Do., 17.01.2019

»Kenianer« Amanal Petros im Höhentrainingslager im sagenumwobenem Iten »Bin auf dem richtigen Weg«

Staubige Einheit: Amanal Petros (im pinken Shirt) und Trainingsgenossen beim Dauerlauf auf Kenias rotem Sandboden.

Staubige Einheit: Amanal Petros (im pinken Shirt) und Trainingsgenossen beim Dauerlauf auf Kenias rotem Sandboden.

Bielefeld (WB/jm). Im Land der Läufer. Der Champion ist zurück auf dem afrikanischen Kontinent. Zum zweiten Mal hat Amanal Petros (23), seit Jahresbeginn im Dress des TV Wattenscheid unterwegs , mit dem DLV-Kader das sagenumwobene Iten angesteuert. Ein Privileg. Im »Home of Champions« wird seit Jahrzehnten ein Großteil der kenianischen Laufübermacht geformt.

Sportsoldat Petros, der im neuen Vereinsumfeld bessere Förderstrukturen als in Brackwede vorfindet, möchte 2019 hoch hinaus und seinen 13 Deutschen Meistertiteln weitere hinzufügen. Der längere Aufenthalt in dem perfekten Klima dieser anderen Welt gehört dazu. Derweil in Europa Kälte und Schnee das Sagen haben, warten in Iten die Äquatorsonne und angenehm warme Temperaturen. Etwa 300 Kilometer nordwestlich von der kenianischen Hauptstadt Nairobi auf einer Höhe von 2400 Metern gelegen, finden Petros und Co. in der sauerstoffarmen Höhenluft optimale Bedingungen vor. Die Sauerstoffaufnahme beeinflusst die Muskelarbeit und somit die Leistungsfähigkeit des Athleten. Der Körper reagiert auf Itens »dünne« Luft, indem er vermehrt rote Blutkörperchen bildet, um einen regulären Sauerstofftransport im Blut zu gewährleisten.

Leidensfähigkeit erhöhen

In der atemberaubend schönen Steppenlandschaft arbeitet Amanal Petros intensiv an sich wie vielleicht nie zuvor, um Grundschnelligkeit und Tempohärte, überhaupt seine Leidensfähigkeit zu erhöhen. Jedes Training, beginnend in der Morgendämmerung, ist eine Herausforderung. »Es ist eine riesengroße deutsche Truppe hier. Die Stimmung, die Atmosphäre ist unglaublich«, schwärmt Silvesterlauf-Sieger Petros, der weiterhin Bielefeld als seinen Lebensmittelpunkt hat, nach einem 25 Kilometer langen Dauerlauf. »Es macht total Spaß.«

Abgestiegen ist der DLV-Tross wie 2018 im Kerio View Hotel. Vom Speisesaal aus hat man einen traumhaften Blick über die Gebirgsregion des Rift Valley. Sämtliche Laufwege sind direkt vor der Haustür. Das Paket beinhaltet Vollpension, Kraft- und Gymnastikraum, Swimming Pool, Sauna, Radverleih und – ganz wichtig: Wasserservice!

Inspirierende Weltspitze

Nach der ersten Woche wurde auf der roten Aschebahn des Kamariny-Stadions »ein bisschen Schnelligkeit« gebolzt, Läufe über 200 Meter und 300 Meter. An manchen Tagen sind dort mehr als hundert Läufer gleichzeitig unterwegs, darunter absolute Weltklasse. Es herrsche eine unglaubliche Dynamik in Iten. Und für Petros sei es über die Maßen inspirierend zu sehen, wie hart und mit welcher Aufopferung die Weltspitze dort trainiert.

Im lieblichen kenianischen Hochland ist nicht nur die große Höhe eine enorme Herausforderung für die Athleten, sondern insbesondere das extrem anspruchsvolle Gelände. Das Terrain mit lehmigem, unebenem Untergrund zwingt zum Sammeln von Höhenmetern. Es gibt keine Strecken, die nicht stark profiliert sind. Hinter jeder Kurve lauern Berge. Die Hitze tut ihr übriges.

Heidbreder bleibt Co-Trainer von Petros

Inzwischen ist klar, dass Thomas Heidbreder Petros als »Co« erhalten bleibt. »Ich spreche mich in allen Dingen mit Tono Kirschbaum ab«, pflegt der SVB-Lauftrainer eine regelmäßige Kommunikation mit Wattenscheids Chefcoach.

Nach Kenia ist vor Amerika: Im März absolviert Amanal Petros in Flagstaff/Arizona ein zweites vierwöchiges Höhentrainingslager. Sein souveräner Sieg beim 15 Kilometer langen Silvesterlauf Werl-Soest (44:41 Minuten, 70 Sekunden schneller als 2017) zeigte dem Neu-Wattenscheider: »Ich bin auf dem richtigen Weg. Und hoffe, dass 2019 noch erfolgreicher für mich wird.«

WM in Doha der Höhepunkt

Dieses Leichtathletikjahr hat es in sich mit Team-Europameisterschaft (9. bis 11. August in Bydgoszcz/Polen) und Weltmeisterschaft (28. September bis 6. Oktober in Doha/Katar). Die knackigen WM-Normen über 5000 Meter (13:22,50 min, bisherige Bestzeit 13:34,15 min) und 10.000 Meter (27:40,00 min, bisherige Bestzeit 28:29,78 min) liegen deutlich unter dem, was Petros bislang angeboten hat. Doch das professionelle Inhalieren der Championsluft auf Itens Hochplateau, es soll für den »Wunderläufer« aus Bielefeld ein Echo in Form neuer Rekorde finden. Wie das Höhentrainingslager gefruchtet hat, wird sich schon bald zeigen. Petros strebt einen Start bei den Deutschen Meisterschaften im Crosslauf (9. März in Ingolstadt) an.

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