Do., 13.02.2020

Tischtennis: Bad Driburgs Spitzenspielerin Britt Eerland im Interview „Es wird langsam realer“

Britt Eerland ist seit zwei Jahren die Driburger Nummer eins. In der aktuellen Saison hat sie die viertbeste Bilanz aller Bundesligaspielerinnen erzielt.

Britt Eerland ist seit zwei Jahren die Driburger Nummer eins. In der aktuellen Saison hat sie die viertbeste Bilanz aller Bundesligaspielerinnen erzielt. Foto: Sylvia Rasche

Bad Driburg (WB). Manchmal gibt es die besten Geschenke im Voraus. Zwei Wochen vor ihrem 26. Geburtstag hat die Bad Driburger Tischtennis-Bundesligaspielerin Britt Eerland überraschend das Finale des Europäischen Ranglistenturniers erreicht. Es ist der bisher größte Einzel-Erfolg ihrer Laufbahn. Ein anderes großes Ziel des Jahres, die Olympia-Qualifikation, ist dagegen noch weit entfernt. Mit Britt Eerland sprach WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Sylvia Rasche.

Sie haben am vergangenen Sonntag gesagt, dass Sie das Gefühl, Platz zwei im Europäischen Ranglistenturnier Top-16 belegt zu haben, noch nicht beschreiben können. Wie ist es ein paar Tage später?

Britt Eerland: Es wird langsam realer. Anfangs konnte ich kaum glauben, was ich erreicht habe. Je mehr Zeit vergeht, desto sicherer bin ich, dass ich wirklich auf dem zweiten Platz gelandet bin. Darüber bin ich sehr stolz und glücklich.

 

Ausgerechnet gegen Titelverteidigerin Petrissa Solja haben sie im Januar in Bad Driburg noch gewonnen. Ärgern Sie sich ein bisschen über die verpasste Chance, ganz oben zu stehen?

Eerland: Wenn ich ganz ehrlich bin: Ja, ein bisschen. Vor allem direkt nach dem Spiel. Doch dieses Gefühl ging sehr schnell wieder vorbei. Ich habe in der Schweiz unter anderem gegen Topspielerinnen wie Bernadette Szöcz und Sofia Polcanova (Anmerkung der Redaktion: Beide stehen in der Weltrangliste deutlich vor Eerland) gewonnen. Die Silbermedaille in diesem Turnier ist viel mehr, als ich erwartet habe. Daher bin ich sehr glücklich mit dem zweiten Platz.

 

Sie dürfen jetzt im Oktober im World-Cup starten. Vorher sind aber noch so viele wichtige Termine, die locker für zwei Saisons reichen würden. Haben Sie schon einen Gedanken an Bangkok verschwendet?

Eerland: Ja. Es ist schließlich das erste Mal, dass ich den World-Cup im Einzel spielen darf. Das ist etwas Besonderes für mich. Aber es stimmt: Vorher sind noch so viele andere wichtige Termine, dass ich mich noch nicht ernsthaft damit beschäftigt habe.

 

Stichwort Bundesliga: Sie sind mit dem TuS Bad Driburg der einzige ernsthafte Verfolger von Meister Berlin. Träumen Sie zumindest ein bisschen vom Titel oder ist der genau so weit weg wie vor der Saison?

Eerland: Das ist eine schwere Frage. Natürlich will man als Sportler immer die Nummer eins sein. Aber wir müssen auch realistisch bleiben. Berlin ist sehr viel stärker besetzt als alle anderen Bundesliga-Vereine. Daher ist der zweite Platz das Maximum, das wir erreichen können. Es ist toll, dass wir nicht nur zu Saisonbeginn, sondern auch jetzt noch so weit oben stehen und diesen zweiten Platz immer verteidigt haben. Wenn wir das bis zum Saisonende schaffen, sind wir hochzufrieden.

 

Sie haben Ihren Vertrag in Bad Driburg um ein Jahr verlängert. Was war der Hauptgrund?

Eerland: Es gibt viele gute Gründe, in Bad Driburg zu bleiben. Wir haben ein tolles Team, ein super Umfeld. Alles passt. Ich fühle mich rundherum wohl.

 

Sie haben vor ihrem Wechsel nach Driburg gesagt, dass es für Sie ungewohnt sein wird, in einem Team die Nummer eins zu sein. Daran scheinen Sie sich schnell gewöhnt zu haben...

Eerland: Ja das stimmt. Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber diese Rolle gibt mir noch mehr Sicherheit. Inzwischen bin ich auch in der niederländischen Nationalmannschaft die Nummer eins und fühle mich sehr wohl.

 

Die Enttäuschung nach der verpassten Team-Olympia-Quali war groß. Welche Chancen sehen Sie, es im Einzel noch zu schaffen?

Eerland: Es gibt noch zwei Qualifikationsturniere, eins für Europa und die Weltquali. Der letzte freie Platz wird über die bereinigte Juni-Weltrangliste vergeben. Einen dieser wenigen Plätze zu bekommen, ist schon sehr schwer. Dazu kommen noch die Regelungen in den Niederlanden: Nur wenn ich in der bereinigten Weltrangliste, in der die besten zwei Spielerinnen pro Nation gewertet werden, unter den besten 16 bin, werde ich vom Nationalen Olympischen Komitee nominiert. Derzeit dürfte ich ungefähr auf Platz 30 liegen. Durch das Europäische Ranglistenturnier werde ich sicher ein paar Plätze klettern. Ob es reicht, weiß ich im Juni. Aber solange werde ich um diese kleine Chance kämpfen!

 

Denken Sie häufig darüber nach oder versuchen Sie, dieses Thema zu verdrängen?

Eerland: Ich versuche, nicht allzu oft daran zu denken. Sonst mache ich mich nur verrückt und das ist nicht gut. Aber immer schaffe ich das nicht.

 

Im März steht auch noch die Weltmeisterschaft in Korea auf dem Programm. Ganz schön viele Highlights im Jahr, oder?

Eerland: Ja. Ich bin diese Saison wirklich extrem viel unterwegs und schaffe es daher kaum, regelmäßig zu trainieren. Nach dem Top-16 in der Schweiz war ich kurz zu Hause, dann musste ich am Donnerstag schon wieder zum Flughafen, weil die Portugal-Open gespielt werden. Glücklicherweise bin ich da schon für das Hauptfeld gesetzt und musste daher nicht schon zur Qualifikation anreisen. Gerade weil wir so viel unterwegs sind, verzichte ich bei den Turnieren auch auf Doppel und Mixed und spiele nur Einzel. Was die WM selbst angeht, kann ich nur wenig sagen. Meine Nationalmannschaftskollegin Li Jie ist nach dem Olympia-Qualiturnier nach China geflogen und sitzt dort fest, weil wegen des Coronavirus alle Flüge gestrichen sind. Das betrifft auch noch andere Athleten. Mal abwarten, ob es eventuell eine Entscheidung gibt, die WM zu verschieben. Die Gesundheit ist das höchste Gut.

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