Sa., 13.10.2018

Ehemaliger WESTFALEN-BLATT-Redakteur Jörg Althoff (49) ist Sportchef der Bild-Süd Ganz dicht dran am FC Bayern

Den Bayern ganz nah: Jörg Althoff (links) und Franck Ribéry zeigen die Tripple-Trophäen.

Den Bayern ganz nah: Jörg Althoff (links) und Franck Ribéry zeigen die Tripple-Trophäen. Foto: Dennis Brosda

Von Lars Krückemeyer

München (WB). Millionen Fußballfans lesen seine Texte oder kennen sein Gesicht als Experte im Fernsehen: Der ehemalige WESTFALEN-BLATT-Redakteur Jörg Althoff (49) leitet seit 2012 die Sportredaktion von Bild-Süd – und ist ganz dicht dran am FC Bayern. Der gebürtige Bad Oeynhausener freut sich schon auf die Reise in die Nähe seiner Heimat, wenn er am 30. Oktober die Münchner zum DFB-Pokalspiel gegen den SV Rödinghausen nach Osnabrück begleitet.

»Ich erinnere mich gerne an die Anfänge in der Sportredaktion Bad Oeynhausen. Damals habe ich bei Hans Milberg von der Pike auf gelernt. Ich war beim Kreisliga- oder Landesliga-Fußball, und wenn es sein musste, für die Lokalredaktion auch mal bei einer Versammlung des Kaninchenzüchter-Vereins«, sagt Althoff und lacht.

Lange Zeit als freier Mitarbeiter am Ball

Er bleibt einige Zeit als freier Mitarbeiter am Ball, absolviert zwei Jahre Wehrdienst und will 1990 eigentlich studieren. Doch es kommt anders: »In der Wendezeit gab es großen Bedarf an Volontären und ich bekam die Chance, beim WESTFALEN-BLATT anzufangen.« Jörg Althoff wird später als Jungredakteur übernommen, arbeitet in Minden und beim HERFORDER KREISBLATT mit dem langjährigen Sportchef Harald Schwabe.

Für die Gerry-Weber-Open in Halle produziert diese Zeitung das Turniermagazin, Althoff gehört beim Startschuss zum Redaktionsteam und knüpft in Halle wertvolle internationale Kontakte. Einer davon führt den damals 25-Jährigen schließlich nach München zur Abendzeitung. Althoff wagt ab zum 1. Januar 1995 das Abenteuer Bundesliga. Denn bei der »AZ« lässt ihn ein weiterer Lehrmeister, Franz Hellmut Urban, gleich als Reporter beim damaligen Bundesliga-Aufsteiger 1860 ran.

Erst zur Sport Bild, später Sportchef bei Bild-Süd

Sein Talent entdeckt zwei Jahre später auch die Münchner Reporter-Legende Raimund Hinko. Der damals bekannteste FC Bayern-Schreiber macht Althoff ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: Der Bad Oeynhausener wechselt zum 1. Januar 1997 in den Springer-Verlag zur Sport Bild, deren Münchner Redaktionsleiter Hinko war. Achteinhalb Jahre schreibt Althoff für das größte europäische Sport-Magazin, wechselt dann zur Bild-Zeitung, wird Chefreporter, stellvertretender Sportchef und 2012 Sportchef bei Bild-Süd.

»Das kannst du so nicht planen«, denkt der 49-jährige Journalist zurück, »ich hatte eine Menge Glück und habe oft zur richtigen Zeit die richtigen Leute getroffen, die mich gefordert und gefördert haben. Ihnen allen bin ich extrem dankbar«, betont Althoff.

Sein Handwerkszeug ist zwar das gleiche wie als Lokaljournalist, auch die Themen sind vielfältig, schließlich kommen auch der Deutsche Eishockey- und der Basketball-Meister aus München. Über allem aber steht: der FC Bayern München. »Dieser Verein polarisiert wie kein Zweiter. Entweder man hasst oder liebt ihn. Aber egal ist er niemandem«, erklärt Jörg Althoff. Und dieser Verein hält auch die Journalisten auf Trab. »Wir sind eigentlich 24 Stunden an jedem Tag im Dienst. Wenn ein Informant zurückruft, geht jeder auch am freien Tag natürlich ans Handy.«

Pizza mit Lothar Matthäus

Berufliches und Privates können auf dieser Ebene leicht verschmelzen. »Wo hört der Beruf auf und wo fängt das Private an, wenn man sich abends mit Lothar Matthäus auf eine Pizza trifft?«, plaudert Althoff aus dem Nähkästchen: »Wichtig ist, das einordnen und professionell trennen zu können.« Auftritte als Experte in Fußball-Talkshows wie »Doppelpass« (Sport 1) oder »Sky 90« runden sein mediales Portfolio ab.

Althoff und seine Kollegen gehen sehr vorsichtig mit Informationen und Gerüchten um, bevor sie zu griffigen Schlagzeilen in großen Buchstaben im Blatt oder Internet werden. Zu groß ist die Tragweite, zu hoch der Anspruch der BILD-Reporter an sich selbst. »Eine Quelle reicht uns nicht. Wir sprechen mit vielen Leuten, bevor wir eine Geschichte bringen. Auch wenn die Zeit durch die Digitalisierung immer drängt«, sagt Althoff – denn auch im Boulevard gelte die journalistische Sorgfaltspflicht.

Sechs Reporter und der aus Paderborn stammende Fotograf Dennis Brosda befassen sich bei Bild und Sport Bild in München als Team mit dem Rekordmeister. Althoff sagt: »Unser Anspruch ist, jeden Tag in der Woche die besten Geschichten und exklusive Nachrichten zu haben. Das kann nur mit Teamwork funktionieren und in Zusammenarbeit mit unseren Redaktionen in ganz Deutschland.«

Wenn der FC Bayern in der Krise steckt...

Besonders interessant und aufregend wird’s für Althoff und seine Kollegen, wenn der FC Bayern, so wie jetzt kurz vor dem Pokalspiel gegen den SV Rödinghausen, nach vier Spielen ohne Sieg in der Krise steckt. Der Experte meint trotzdem, dass der Bayern-Trainer auch am 30. Oktober Niko Kovac heißt. »Wir haben die ganze Diskussion um ihn mit einer Bild-Story zwar beschleunigt. Aber ich halte ihn für einen guten Trainer mit Potenzial. Uli Hoeneß hat gesagt, dass er wie eine Eins hinter Kovac steht. Daran wird er sich messen lassen müssen. Es macht für mich auch keinen Sinn, einen jungen Trainer nach acht, neun Spielen abschließend zu beurteilen. Er sollte seine Zeit bekommen, auch wenn der Druck natürlich schon jetzt extrem ist«, findet Jörg Althoff.

Trotz seines 24 Stunden/7 Tage Berufs, vieler Reisen und der großen Entfernung hat er seine ostwestfälische Heimat nie aus den Augen verloren. Zum Beispiel hat er immer wieder Kontakt zu Springreiter Klaus Brinkmann (RV von Lützow Herford). Sein Paten-»Kind« Daniel Reineke (25) spielt beim TuS Lohe. Und auch die Telefonnummer, von der er für das Gespräch angerufen wurde, hat Jörg Althoff erkannt: es ist seine alte Dienstnummer beim HERFORDER KREISBLATT.

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