Do., 29.11.2018

Nasskalter und nebliger 3. Nightrun auf dem Hermannsweg – »Gut fürs Ego« Nachts ist alles anders

Profis: warm eingepackt, Rucksack, Stirnlampe – das war nicht der erste nächtliche Einsatz für diese Teilnehmer am 3. Nightrun.

Profis: warm eingepackt, Rucksack, Stirnlampe – das war nicht der erste nächtliche Einsatz für diese Teilnehmer am 3. Nightrun.

Bielefeld  (WB/jm). Nachts im Wald zu laufen hat etwas Verführerisches. Im funzeligen Lichtkegel der Stirnlampe bewegt sich der Läufer in totaler Stille und Dunkelheit und wird dabei auf sich selbst zurückgeworfen. Die dritte Auflage des Hermann-Nightrun auf dem Hermannsweg zwischen Detmold und Bielefeld wartete am Samstag mit den bewährten drei »Geschmacksrichtungen« auf.

Organisator Jan-Olof Wadehn, erfahrener Ultrasportler, hatte bei diesem privaten Einladungslauf Streckenlängen von 33, 66 und 100 Kilometern im Angebot. Auch das Datum der Veranstaltung hatte Wadehn bewusst gewählt. Der abnehmende Mond sollte einen Tag nach dem Vollmond eigentlich noch als natürlicher Lichtbringer dienen; so war die Theorie.

Eine Nacht mit »eigenem Charme«

Tatsächlich fanden die insgesamt 36 Teilnehmer – etwa 20 hatten kurzfristig abgesagt – eine kräftige Nebelsuppe vor; eingeschränkte Sichtweiten von mitunter gerade mal zwei Meter. Zu der nasskalten Suppe gesellten sich Temperaturen von 2 Grad. Am Hermannsdenkmal lagen noch Schneereste. Die Kälte war »am Anschlag« (Wadehn) und kroch in die Glieder. Das war ein besonderer Kampf mit dem inneren Schweinehund. »Es war brutal nass und kalt da draußen«, wusste Jan-Olof Wadehn. »Diese Nacht hatte einen eigenen Charme. Meinen großen Respekt und Verneigung an alle, die sich daran gemacht haben, den Lauf zu absolvieren. Ich denke, es war für jeden in gewisser Weise ein Abenteuer.«

Der uralte Kampf gegen den Körper

Nachts ist alles anders. Bei aller Kälte und Nässe war es doch in gewisser Weise befriedigend, inmitten des Waldes unter (unsichtbaren) Sternen und der gespenstischen Ruhe der Wildnis die Ausdauer herauszufordern. Der uralte Kampf gegen den Körper, mithilfe GPS-Navigation. Der anspruchsvoll profilierte Hermannsweg hatte es in sich, die Finsternis machte es nicht einfacher. Wadehn war letztlich froh, dass alle Läufer, zum großen Teil erfahrene Nachtläufer, unversehrt blieben.

Reich gedeckte Gabentische

An zwei Verpflegungsstationen – einer in Oerlinghausen, einer in einer Schutzhütte in Nähe der Donoper Teiche – fanden die Läufer reich gedeckte Gabentische vor: warme Kartoffeln, warmer Tee, belegte Brote, Schokolade, Kekse, Gummibären; »alles, was das Ultraherz begehrt«, schmunzelte Jan-Olof Wadehn.

Im Ziel gibt’s Linsensuppe

Das intensive Empfinden der Natur – für Nacht-Debütantin Rosalie Corazza vom Loom-Center-Management, mit allen Sinnen unterwegs, war’s ein ganz besonderes Erlebnis. »Teilweise konnte man die Wege als solche gar nicht erkennen. Der Wahnsinn. Das war der Hammer, echt ‘ne Erfahrung für mich. Das war so klasse, so lustig. Das tat dem Ego gut«, schwärmte sie. Und war so froh über die versierte Begleitung von Kollegin Heide. »Alleine wäre ich vor Angst irgendwo ohnmächtig zusammengebrochen.« Kurz vor dem Ende kam der Schweinehund nochmal raus. »Am Johannisberg habe ich gesagt: jetzt reicht’s aber. Spinnt der?« Zielbereich war – nachdem in der Nähe des »Siggi« noch etliche Treppenstufen zu erklimmen waren – die warme Wohnung von Jan-Olof Wadehn. Es gab Bier und Linsensuppe, mit viel Liebe gekocht. Die krassen Verhältnisse draußen machten den Nightrun noch besonderer. »Eine toughe Nummer, ein etwas anderes schönes Läufchen mit eigenem Charakter. Alle waren happy«, strahlte Wadehn angesichts des netten Zusammenseins. Sein logistischer Aufwand hatte reibungslos funktioniert.

Ergebnisse

100 Kilometer: 1. Matthias Völkel (Witten/13:45 Stunden), 2. Matthias Landwehr (Werther/16:35 Std.), 2. Thomas Hamacher (Löhne/16:35 Std.).

66 Kilometer: 1. Mark Oertel (Potsdam/7:43 Std.). 1. Wolfgang Wellensiek (Rödinghausen/7:43 Std.), 3. Bert Kirchner (Frankfurt/8:00 Std.).

33 Kilometer Männer: 1. Timo Wasilewski (Bad Salzuflen/3:20 Std.), 2. Christian Schubert (Schwerte/3:30 Std.), 2. Peter Ecsedy (Detmold/3:30 Std.).

33 Kilometer Frauen: 1. Katja Redeker-Pfenningschmidt (Bielefeld/4:10 Std.), 2. Susi Wolf (Lage/4:35 Std.), 2. Sandra Kleinhans (Köln/4:35 Std.).

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6221061?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2350436%2F2514639%2F