Do., 22.11.2018

SV Brackwede und die Stadt Bielefeld verlieren ein Aushängeschild Petros wird Wattenscheider

Es wird sein vorerst letztes Weihnachten als Läufer der SV Brackwede sein: Der »Volltreffer« Amanal Petros, hier mit Heimtrainer Thomas Heidbreder, schließt sich zum 1. Januar 2019 wegen der erheblich besseren Strukturen dem TV Wattenscheid an.

Es wird sein vorerst letztes Weihnachten als Läufer der SV Brackwede sein: Der »Volltreffer« Amanal Petros, hier mit Heimtrainer Thomas Heidbreder, schließt sich zum 1. Januar 2019 wegen der erheblich besseren Strukturen dem TV Wattenscheid an. Foto: Pierel/Archiv

Von Jörg Manthey

Bielefeld  (WB). Amanal Petros verlässt die SV Brackwede! Wenige Tage vor Ende der Wechselfrist am 30. November hat der Langstreckler der SV Brackwede die Entscheidung getroffen, im kommenden Jahr im Dress des TV Wattenscheid zu laufen. »Das ist mir unheimlich schwer gefallen«, beteuert der 23-jährige Sportsoldat. »Aber ich will etwas Neues ausprobieren.«

Im Café »Schlösschen« in der Altstadt teilte Amanal Petros dies seinem vertrauten Heimtrainer Thomas Heidbreder in einem 90-minütigen Gedankenaustausch mit. 13 Deutsche Meistertitel hat Petros in seiner Bielefelder Zeit gesammelt, seit er 2012 als Asylsuchender aus Äthiopien in Deutschland ankam.

»Ich finde dort perfekte Bedingungen vor«

Die Geschichte seiner Einbürgerung (2015) ist eng verknüpft mit seiner Laufkarriere, die im Dress des TSVE 1890 begann. 2013 nahm Petros erstmals an den Deutschen U18-Jugendmeisterschaften teil und überraschte prompt als Zweiter über 5000 Meter. Inzwischen ist er international hochdekoriert. Amanal Petros, der eine 10.000-Meter-Topzeit von 28:29 Minuten aufweist, holte 2017 mit der deutschen Nationalmannschaft den Titel bei der Team-EM in Lille, wurde »Vize« in der U23 über 10.000 Meter bei der Junioren-EM 2017 und gewann die Silbermedaille in der U23 bei der Cross-Europameisterschaft 2015. »Ich möchte jetzt den nächsten Schritt gehen. In Wattenscheid finde ich perfekte Bedingungen vor. Das ist einer der besten Vereine in Deutschland«, erklärt Petros mit Verweis auf die »kurzen Wege« im Sportinternat (»Ich verschwende keine Zeit mehr«) oder die hohe Qualität seiner Trainingspartner. »Das sind alles Profis«, sagt er über den Deutschen Marathonmeister Tom Gröschel (2:15:20 Std.), Marius Probst (1500 m/ 3:37,07 min) oder Hendrik Pfeiffer (Halbmarathon/1:04:12 Std.).

Heidbreder soll »Co-Trainer« bleiben

»Die SVB hat immer ihr Bestes gegeben und mich auch über die Grenzen ihrer Möglichkeiten hinaus unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar. Deshalb war diese Entscheidung ja auch so unfassbar schrecklich für mich«, meint Petros, der in Bielefeld wohnen bleiben (»Hier ist meine Heimat«) und sich montags, samstags und sonntags weiter unter die Fittiche Thomas Heidbreders begeben möchte. »Er wird eine Art Co-Trainer für mich bleiben.«

Alles wird Tokio 2020 untergeordnet

A-Lizenztrainer Heidbreder, mit Wattenscheids Cheftrainer Tono Kirschbaum in stetem Austausch, bringt großes Verständnis für die nahende Trennung auf. »Amanal hat sich für die Sicherheit entschieden, für den besseren professionellen Rahmen. Er ordnet alles dem Ziel Olympia unter. Natürlich hätte ich es mir anders gewünscht. Ich verspüre Wehmut und Trauer, aber keinen Groll.« Und er wünscht sich eines: Dass es noch viele Berührungspunkte gibt und er Amanal Petros auf seinem Weg nach Tokio weiter begleiten darf. Wenn am 4. Januar das erste Höhentrainingslager in Iten/Kenia beginnt – es folgen weitere in Flagstaff/Arizona und in St. Moritz im schweizerischen Engadin – wird Heidbreder im »Home of Champions« dabeisein.

Wirtschaft zeigt wenig Interesse an Sponsorenpool

Die Anstrengungen von SVB-Abteilungsleiter Manfred Siegmund, einen Sponsorenpool für den Imageträger zu installieren, sind also im Sande verlaufen. »Ich habe unzählige Telefonate geführt und hätte mir von Seiten der Wirtschaft mehr Zusagen erwünscht«, bedauert der die geringe Resonanz. Siegmund kann Petros’ Schritt verstehen. »Wir gehen im Guten auseinander und drücken Amanal die Daumen, dass alles so klappt, wie er sich das wünscht. Und sollte er mal merken, dass es vielleicht doch nicht der richtige Weg war, ist er hier bei der SV Brackwede stets mit offenen Armen empfangen.« Für seinen Klub will Amanal Petros 2018 auf jeden Fall nochmal in »blau« starten. »Beim Christkindllauf in Wiedenbrück oder einem Silvesterlauf«, überlegt er.

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