Mi., 24.10.2018

Fair zum Gegner: Runder Tisch des Fußballkreises als Erfolg gewertet Ein angeregter Anfang

Der GSV Cosmos, hier Kapitän Panagiotis Triptsis (rechts) im Spiel gegen den TSV Amshausen, gab mit einem Spielboykott die Inizialzündung zum Runden Tisch.

Der GSV Cosmos, hier Kapitän Panagiotis Triptsis (rechts) im Spiel gegen den TSV Amshausen, gab mit einem Spielboykott die Inizialzündung zum Runden Tisch. Foto: Gunnar Feicht

Von Jörg Manthey

Bielefeld (WB). Eineinhalb Stunden »hart zum Ball, fair zum Gegner«: Der Runde Tisch des Fußballkreises mit der Trainerschaft der A-Liga am Montagabend im Sportheim des TuS Jöllenbeck dauerte so lange wie ein Fußballspiel. »Die Resonanz war positiv. Wir wollen so etwas noch in allen Staffeln durchführen«, erläuterte der stellvertretende Kreisvorsitzende Hans Keuch.

Eine erhörte Boykott-Aktion: Mit seinem Nichtantreten im September gegen den FC Türk Sport als »Demonstration gegen zunehmende Gewalt auf den Fußballplätzen« hatte der GSV Cosmos den Fußballkreis auf den Plan gerufen. Hans Keuch war seinerzeit wenig erbaut von der Maßnahme und verurteilte den Weg denn auch als »nicht richtig, um die Probleme, die zweifellos bestehen, aus dem Weg zu schaffen« – doch das Resultat war der Runde Tisch. »Wir haben den Ball aufgenommen.«

Brackwede und Oesterweg nicht da

Die SV Brackwede (ganz unten in der Fairness-Tabelle) und SG Oesterweg hatten keinen Vertreter ins Naturstadion entsandt. Wie sie vorab angekündigt hatten, blieben ebenfalls die Trainer des BV Werther fern. Das kam am Montag bei der Runde nicht so gut an. Nils Koch und Daniel Eikelmann verstanden ihre Handlungsweise als Protest auf den Stil, mit dem der GSV Cosmos jüngst die Wertheraner 3:2 bezwang. Essenz ihrer Missbilligung: Die Worte von GSV-Coach Eftimios Koliofotis (»Das Verhalten gegenüber Spielern, Trainern und Schiedsrichtern wird immer unfreundlicher. Es gibt Wichtigeres als drei Punkte«) und das an den Tag gelegte Verhalten würden schlicht nicht zusammenpassen. Der BV Werther war gleichwohl vor Ort: Der 1. Vorsitzende Jochen Twelmeyer erklärte die Tischdiskussion zur »Chefsache«.

Der Sportplatz als Ventil

Lediglich vier der anwesenden Trainer – für ihn die »Nahtstelle« für alles – verfügten über eine Lizenz, gab Hans Keuch ganz wertfrei weiter. Einvernehmen herrschte darüber, dass die Wurzeln des Übels neben dem Platz liegen und die gesellschaftlichen Probleme zunehmend auf das Fußballfeld transportiert würden. Eine bedenkliche Entwicklung. »Der Sportplatz als Ventil: Das beobachte ich genauso im Nachwuchsbereich. Da wird’s oft geschürt von den Eltern«, berichtete Hans Keuch, auch Vorsitzender des Kreis-Jugend-Ausschusses.

Mit Kilian Krämer (SV Gadderbaum) war ein Mitglied des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses zugegen. Er streute aus Sicht seiner Zunft Tipps für ein angemessenes Miteinander ein. Krämer kritisierte zudem den Tisch-Boykott des BVW-Trainerduos als »falsches Zeichen«. Später gesellte sich noch Bielefelds oberster Referee Philip Dräger dazu.

Der Verlauf des Treffens stellte die Kreisoberen zufrieden. »Gut, dass wir uns mal getroffen haben. Das hat sich gelohnt und schreit förmlich nach einer Fortsetzung«, resümierte Hans Keuch. »Es haben sich angeregte Gespräche ergeben. Dieser Abend war ein Anfang, ein Signal mit guten Anregungen – und mit Folgeveranstaltungen. Wir wollen das im November mit den Trainern der Kreisliga B, Staffel 1, fortsetzen und im Laufe der Saison alle weiteren Kreisligen abarbeiten.« Keuch appellierte wie auch Krämer eindringlich an die Vorbildfunktion von Trainern und Vorständlern. »Es gibt Regeln. Sie haben Disziplin vorzuleben.«

Direkte Kommunikation ist wichtig

Hans Keuch stellte heraus, wie wichtig eine direkte Kommunikation ist, Auge in Auge. »Im Zeitalter von Internet, E-Mail oder What’sApp geht das persönliche Gespräch oft verloren. Dieser Runde Tisch war ein Anstoß, lieber den direkten Draht zur Aussprache zu suchen, sollten Dinge mal schiefgelaufen sein. Wir sind eine Fußballfamilie, und Fußball soll Spaß machen!« In diesem Zusammenhang verurteilte er den DFB auf seinem »hohen Ross« und die Geschehnisse in der Bundesliga. »Von dort bekommen wir das geliefert, was wir nicht sehen wollen. So fängt alles an.«

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