefeld (WB). Jetzt ist es offiziell: Der DSC Arminia meldet mit Ende dieser Saison seine U23 vom Spielbetrieb ab, die Mannschaft wird aufgelöst. Eine Überraschung ist die Bekanntgabe dieser Maßnahme nicht mehr. Wie von dieser Zeitung mehrfach berichtet, zeichnete sich die Auflösung der Bielefelder U23 in den vergangenen Wochen immer deutlicher ab.

Am Montag lud der Verein zu einer Pressekonferenz ein, in der die Entscheidung offiziell verkündet wurde. Dass dabei auch der wirtschaftliche Faktor eine wichtige Rolle spielt, verdeutlicht die Vereinsführung. »Wir befinden uns mitten in einem Sanierungskonzept, das wir durchziehen müssen. Wir haben jetzt die einmalige Chance, den Verein auf gesunde Füße zu stellen, und damit verbunden ist, dass wir Einschnitte machen müssen«, erklärt DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer.

Geschäftsführer Markus Rejek fügt an: »Wir müssen im Rahmen des Sanierungskonzeptes konsequent vorgehen. Die Auflösung der U23 ist keine Ad-hoc-Entscheidung, sondern ein signifikanter Beitrag zur Gesundung des Vereins.« Durch die Abmeldung der Mannschaft spart Arminia jährlich einen stattlichen Betrag ein, der im mittleren sechsstelligen Bereich liegen dürfte.

»Die Entscheidung ist alternativlos«

Die Auflösung der Bielefelder U23 hat aber auch sportliche Gründe. Seit der Oberliga-Meisterschaft im Jahr 2014 – der Regionalliga-Aufstieg der U23 wurde seinerzeit durch den Abstieg der Profis in die 3. Liga verhindert – ging es mit dem Team bergab. »Natürlich spielt die sportliche Entwicklung auch eine Rolle. Eine Perspektive mit Richtung Regionalliga ist momentan nicht realistisch. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber sie ist im Sinne des Vereins in der aktuellen Situation alternativlos«, betont NLZ-Leiter Finn Holsing.

Die Talente aus der eigenen U17 und U19 sollen künftig weiter verstärkt an den Profikader herangeführt werden. Holsing: »Zuletzt haben ja schon viele Talente aus der U19 den Sprung geschafft.« So unterschrieb nach Henri Weigelt oder Baboucarr Gaye jüngst auch Can Özkan einen Profivertrag beim DSC. »Und diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen«, versichert Armin Perrey, Sportlicher Leiter im Bielefelder NLZ und selbst langjähriger Trainer der U23: »Natürlich tut es weh, die U23 aufzulösen, aber man muss auch die Chancen sehen, die darin liegen. Wir wollen die Talente aus der U17 und U19 weiter voranbringen. Diese Jungs spielen bei uns, weil sie Profis werden wollen.« Sport-Geschäftsführer Samir Arabi verspricht: »Wir werden auch in Zukunft Sorge dafür tragen, dass unsere Talente hervorragend ausgebildet und auf den Profibereich vorbereitet sein werden.«

Mit der Entscheidung, die U23 vom Spielbetrieb abzumelden, steht der DSC längst nicht allein da. Immer mehr Profivereine (u.a. Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt, RB Leipzig) sind diesen Weg gegangen. »Wir sind im Wandel der Zeit«, verdeutlicht Perrey.

Der Verband wurde bereits über die bevorstehende Abmeldung von Arminias U23 informiert. Dass der DSC ab der Saison 2018/19 dann gänzlich aus dem Amateurfußball im Seniorenbereich verschwindet, sei »eine Konsequenz, mit der man leben müsse«.

»Keine Argumente geliefert«

Die Mannschaft wurde gestern Nachmittag vor dem Training über die Entscheidung des Vereins informiert. Arminias U23-Trainer André Kording (28) bedauert das Ende des Teams ganz besonders: »Ich persönlich finde es verdammt schade, dass es diese Mannschaft bald nicht mehr geben wird, schließlich habe ich ein Drittel meines Lebens mit der U23 verbracht; acht Jahre als Spieler und eineinhalb Jahre als Trainer.« Kording kann die Entscheidung aber auch nachvollziehen: »Ich verstehe die Gründe des Vereins. Wir haben sportlich auch einfach keine Argumente mehr geliefert, um die Mannschaft über die Saison hinaus bestehen zu lassen.«

Die laufende Spielzeit stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Der als neue Chefcoach vom SC Paderborn gekommene René Müller konnte wegen einer Auto-Immun-Erkrankung kaum ins Geschehen eingreifen. Müllers Part übernahm André Kording, doch die Mannschaft bekommt es bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht hin, das durchaus vorhandene Potenzial auf den Platz zu bringen. Platz 15 (Vorletzter) mit nur 13 Punkten aus 17 Spielen lautet die enttäuschende Zwischenbilanz. Hätten mit dem SC Hassel und TSV Marl-Hüls nicht zwei Vereine zurückgezogen, müssten die Arminen sogar ernsthaft um den Verbleib in der Oberliga bangen.

»Die Jungs spielen um ihre Zukunft«

Die Spieler haben nun Gewissheit und können sich nach einem neuen Verein umschauen. Und was wird nach der Saison aus dem Funktionsteam um René Müller, André Kording, Oliver Kirch (Co-Trainer) und Mark Sawkill (Teammanager)? Finn Holsing: »Wir lassen keinen im Regen stehen und befinden uns im Austausch über eine weitere Zusammenarbeit.«

Bis zum Ende der Saison will André Kording mit einer professionellen Einstellung vorangehen: »Es ist unserer aller Pflicht, bis zum Ende alles zu geben. Das sind wir uns selbst und allen anderen schuldig. Die Jungs spielen jetzt ja auch um ihre Zukunft.«

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