Sa., 10.11.2018

Handball-Oberliga: TSG vor unangenehmer Aufgabe – TuS 97 bei Spitzenreiter LIT Klarer Favorit – krasser Außenseiter

Julius Hinz und die TSG wollen sich »auf Schalke« auf ihre Stärken konzentrieren und den nächsten Sieg mitbringen.

Julius Hinz und die TSG wollen sich »auf Schalke« auf ihre Stärken konzentrieren und den nächsten Sieg mitbringen. Foto: Thomas F. Starke

Bielefeld (WB/jm/wie). Handball-Oberligist TSG A-H Bielefeld will sich am Samstag (19.30 Uhr) beim FC Schalke 04 keinesfalls eine Blöße geben, um in der Woche darauf das absolute Spitzenspiel gegen LIT Tribe Germania präsentieren zu können. Der gebeutelte TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck bekommt es Sonntag (17 Uhr) in Nordhemmern mit dem überaus stabil auftretenden Primus LIT zu tun. Die Aussichten auf eine so dringend benötigte Sensation sind verschwindend gering.

TSG-Gegner im Aufwind

Die Grundeinstellung sei auf einem guten Niveau angelangt, erklärt Stephan »Apollo« Just zuversichtlich. »Wir wollen da unser Spiel machen.« Der TSG-Trainer sieht seine Crew »zwei, drei, vier Schritte weiter als noch vor eineinhalb Monaten. Es gilt jetzt, die Basis vorne und hinten weiter zu stabilisieren. Dann minimieren sich die Kleinigkeiten, die noch zu bemängeln sind, automatisch.« Im Verbund sei die Mannschaft inzwischen in der Lage, Fehlaktionen aufzufangen und auszubügeln. »Wenn wir unsere Leistung auf die Platte bringen, wird es Schalke sehr schwer haben.«

Der Aufsteiger aus Gelsenkirchen hat nach einem verkorksten Saisonstart mit vier Niederlagen seit vier Spielen nicht verloren (7:1 Zähler), dabei Gladbeck einen Punkt abgeknöpft. Dass sie das Kämpfen im Ruhrpott verstehen, musste gerade der TuS 97 leidvoll erfahren, dem ein Sieben-Tore-Polster (23:16, 38.) nicht zum Heimsieg reichte. Der Ex-Lemgoer Thorben Kirsch, Bruder des früheren TSG-Spielers Til Kirsch, erzielte die finalen Treffer zum 30:29 für die »Königsblauen«. Eine Punktlandung, die »super für die Moral« gewesen sei, strahlte Trainer Sebastian Hosenfelder. So mahnt TSG-Geschäftsführer Christian Sprdlik vor einem Gegner im Aufwind. »Die werden mit einem stattlichen Selbstvertrauen ausgestattet sein und darauf brennen, uns ein Bein zu stellen.«

Stephan Just stellt sein Team auf eine unangenehme Aufgabe ein. »Wir treffen auf eine hochambitionierte Mannschaft mit Zielen. Schalke übt viel Druck aus, attackiert das Tor des Gegners aus jeder Position und schützt das eigene Tor mit allen Mitteln. Die decken sehr aggressiv.«

Der fortschreitende Prozess der Bielefelder »Feinjustierung« muss in diesem Kalenderjahr ohne die skandinavische Fraktion erfolgen. Mit dem Finnen Richard Sundberg rechnen sie im Januar, Februar wieder. Gustav Rydergård, noch ohne Einsatz, fällt weiter auf unbestimmte Zeit aus. »Er hat Rücken- und Schulterprobleme; Zeichen einer langen Karriere«, berichtet Sprdlik von einer Ärzte-Odyssee des Schweden. Im Falle Max Krolls soll dessen schmerzhafte Schleimbeutelentzündung möglichst schnell geheilt werden; ohne Kortison. Der Torhüter hofft, gegen LIT wieder mitwirken zu können. Wie Christian Sprdlik berichtet, soll in Gelsenkirchen Marco Stange zusammen mit Felix Hendrich das Gespann bilden. »Unsere Tendenzkurve zeigt stark nach oben«, sagt Sprdlik vergnügt. »Die Mannschaft ist in einer guten Verfassung; vor allem in der Abwehr.« Und er erinnert an die richtige Reihenfolge der Aufgaben: »Erst Schalke, dann LIT. Das muss in die Köpfe.«

TuS 97: Mulmige Gefühle

Das 29:30 gegen Schalke 04 hat beim TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck Spuren hinterlassen. »So bitter habe ich noch nie verloren«, hat Trainer Eric Husemann die mehr als unnötige Heimpleite auch mit einer Woche Abstand noch nicht richtig verarbeitet. So einfach zur Tagesordnung sind die Jürmker dann auch nicht übergegangen. Husemann: »Wir haben uns noch einmal zusammengesetzt und die Dinge angesprochen. Jeder muss sich kritisch hinterfragen, ich natürlich auch.«

Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation wartet nun die Aufgabe beim Tabellenführer LIT Tribe Germania. »Das Spiel ist natürlich ein Hammer. Wir sind in der jetzigen Situation klarer Außenseiter«, blickte Jöllenbecks Linkshänder Sebastian Kopschek bereits unmittelbar nach dem Schalke-Reinfall der Partie in Nordhemmern mit mulmigen Gefühlen entgegen. Und auch Sebastian Reinsch brachte es auf den Punkt: »Mit ganz Okay kommen wir nicht mehr weiter.«

Soll heißen: Der TuS 97 (3:13 Punkte) muss sich in allen Belangen steigern, um die bedrohliche Lage nicht noch bedrohlicher werden zu lassen. Der Glaube daran, dass dem Drittletzten ausgerechnet am Sonntag beim Spitzenreiter eine Sensation gelingt – und nichts anderes wäre ein Jöllenbecker Sieg – fällt schwer. Zumal LIT (14:2 Punkte) seine bisherigen vier Heimspiele alle gewonnen hat und die Jürmker auswärts bislang noch nichts Zählbares einfahren konnten. Die letzten beiden Begegnungen des Tabellenführers wurden zudem zu einer Demonstration der Stärke: Erst fertigte LIT den VfL Gladbeck mit 32:16 ab, dann ließ das Team von Trainer Daniel Gerling ein ebenso Furcht einflößendes 34:18 in Oberaden folgen. Und auch der letzte Jöllenbecker Auftritt in Nordhemmern lässt Böses erahnen: Ende April dieses Jahres kassierte der TuS 97 eine 20:46-Rekordklatsche.

»Das alles darf keine Rolle spielen. Wir haben diese Woche hart trainiert, wollen am Sonntag über 60 Minuten eine gute Leistung zeigen, und dann sehen wir, was dabei rauskommt«, sagt Eric Husemann. Gegen die beste Abwehr der Liga um den 100-fachen lettischen Nationalspieler Evars Klešniks (38), der vom Bundesligisten HSG Wetzlar gekommen ist, müssen sich die Jöllenbecker einiges einfallen lassen. Außerdem gilt es, das Tempospiel des Gegners zu unterbinden, sonst könnte erneut ein Debakel drohen. Verzichten muss der TuS 97 auf Jakob Röttger, der mit einer Kapselverletzung am Sprunggelenk einige Wochen ausfallen wird. Daniel Meyer steht dafür wieder zur Verfügung.

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