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Di., 29.07.2014

1. Frauenfußball-Bundesliga: HSV-Stürmerin kämpft sich nach Kreuzbandriss zurück  Ronzettis Weg der kleinen Ziele 

Jeden Morgen steht Giustina Ronzetti nach ihrem Kreuzbandriss auf dem Laufband und absolviert ihre Reha.

Jeden Morgen steht Giustina Ronzetti nach ihrem Kreuzbandriss auf dem Laufband und absolviert ihre Reha.

Von Sonja Möller

Herford (WB). Drei Jahre hat Giustina Ronzetti akribisch an ihrem Traum gearbeitet, hat Tag für Tag trainiert und sich von der Frauenfußball-Landesliga bis zur Stammkraft des Herforder SV in der 2. Liga entwickelt. Ihr Wunsch: »Einmal in die 1. Liga, das wollte ich schon immer.« Doch dann verändert ein Zweikampf auf einmal alles.

 Es läuft die 13. Minute im ostwestfälischen Derby beim FSV Gütersloh. Giustina Ronzetti steigt zum Kopfball hoch und wird dabei von ihrer Gegnerin gerempelt. Ein normaler Zweikampf eigentlich. Doch als die HSV-Stürmerin auf dem Boden aufkommt, verdreht sich ihr rechtes Knie. Sie beschreibt es so: »Ich bin voll weggeknickt. Es hat einmal richtig geknallt und mir ist sofort durch den Kopf geschossen: ›Oh nein, das Kreuzband!‹«

 Erst sah es so aus, als sei ihr Knie stabil, der Physiotherapeut beruhigte sie noch auf dem Platz. Giustina Ronzetti hoffte, doch morgens in der Praxis hatte sie die bittere Gewissheit: Das Kreuzband war durch. Ronzetti: »In dem Moment ist eine Welt für mich zusammengebrochen!«

Fußballerin durch und durch

 Die Stürmerin ist Fußballerin durch und durch. Sie spielt, solange sie denken kann. »Mit 13 Jahren sollte ich schonmal zum HSV, aber damals habe ich mich nicht getraut«, verrät sie lachend. Die Torjägerin blieb lieber bei ihrem Stammverein FC Oppenwehe und spielte später für den SV Friesen Lembruch in der Landesliga. 2011 fragte der Herforder SV dann nochmal an und lud sie zum Probetraining ein: »Da habe ich mir gesagt, du spielst mehr als 14 Jahre Fußball. Mach was aus deinem Talent, dann kannst du noch was erreichen.«

 Seitdem arbeitet Giustina Ronzetti jeden Tag an ihrer Karriere. »Als ich hier angefangen habe, hatte ich von Taktik und so keine Ahnung. Ich habe mir dann im Bereich Fitness und Training immer mehr Wissen angeeignet. Das ist zu meiner Leidenschaft geworden.« Dies blieb auch HSV-Trainer Jürgen Prüfer nicht verborgen. Die einstige Landesliga-Spielerin war eigentlich gar nicht für die erste Mannschaft geplant, biss sich aber in der Vorbereitung durch. Erst als Einwechselspielerin, irgendwann als Stammkraft. Die 1,72 Meter große Stürmerin wurde immer athletischer und spielte zuletzt eine überragende Zweitliga-Saison, die sie mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga krönte.

 »Ich war in Top-Form«

 »Diese Saison habe ich nochmal einen Entwicklungssprung gemacht. Ich war in Top-Form«, sagt sie jetzt und klingt ein bisschen wehmütig. Ein Zweikampf, einmal falsch aufgekommen und plötzlich sitzt sie im Auto nach Straubing in Bayern, statt zu trainieren. Dort hat sie sich operieren lassen: »Professor Strobel ist für Kreuzband-Operationen einer der besten Ärzte in ganz Europa. Rieke Abt ist dort auch operiert worden«, begründet sie.

 Der Eingriff verläuft optimal, die Krücken legt sie nach vier Wochen wieder weg: »Am liebsten würde ich direkt wieder loslegen. Ich weiß, die nächsten Monate werden nicht einfach. Das ist die bislang härteste Zeit in meinem Leben, weil ich nicht mehr machen darf, was ich liebe: Fußball spielen. Aber ich komme stärker zurück.«

Aufgeben gibt es nicht

 Mittlerweile sind acht Wochen vergangen. Giustina Ronzetti steht täglich morgens um acht auf dem Laufband in der Sport Reha Herford und macht ihre Übungen. Doch auch an der Mannschaft ist sie ganz dicht dran. Beim Trainingsauftakt für die 1. Bundesliga begleitet sie ihr Team auf den Platz und beobachtet die Einheit vom Rand – wenn auch mit gemischten Gefühlen. »Das ist schon hart, da jetzt nicht mitmachen zu können«, gibt sie offen zu. Das will sie sich nicht allzu oft antun. Bis sie zurück ins Mannschaftstraining kann, dauert es noch Monate. Für jemanden, der beim Training und auf dem Platz nicht zu bremsen ist, ist das die Höchststrafe. Doch die 22-Jährige lässt sich nicht unterkriegen: »Wenn ich immer nur an die Monate denken würde, die vor mir liegen, das würde ich nicht aushalten. So darf man gar nicht denken. Ich setze mir kleine Ziele.« Der nächste Schritt ist die Rückkehr auf den Platz – zumindest teilweise: »Wenn alles weiter so gut verläuft, darf ich Mitte nächster Woche wieder draußen auf dem Platz laufen.«

 Aufgeben gibt es für Giustina Ronzetti nicht. Sie ist eine Kämpferin, die an ihrem Traum festhält. Auch wenn sie der Kreuzbandriss zurückgeworfen hat und der 1. Bundesliga-Spieltag auf der Ersatzbank ihr Albtraum ist: »Ich halte an meinem Traum fest. Ich habe noch Ziele. Ich will nach ganz oben, das motiviert mich Tag für Tag.«

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