Fr., 12.10.2018

Triathlet Mario Radevic qualifiziert sich in Taipeh für den Hawaii-Ironman 2019 Ein großer Traum geht in Erfüllung

Triathlet Mario Radevic (rechts) und sein Kumpel Eike Diestelkamp haben sich beim Ironman Taiwan in Taipeh für die Ironman-WM 2019 auf Hawaii qualifiziert.

Triathlet Mario Radevic (rechts) und sein Kumpel Eike Diestelkamp haben sich beim Ironman Taiwan in Taipeh für die Ironman-WM 2019 auf Hawaii qualifiziert.

Von Jörg Manthey

Bielefeld (WB). Der Mythos Hawaii ist Traumziel Nummer eins für viele Triathleten. Am Samstag ist es wieder so weit: Schwimmen im Pazifik, sehen und gesehen werden auf dem Alii Drive. 226 Kilometer am Limit. 2019 wird Mario Radevic in Kailua Kona auf Big Island dabei sein. Er hat beim Ironman Taiwan das Ticket für die Langdistanz-WM gelöst. Eine emotionale Geschichte. »Es ist für mich die sportliche Erfüllung eines Traumes!«

Letztlich wurde Mario Radevic in 9:13:05 Stunden starker Gesamt-26. und Zweiter seiner Altersklasse M40-44 – für die top 35 waren die begehrten Hawaii-Fahrkarten ausgelobt. Hawaii sei sicherlich nicht der schönste Langdistanztriathlon der Welt (»Das ist wahrscheinlich Roth«), dafür »kommen nur die Besten der Welt nach Hawaii. Dieser kleine Mosaikstein hat noch gefehlt. Eine Riesenlast ist von mir abgefallen.«

Die Ausfallquote war immens: Von 1300 Teilnehmern in Taipeh kamen nur 740 ins Ziel. Der Rest war vom Winde verweht. »Der Wind am Tag des Rennens war unglaublich, 50 bis 55 km/h aus Nordost. Wer sowas noch nicht erlebt hat; unfassbar. Lanzarote oder Fuerteventura sind dagegen Kindergarten«, berichtet Mario Radevic von »surrealen« Szenen. Am Wettkampfort sei das Inventar durch die Gegend geflogen. Scheibenräder wurden verboten, Überholverbote auf Brücken ausgesprochen. Das Schwimmen musste verkürzt werden. Die Rettungshelfer auf den Booten konnten die Positionen nicht halten; sie wurden schlicht weggepustet. Dazu Wellengang und Strömung; zu gefährlich! »Das war für mich eine mittlere Katastrophe, denn ich bin 2018 von Woche zu Woche immer schneller geworden und wollte mir nach dem Schwimmen schon ein gutes Polster erarbeitet haben.«

Also musste Radevic seine Taktik ändern und »auf dem Rad die Flucht nach vorn ergreifen.« Was ihm auch gelang. Nach etwa 40 Kilometern führte er das Feld mit einem jungen Australier zusammen an. »Wir konnten uns immer weiter lösen, hatten am Ende knapp fünf Minuten Vorsprung auf den Drittplatzierten und mehr als zehn Minuten auf die Verfolgergruppe.« Aber hart war’s. 220 Watt im Schnitt bedeuteten einen 36er Schnitt und eine Radzeit von knapp fünf Stunden.

Zu viele Körner verbraucht

Der Wechsel zum Laufen verlief wohl problemlos, dafür wurde ihm schon nach wenigen 100 Metern bewusst, dass er die geplante Marathonzeit (3:15 bis 3:20 Std.) nach diesem Radsplit mit 1500 Höhenmetern nicht würde halten können. »Ich hatte mal wieder zu viele Körner auf dem Rad verbraucht.« Der Vorteil: Als Altersklassenführender bekam Radevic ein Begleitmotorrad gestellt. »Permanent wurde die Zeit durchgegeben. Das war sehr motivierend.« Bei Marathonkilometer acht musste er den späteren Sieger Chin Ching Weng (Taiwan Military Forces) ziehen lassen.

Als Radevic vor der Halbmarathonmarke von zwei weiteren Läufern überholt wurde, sei er »mental komplett zusammengebrochen. Es ging einfach nichts mehr. Ich fand mich damit ab, eine falsche Taktik gewählt und das Rennen verloren zu haben.« Seine böse Ahnung, weit nach hinten durchgereicht worden sein, wurde bei Laufkilometer 32 aufgelöst. »Du bist auf Platz vier! Platz fünf ist fünf Minuten zurück, Platz sechs zehn Minuten«, wurde ihm zugerufen. »Machbar, aber ich konnte einfach nichts mehr mobilisieren. Meine Oberschenkel waren komplett zu.«

Der Vorsprung schmolz zusehends, der Amerikaner kam von hinten aufgelaufen. Letzter Wendepunkt, noch ein Kilometer. »Ich wusste, ich muss das mitgehen, sonst bin ich raus. Wir haben uns einen echten Fight geliefert, alles gegeben. Haben gestöhnt, geschnauft, geschrien, geflucht«, berichtet Mario Radevic von bangen Momenten. »Er versuchte, mich abzuschütteln, aber ich biss mich fest und habe alles, was noch drin war, mobilisiert.« Letztlich blieb nur die Erinnerung, »wie sehr alles weh getan hat. Alles andere ist weg.« 200 Meter vor dem Ziel musste er abreißen lassen. Im Wissen, dass der Rivale beim Schwimmen »locker eine Minute vor mir gestartet sein musste.«

Sieben Jahre am Hawaii-Traum gearbeitet

Im Ziel war Radevic keine 45 Sekunden schneller. »Wäre ich das Tempo nicht mitgegangen; Aus der Traum! Ich konnte nur noch daran denken, was ich alles geopfert hatte!« Sieben Jahre lang hatte Mario Radevic vergeblich versucht, mal zu dem erlesenen Kreis der Hawaii-Fahrer zu gehören. »Ich habe immer versagt.« Spätestens nach drei »Plattfüßen« in Maastricht und dem dem darauf folgenden schlechten Abschneiden beim Ironman Vichy (10:04 Std.) hatte er »einen Haken an die Sache gemacht. Das Thema Ironman war für mich gestorben.«

Nun hatte aber sein Freund und Trainingspartner Eike Diestelkamp (Tri Team Gütersloh) große Pläne. Challenge Roth und dann ein Ironman, um sich für Hawaii zu qualifizieren: so der Plan. »Ich habe ihm meine Hilfe angeboten und wollte vermeiden, dass er dieselben Fehler macht wie ich«, erzählt Radevic, der 2017 komplett aussetzte, nur nach Lust und Laune trainierte. Diestelkamps Vorbereitungsstart im Oktober 2017 war zugleich das Ende der Redevic’schen Abstinenz. »Am Ende unseres ersten harten Blockes auf Mallorca habe ich gemerkt, dass ich trotz der Pause gar nicht viel an Performance verloren habe. Eike wusste, welche Knöpfe er drücken musste. Und es war nun klar: Wir machen das zusammen!«

Dank an Trainer Hertfelder

Mario Radevic wechselte den Trainer: Profi Tobias Hertfelder (www.awiwi-coaching.de) leitete ihn fortan an. Radevic: »Er hat 50 Prozent Anteil daran, dass ich es geschafft habe. Vor allem mental hat er bei mir Höchstarbeit geleistet!« Zunächst brachte die komplette Umstellung seiner Trainingsgewohnheiten aber arge Probleme mit sich. »Um ehrlich zu sein, ich habe diese Form des Trainings nicht verstanden. Die lockeren Einheiten waren so locker, dass ich das Gefühl hatte, es ähnelt einem Kaffeekränzchen. Und die harten Einheiten waren oft so hart, dass ich abbrechen musste und die Vorgaben gar nicht erfüllen konnte«, meint Radevic.

Seit April folgte jeden Sonntag ein Lauf über 30 bis 35 Kilometer »im Oma-Tempo«. Doch nach kurzer Zeit stellten sich vermehrt Erfolge ein. Radevic gewann wieder Rennen, etwa den Stadttriathlon in Mönchengladbach, und landete immer wieder unter den Top Ten. »Von da an vertraute ich Tobias zu 100 Prozent.« Es folgte ein professioneller Aerodynamiktest auf der Radrennbahn in Köln. Sein Bike samt Equipment standen elf Stunden lang auf dem Prüfstand. Auch dabei wurde alles »alles auf links gekrempelt. Neue Sitzposition, anderer Helm, anderes Trinksystem.« Am Ende stand ein cw-Wert von 0,23. »Damit konnte ich zehn Prozent weniger Leistung treten bei gleichbleibender Geschwindigkeit. Solche Nuancen hatte ich bis dato völlig unterschätzt.«

Die Belohnung: 2019 geht es zur WM nach Hawaii! »Eike hat in seiner Altersklasse AK35 mit 9:24:11 Stunden ebenfalls den Slot geholt. Wir werden zusammen fahren. Das ist das i-Tüpfelchen«, frohlockt der ehrgeizige Typ, der sich jetzt dem TSVE Bielefeld anschließt und die NRW-Ligamannschaft verstärken soll.

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