So., 13.01.2019

Kreissportbund: 70-Jähriger und Ex-Nationalspieler Rau sprechen über Fußball und Medien Heribert Bruchhagen verteidigt Ribéry

Heribert Bruchhagen (links) äußert sich am Sonntag im Interview mit dem KSB-Vorsitzenden Hans Feuß (Mitte) zum »goldenen Steak« von Franck Ribéry sowie über Fußball und Medien generell. Auch Ex-Nationalspieler Tobias Rau schildert seine Sicht.

Heribert Bruchhagen (links) äußert sich am Sonntag im Interview mit dem KSB-Vorsitzenden Hans Feuß (Mitte) zum »goldenen Steak« von Franck Ribéry sowie über Fußball und Medien generell. Auch Ex-Nationalspieler Tobias Rau schildert seine Sicht. Foto: Robert Becker

Von Robert Becker

Gütersloh (WB). »Wenn sie den Sekt ein wenig ins Gegenlicht halten, dann glitzert er fast wie Blattgold.« Mit einem kleinen Wink Richtung Weltfußball und Franck Ribérys Dubai-Steak hat die stellvertretende Vorsitzende Monika Paskarbies am Sonntag den 30. Neujahrsempfang des Kreissportbundes (KSB) eröffnet.

Danach gab sie den 200 Gästen im Gütersloher Kreishaus noch einen weiteren Tipp: »Machen Sie ein Foto und posten es bei Facebook.« Paskarbies hatte sich damit einen Scherz erlaubt, auf den der prominente Referent der Veranstaltung prompt reagierte. Denn: Heribert Bruchhagen hatte gerade erst beim Golfen in Marbella Uli Hoeneß getroffen und der Bayern-Präsident hatte ihm die Ribéry-Story ganz anders erzählt.

Heribert Bruchhagen referiert über Medien und Bundesliga

Eigentlich wollte der 70-jährige Funktionär beim Neujahrsempfang über die gesellschaftliche Bedeutung der Bundesliga sprechen. Daraus wurde schließlich – nicht nur, aber auch – ein Referat über Medien und Bundesliga. Nachdem er seine eigene sportliche Vita (er begann als guter Leichtathlet) vorgetragen hatte, gab er Statistik preis: 30 Millionen Bundesbürger interessieren sich für Fußball. Eine Million Menschen gehen aktiv in die Stadien. Der DFB mit 25.000 angeschlossenen Klubs ist der größte Verband der Welt. Sieben Jahre bleibe ein Spieler im Durchschnitt Profi, ebenso durchschnittlich verdienen die 520 Akteure in der Bundesliga 1,4 Millionen Euro pro Jahr. Das hohe Gehalt relativiere sich, so Bruchhagen. Die wenigsten könnten später von der wirtschaftlichen Substanz leben, sagte der Harsewinkeler und gab zu bedenken: »Andere schlagen in dieser Zeit die Pflöcke fürs berufliche Leben ein.«

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Und Ribéry kommt aus der Nummer nicht mehr heraus.

Heribert Bruchhagen

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Dann kam Ribéry dran: »Dieser völlig unbedarfte Junge«, so Bruchhagen, sei auf Dubai eingeladen worden von jenem Gastronomen. Der servierte ihm das Steak mit Blattgold, stellte das Foto ins Internet, es verbreitete sich digital in Windeseile. »Und Ribéry kommt aus der Nummer nicht mehr heraus«, folgert Bruchhagen. Fake News seien das, aber irgendwie sei die Branche da machtlos. »Sky zahlt 1 Milliarde Euro. Dass Fußball so en vogue ist, ist den Medien zu verdanken, die diese Sportart auf dem Thron halten«, erklärt Bruchhagen. Die große Dominanz verstärke den Effekt sogar noch weiter. Die Bundesliga sei einen »faustischen Pakt« mit den Medien eingegangen, schloss Bruchhagen und gab noch eine Prise Lebensweisheit dazu: »Wenn du einen Zustand nicht ändern kannst, beklage ihn nicht!«.

Ex-Nationalspieler Tobias Rau: entweder Welt- oder Kreisklasse

Im Interview mit dem KSB-Vorsitzenden Hansi Feuß gab Bruchhagen weitere Einblicke – ebenso der frühere Nationalspieler und heutigen Sport- und Biologielehrer Tobias Rau. Der 37-jährige Familienvater, der an der Gesamtschule in Werther unterrichtet, hat mit 27 Jahren seine Karriere beendet und nahm ein Studium aufnahm. Noch heute aber, zehn Jahre später, ist er gefragter Interview-Partner, aktuell in dieser Woche mit einem Interview in der »Zeit«. Der 37-Jährige, der für Braunschweig, Wolfsburg und Bayern spielte, machte mit den Medien seine eigenen Erfahrungen: »Ich war entweder Weltklasse, oder Kreisklasse«, beschrieb er den Drang des Zuspitzens.

Vom Zeltlager-Betreuer zum 2. Vorsitzenden – Markmeier ausgezeichnet

Beim Empfang wurde auch der 2. Vorsitzende Peter Markmeier ausgezeichnet, der bereits als 16-Jähriger mit Zeltlager-Betreuung eine Tätigkeit beim KSB begann. Seither hat er sich über 40 Jahre ehrenamtlich engagiert – starkes Stück! Hans Feuß berichtete ferner von den 15 zertifizierten Bewegungs-Kitas im Kreis und vom neuen Vier-Jahres-Projekt zu verbesserter Qualität in der Ganztagsschule. Landrat Sven-Georg Adenauer ermunterte alle, mehr Förderanträge zu stellen. Er wies auf die 300 Millionen Euro für Renovierungen von vereinseigenen Sportstätten sowie auf die Breitensportförderung »1000 mal 1000« hin, von der Vereine für Objekte mit bis zu 3.000 Euro Fördersumme profitieren können.

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