Mi., 18.03.2020

Fußball: Kreisvorstandssitzung per Video-Schaltung. Vorsitzender Hermann-Josef Koch im Interview „Wir haben keine konkreten Lösungen“

Fußballspiele und das Training sind zunächst bis zum Ende der Osterferien verboten Die Plätze sind verwaist.

Fußballspiele und das Training sind zunächst bis zum Ende der Osterferien verboten Die Plätze sind verwaist. Foto: Sylvia Rasche

Bad Driburg (WB). Der Fußball rollt vorerst nicht mehr. Keine Spiele, kein Training. Dafür viele offene Fragen. Nicht nur die großen Profi-Clubs, auch die vielen kleinen Amateurvereine wissen in diesen Tagen nicht, wie es weitergeht. „Seriös kann das niemand beantworten“, sagt der Bad Driburger Hermann-Josef Koch, Vorsitzender des Fußball- und Leichtathletikkreises Höxter, im Gespräch mit Redakteurin Sylvia Rasche.

 

Herr Koch, Sie hatten für diesen Dienstag eine turnusgemäße Kreisvorstandssitzung anberaumt. Haben Sie sich beraten oder wurde die Sitzung abgesagt?

Hermann-Josef Koch: Wir haben uns ausgetauscht. Allerdings haben wir uns dafür nicht getroffen, sondern die Video-Schalte genutzt. Diese Möglichkeit stellt uns der Verband seit ein paar Jahren zur Verfügung. Wir haben davon schon in der Vergangenheit immer mal wieder Gebrauch gemacht, wenn es nur kurz etwas zu besprechen gab und jetzt natürlich ganz besonders. Ich habe meinen Kreismitarbeitern sogar verboten, Angelegenheiten, die mit ihrem Amt zu tun haben, jetzt noch persönlich zu klären. Telefon, Mail oder andere elektronische Wege sind da erste Wahl.

 

Ihre normale Tagesordnung für die Vorstandssitzung ist vermutlich ziemlich durcheinander geraten.

Koch: Ja, genau. Die haben wir gar nicht mehr beachtet, sondern uns nur so ausgetauscht. So sehr wir den Fußball lieben und so wichtig er uns ist: In diesen Zeiten sind ganz andere Probleme zu lösen. Da müssen alle mithelfen, dass die Zahl der Infizierten nicht noch weiter ansteigt. Jeder hat in seinem Umfeld ja auch so genannte Risikopersonen. Darum machen wir uns mehr Sorgen als um den Fußball. Hier braucht Kreisvorsitzender Hermann-Josef Koch noch ein Mikro, um zu den Vereinsvertretern zu sprechen. Inzwischen ist die ganze Kommunikation auf Telefon und Internet umgestellt. Foto: Sylvia Rasche

 

Sie haben am vergangenen Freitag mit der Absage des Spielbetriebs an die Vereine appelliert, auch das Training einzustellen. Inzwischen ist es ja auch behördlich verboten. Wie haben die Vereine reagiert.

Koch: Großartig. Viele haben schon gleich am Freitag mit der Absage des Spielbetriebs bis nach den Osterferien auch den Trainingsbetrieb ausgesetzt. Das war konsequent und weitsichtig.

 

Wo sehen Sie im Moment die größten Sorgen der Vereine?

Koch: Die größte Sorge ist sicher die fehlende Planungssicherheit. Die Vereine wissen nicht, wie es weitergeht. Ohne Spielbetrieb fehlen die Einnahmen, vielleicht bricht auch der eine oder andere Sponsor weg. Da geht es finanziell schnell an den Rand der Existenz, weil ja andere Kosten weiterlaufen. Aber vielleicht hat die ganze Krise ja auch die gute Seite, dass wir auch im Sport wieder näher zusammenrücken und dem anderen wieder mehr Respekt zollen.

 

Gucken wir doch noch kurz auf die sportliche Lage: Der Spielbetrieb wird frühestens nach den Osterferien aufgenommen. Wie kann es da weiter gehen?

Koch: Der erste Gedanke ist natürlich der, dass wir die Saison sportlich zu Ende spielen wollen. Allerdings habe ich keine Vorstellung, wie das gelingen soll. Natürlich können wir ein paar Wochen länger spielen als ursprünglich geplant. Ob das reicht, weiß ich nicht. Da hängt so viel dran, nicht zuletzt die Wechselfrist am 30. Juni. Aber auch logistische Fragen: Wir können ja nicht morgens um 10 Uhr auf dem Sportplatz beginnen und bis 19 Uhr durchspielen. Wie sollen Jugend- und Seniorenmannschaften da durchkommen? Es gibt viele offene Fragen, für die ich als kleiner Funktionär auf Kreisebene so wenig Antworten habe wie die Funktionäre im großen Fußball. Wir haben aktuell keine konkreten Lösungen parat.

 

In diesem Jahr feiern mehr Vereine als üblich im Sportkreis ihr 100. Jubiläum. In diesen Clubs wird natürlich über die Feierlichkeiten diskutiert.

Koch: Ja, das kann ich gut verstehen. aber auch sie müssen abwarten. Das Kreispokalfinale der Seniorenfußballer ist zum Beispiel im Rahmen des 100. Vereinsbestehen der Spvg Brakel geplant. Was bis dahin ist, kann zuverlässig im Moment niemand beantworten. Auch die vielen Ehrungen der Vereinsvertreter, die wir vom Kreisvorstand in diesen Tagen und Wochen auf den Jahreshauptversammlungen der Vereine verleihen, sind auf Eis gelegt.

 

Wie kommen Sie persönlich durch die fußballlose Zeit?

Koch: Gute Frage. Ich habe mir als letzte Partie noch das Bezirksligaspiel zwischen dem FC Peckelsheim/Eissen/Löwen und Blau-Weiß Weser angeschaut und nicht damit gerechnet, dass danach erst mal kein Fußball mehr gespielt werden würde. Mein Rehasport ist natürlich auch ausgesetzt. Ich versuche, jeden Tag 10 000 Schritte zusammen zu bekommen und gehe spazieren. Ansonsten kann man nur abwarten. Meine ganz persönliche Meinung ist auch, dass wir mit der Pause bis nach den Osterferien nicht hinkommen werden und die noch mal verlängert werden wird.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7333118?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2198415%2F4850276%2F