Mi., 11.04.2018

Futsal: Sennestadt hadert bei allem Stolz mit dem Viertelfinal-Aus MCH: Neues Jahr, altes Gefühl

Starke Leistung ist ein schwacher Trost: Hakan Güzel (links) und der MCH-Vorsitzende Yasin Kacar mussten sich einmal mehr mit dem Viertelfinal-Aus abfinden.

Starke Leistung ist ein schwacher Trost: Hakan Güzel (links) und der MCH-Vorsitzende Yasin Kacar mussten sich einmal mehr mit dem Viertelfinal-Aus abfinden. Foto: Henrik Wittenborn

Von Henrik Wittenborn

Bielefeld (WB). Den Meister geschlagen und seinen Meister gefunden. Für die Futsaler des MCH Sennestadt heißt der am Ende einer langen Saison zum zweiten Mal in Serie VfL Hohenstein-Ernstthal. Von Stillstand will man beim MCH nach dem 0:3 im Viertelfinale zur Deutschen Meisterschaft allerdings wenig wissen.

»Rückschlag, aber kein Rückschritt« titelte diese Zeitung nach dem 3:4 im März 2017 an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner. Ein Jahr danach könnten die Schlagzeilen ganz ähnlich lauten. »Wir stehen aber nicht am gleichen Punkt wie letztes Jahr. Der Futsal und Hohenstein sind ein ganzes Stück besser geworden«, sagte MCH-Trainer Sebastian Rauch. Besser ist sein Team nach und durch die nächste starke Saison auch geworden – nur eben noch nicht gut genug für den ganz großen Coup.

Rauch wundert der Leistungsabfall nicht

Eine Erklärung für die starke erste und die schwächere zweite Halbzeit im Viertelfinale: Mit zunehmender Spieldauer mussten die Sennestädter dem unnachgiebigen Tempo der Gäste Tribut zollen und waren plötzlich immer wieder den entscheidenden Schritt zu spät. Für Sebastian Rauch keine große Überraschung. »Da zeigt sich eben, worin die Unterschiede liegen, wenn wir einmal in der Woche für 60 Minuten trainieren und der Gegner in der heißen Phase bis zu zweimal am Tag.« Der schwache Trost: Taktisch konnte sein MCH gegen das profierfahrene Ensemble aus Sachsen lange Zeit mithalten – so lange die Kraft reichte.

»Alle haben gesehen, dass wir gut vorbereitet waren. Wir haben ein super Spiel gemacht. Nur hatte Hohenstein einfach die besseren Nerven«, sagte Sennestadts Kapitän Hakan Güzel, der vor allem den vielen vergebenen Torchancen vor und nach dem 0:1 nachtrauerte. »Das Gegentor war schon so etwas wie der Genickbruch für uns.«

Tatsächlich hatte der MCH sein Schicksal bis 30 Sekunden vor dem Ende in der eigenen Hand. Immer wieder fanden die Sennestädter die noch so kleinen Lücken im Hohensteiner Abwehrverbund und verzweifelten an Marco Pohl im VfL-Tor.

»Haben Schritt nach vorne gemacht«

Die Sennestädter selbst konnten sich mit Berkay Yilmaz selbst auf ihren Keeper verlassen, sahen sich gegenüber dem 4:1 beim Deutschen Meister Jahn Regensburg allerdings auch neuen Herausforderungen gegenüber. »Hohenstein war die erste Mannschaft, die uns selbst früh unter Druck gesetzt hat«, erklärte Yilmaz. »Das Ergebnis spiegelt den Spielverlauf überhaupt nicht wider.«

Jenes Ergebnis sorgt allerdings dafür, dass der MCH im anstehenden DM-Halbfinale zuschauen muss. Das bestreitet der VfL Hohenstein-Ernstthal stattdessen gegen die HSV Panthers in Hamburg. Den Sennestädtern bleibt bis zum Achtelfinale im Westdeutschen Pokalwettbewerb wenig anderes übrig, als auch ohne die erhoffte Krönung stolz auf das Erreichte zu sein. »Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht«, sagte Berkay Yilmaz. Bloß zum ganz großen Coup reichte der (noch) nicht.

Kommentar: Status ist gefährdet

Goran Novakovic, Trainer bei den Futsalern der Black Panthers Bielefeld, erzählt gern folgende Geschichte: »Am ersten Spieltag der Saison holen wir den Ball aus dem Schrank, entstauben ihn, und dann geht es los. Und nach dem letzten Spieltag legen wir ihn zurück.« Was Novakovic humorig preisgibt, schildert das Dilemma der Bielefelder Aushängeschilder. Trainiert wird bei den Black Panthers seit jeher gar nicht, beim MCH Sennestadt immerhin 60 Minuten in der Woche.

Dass das zu wenig ist, um auf höchstem Niveau konkurrenzfähig zu sein, bekamen die Sennestädter am Samstag schmerzhaft vor Augen geführt. Und damit auch einen Vorgeschmack auf die kommenden Jahre: Der Deutsche Fußball-Bund will schon bald eine Futsal-Bundesliga an den Start bringen. Überschaubare Rahmenbedingungen, wie sie MCH und Black Panthers in Bielefeld derzeit vorfinden, dürften dann nicht mehr ausreichen, um den Status als »Futsal-Hauptstadt« aufrecht halten zu können.

Zum einen werden sich die Spieler wohl oder übel entscheiden müssen, ob sie mit Fußball und Futsal weiter zweigleisig fahren, oder sich dauerhaft von den Rasenplätzen in die Halle verabschieden wollen. Doch auch die Stadt Bielefeld ist dann gefragt: Mehr Hallenzeiten für im besten Fall zwei Bundesligisten in der Stadt. In Zeiten, in denen sich mit der U23 des DSC Arminia das klassenhöchste Amateurfußball-Team vom Spielbetrieb zurückzieht, wäre das doch ein gutes Zeichen.

 

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