Radsport-Ass Dr. Marion Wittler peilt den dritten Sieg beim M312 auf Mallorca an
Der Traum vom Gold-Triple

Rahden (WB). Der Puls rast. Ein paar letzte harte Tritte, dann sprintet Dr. Marion Wittler über den Zielstrich an der Playa de Muro – und gewinnt zum dritten Mal den Rad-Klassiker M312 auf Mallorca. Überglücklich lässt sich die gebürtige Rahdenerin im Ziel in Alcudia auf den Boden sinken und feiert das Triple bei einem der spektakulärsten Jedermann-Radrennen Europas. So hätte es am letzten April-Sonntag 2020 sein können, sein sollen – dann aber kam alles ganz anders...

Dienstag, 28.04.2020, 16:46 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 18:06 Uhr
Dr. Marion Wittler will zum dritten Mal auf Mallorca triumphieren. Foto:
Dr. Marion Wittler will zum dritten Mal auf Mallorca triumphieren.

Schon Marion Wittlers Abschlusstrainingslager für das M312 wurde im März von der rigorosen Corona-Ausgangssperre auf Mallorca beendet, ehe es richtig angefangen hatte. Die ursprünglich geplanten Hürzeler-Mieträder der örtlichen Verleihstation gab es schon nicht mehr, mit etwas Glück wurden dann doch noch fahrbare Zweiräder organisiert. Das Glücksgefühl hielt nördlich von Palma allerdings nicht lange an, gleich die erste Radtour sollte auch die letzte gewesen sein: Auf dem Weg zum Kultberg Coll dels Reis und Sa Calobra wurden Marion Wittler und Mitstreiter von einer Polizeistreife abgefangen und freundlich, aber bestimmt auf die aktuellen Veränderungen hingewiesen und auf den Heimweg geschickt. „Die standen an den neuralgischen Punkten“, kann Wittler mittlerweile schon wieder darüber lachen, dass ihr „Fluchtversuch“ aus der drohenden Ausgangssperre nicht lange von Erfolg gekrönt war. Das M312-Trainingslager war damit bereits nach rund 80 Kilometern beendet – „der Rest vom Urlaub war alles andere als Urlaub – das war nur noch Stress“, teilte Wittler anschließend das Los-Pech vieler Urlauber weltweit.

Das war eine Geisterstimmung an der Playa, das war schon bedrohlich.

Dr. Marion Wittler

„Wenn wir gewusst hätten, dass die wirklich so schnell alles verbieten, wären wir zuhause geblieben“, ärgerte sich die Vorzeige-Athletin des Teams Lübbering über das abrupte Ende des Trainingslagers. Drei Tage in der unfreiwilligen Hotel-Gefangenschaft dauerte es dann allerdings noch, bis Wittler wieder in ihrer ostwestfälischen Heimat landen konnte: „Das war eine Geisterstimmung an der Playa, das war schon bedrohlich.“ Kurz nach ihrer Rückkehr später war dann auch klar, was sich vor Ort schon abgezeichnet hatte: Das M312 auf Mallorca ist in diesem Jahr – wie so viele andere Veranstaltungen auch – der Corona-Krise zum Opfer gefallen. Zumindest an seinem eigentlichen Termin. „Einmal wollte ich noch teilnehmen“, ärgerte sich Marion Wittler natürlich über die Absage, nachdem sie in den ersten vier Monaten des Jahres bereits rund 8000 Trainingskilometer inklusive der ersten zwei Radtourenfahren in den Beinen hat.

Ich hätte auch noch mal versucht, auf Sieg zu fahren!

Dr. Marion Wittler

„Ich hätte auch noch mal versucht, auf Sieg zu fahren“, träumte die mittlerweile in Bielefeld lebende Rahdenerin vom nächsten großen Wurf nach den Siegen 2017 und 2019. Seit drei Jahren ist Marion Wittler auf Mallorca ungeschlagen – 2018 hatte sie als Titelverteidigerin dabei auf den Start beim M312 verzichtet: „Da war mir der Druck zu groß, damit konnte ich nicht so gut umgehen.“ Das Kult-Radrennen auf der größten Balearen-Insel ist aktuell auf den 10. Oktober verlegt – erst einmal. Diesmal würde die Rahdenerin auch als Titelverteidigerin an den Start gehen: „Ich habe die Flüge und die Unterkunft auch schon gebucht“, hofft Wittler darauf, im Herbst dann ihren großen Triple-Traum erfüllen zu können. Ob es dazu kommt, ist angesichts der Gesamtsituation gerade in Spanien allerdings eher fraglich: „Ich sehe das noch nicht“, zweifelt Marion Wittler daran, dass sie in diesem Jahr noch auf die Jagd nach dem dritten Gold gehen kann.

Im Tramuntana-Gebirge: Dr. Marion Wittler ist für ihre Stärke am Berg bekannt.

Im Tramuntana-Gebirge: Dr. Marion Wittler ist für ihre Stärke am Berg bekannt. Foto: Sportograf

Ein Jahr nach ihrem spektakulären zweiten Triumph, der erst im Nachhinein zum denkwürdigen Sieg geworden ist. Im vergangenen Jahr war Wittler zunächst als zweite Frau gewertet worden – bis sich herausstellte, dass die angebliche Siegerin letztlich dann ein doch sehr bärtiger Mann gewesen ist, der unter falschem Namen unterwegs und dann auch nicht zur Siegerehrung erschienen war... So um die erste große Freude im Ziel gebracht, hatte Marion Wittler für dieses Wochenende den nächsten Großangrifff geplant. Die zwei Siege 2017 und 2019 sind aber nicht die einzigen beeindruckenden Erfolge in der langen Liste der Extremsportlerin aus Rahden: Den doppelten Ironman in Emsdetten (rund acht Kilometer Schwimmen, 360 Kilometer Rad und knapp 84,5 Kilometer Laufen) hat sie ebenso gewonnen wie etliche andere Radrennen. Beim Drei-Länder-Giro in Nauders belegte sie 2019 den zweiten Rang – in diesem Jahr ist das für Ende Juni geplante Rennen, unter anderem über den höchsten italienischen Pass auf dem Stilfser Joch, bereits abgesagt worden. Bei einem 300-Kilometer-Extremrennen in Tschechien landete Marion Wittler ebenso wie bei Rad am Ring am Nürburgring auf Platz zwei. „Rad am Ring ist schon speziell, da habe ich die verschiedensten Rennen mitgemacht und auch den Green-Hell-Triathlon – irgendwie zieht es mich da immer wieder hin, das macht süchtig!“, ist die „grüne Hölle“ mittlerweile zum Lieblingsrennen der ehemaligen Deutschen Altersklassen-Meisterin der „Jedermänner“ geworden.

„Entweder fahre ich voll oder gar nicht!“

Dr. Marion Wittler

In der Eifel soll es am 22. August einen von insgesamt drei europäischen Ablegern des M312 geben – Wittlers Hauptaugenmerk liegt allerdings auf dem Original, das am 10. Oktober über 312 Kilometer und 5050 Höhenmeter 8000 Radsportler von Alcudia durch das Weltkulturerbe Tramuntana-Gebirge mit einer traumhaften Abfahrt vom höchsten mallorquinischen Berg, dem Puig Major, bis nach Soller und dann weiter auf der Panorama-Küsten-Traumstraße M10 bis nach Andratx im mallorquinischen Westen und, etwas flacher, über Esporles und Lloseta mit einer Schleife über Arta zurück an die Ostküste nach Alcudia bringen wird. Für den Fall, dass es 2020 umständehalber doch nicht klappen sollte, zum dritten Mal auf Mallorca zu starten und die gesteckten Ziele zu erreichen, hat sich Dr. Marion Wittler schon eins für das nächste Jahr fest vorgenommen: „Ich werde nächstes Jahr dann alles nachholen, wenn es geht.“ Und alles auf Sieg setzen: „Entweder fahre ich voll oder gar nicht!“ Im Idealfall sieht das dann so aus: Der Puls rast, ein paar letzte harte Tritte, dann sprintet Marion Wittler über den Zielstrich an der Playa de Muro – und gewinnt zum dritten Mal den Rad-Klassiker M312 auf Mallorca...

Das Lieblingsrennen in der Eifel: Bei “Rad am Ring” war Dr. Marion Wittler mehrfach vorne platziert.

Das Lieblingsrennen in der Eifel: Bei “Rad am Ring” war Dr. Marion Wittler mehrfach vorne platziert.

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