Sa., 08.09.2018

Fußball: Cosmos beklagt »verbale Gewalt« GSV tritt nicht an: »Zeichen setzen«

»Zeichen setzen«: Efthymios Koliofotis und Cosmos treten nicht an.

»Zeichen setzen«: Efthymios Koliofotis und Cosmos treten nicht an. Foto: Peter Unger

Bielefeld(WB/hw/den). Eigentlich hätte der FC Türk Sport am Sonntag gegen den GSV Cosmos seine Tabellenführung in der Fußball-Kreisliga A verteidigen wollen. Doch dazu kommt es nicht. Der GSV teilte am Donnerstagabend mit, nicht gegen den FCT anzutreten – mit einer ungewöhnlichen Begründung.

»Wir wollen ein Zeichen gegen verbale Gewalt auf den Fußballplätzen setzen. Die verloren gegangenen Punkte sind dabei nur nebensächlich«, erläutert Cosmos’ Sportlicher Leiter Efthymios Koliofotis. Der Verzicht auf die Möglichkeit, die ersten Punkte der Saison einzufahren, habe dabei allerdings nichts mit dem Gegner vom FC Türk Sport zu tun, wie GSV-Obmann Stelios Angelakakis auf Nachfrage betont. »Das ist völlig unabhängig vom Gegner. Für uns ist jetzt der richtige Zeitpunkt, etwas zu tun. Wir wollen eine Welle auslösen.«

Als Reaktion auf Vorkommnisse in der jüngeren Vergangenheit sei der Nichtantritt allerdings auch nicht zu verstehen. Angelakakis gab im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT an, dass es in der laufenden Saison noch keine Vorfälle mit Cosmos-Beteiligung gegeben habe. »Es geht uns darum, präventiv etwas gegen das Problem zu tun. Im Endeffekt geht es in unseren Ligen sportlich gesehen um die goldene Ananas. Was aber viel schwerer wiegt, ist das soziale Verhalten, was immer häufiger auf der Strecke bleibt.«

Zuletzt hatte Heepens Trainer Bastian Metzdorf nach dem 1:4 gegen Türk Sport am vergangenen Wochenende von diversen »Beschimpfungen und Anfeindungen« berichtet. Auf Nachfrage räumte Selcuk Aras, Co-Trainer beim FCT, ein, dass es in diesem Spiel auf und neben dem Platz emotional geworden sei. »Dafür habe ich mich entschuldigt.«

Wenig Verständnis beim FC Türk Sport

Laut A-Liga-Staffelleiter Dieter Brüggemann hätten die GSV-Verantwortlichen ihre Spielabsage allerdings anders begründet. Demnach hätte Cosmos sehr wohl angegeben, dass es in der laufenden Spielzeit bereits zu verbalen Entgleisungen gekommen sei. »In den Spielberichten gab es allerdings keine Hinweise darauf«, sagt Brüggemann.

In Zukunft will der GSV nach eigenen Angaben allerdings anders auf das Thema aufmerksam machen. »Es sollte vielleicht mal Runden geben, in denen die Vereinsvorstände zusammenkommen und darüber reden, was wöchentlich auf den Plätzen passiert«, regt Angelakakis an. Weitere Spielausfälle sind nicht geplant. »Das kostet uns auf Dauer zu viele Punkte.« Mit seiner Absage hat der GSV damit auch den ersten von drei Nichtantritten verwirkt. Sagt der GSV noch zwei weitere Spiele ab, dürfte die Mannschaft nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen. Durch die fristgerechte Absage entstehen dem Aufsteiger in diesem Fall keine Kosten.

Beim FC Türk Sport stößt die Spielabsage derweil auf wenig Verständnis. »Ich halte das für das komplett falsche Zeichen. Das sorgt nur für Unruhe«, meint Selcuk Aras. Zudem habe der FCT durch den Fußballkreis von der Absage erfahren. »Von Cosmos hat sich niemand bei uns gemeldet.« Auch Dieter Brüggemann hat einen ähnlichen Fall »so noch nicht erlebt. Ich frage mich auch, was das Ganze bringen soll.« Selcuk Aras würde die Problematik gerne etwas anders angehen. »Wir sind traurig, dass wir Sonntag nicht spielen. Wir wollen eine faire Serie spielen.« Bei Stelios Angelakakis klingt das ganz ähnlich. »Wir wollen vernünftig miteinander umgehen.« Zumindest in diesem Punkt ist man sich also einig.

Kommentar von Henrik Wittenborn

Eine Mannschaft tritt nicht zu ihrem Meisterschaftsspiel an, um ein Zeichen gegen verbale Gewalt auf Fußballplätzen zu setzen. Mit seinem Verzicht auf das Spiel beim FC Türk Sport wirft der GSV Cosmos nicht nur auf den ersten Blick Fragen auf. Richtig ist, dass sich der Umgangston gerade im unterklassigen Amateurbereich in der Vergangenheit in die falsche Richtung entwickelt hat. Das gilt nicht nur für Bielefeld, sondern mit Blick auf Geschichten von Spielabbrüchen und tätlichen Angriffen gegen Schiedsrichter auch für den Rest des Landes.

Richtig ist auch, Aufmerksamkeit für ein Thema wie dieses zu generieren – allerdings nicht auf die Art und Weise. Ein Nichtantritt ändert nichts an der Problematik und führt unter dem Strich zu nichts weiter als eben einer Spielabsage. Zeichen müssen woanders gesetzt werden – und das auf dem Platz.

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