Leichtathletik: Zwölf Kreisrekorde der ersten Trainingsgruppe von Michael Gaentzsch sind nach vier Jahrzehnten noch aktuell
„Und dann hatte ich den Job am Hals“

Bad Driburg -

Der Termin hat schon lange Tradition: Am Nachmittag des 24. Dezember gibt es im Hause Gaentzsch Kaffee, Kuchen – und ganze viele Leichtathletik-Geschichten.

Samstag, 13.02.2021, 06:17 Uhr aktualisiert: 13.02.2021, 06:20 Uhr
Seit 2010 ist Michael Gaentzsch wieder als Trainer beim LC Paderborn tätig, hat dort unter anderem die Spitzenathletin Chantal Butzek, U20-WM-Dritte mit der Staffel, betreut. Das Foto zeigt beide im Trainingslager in Portugal.
Seit 2010 ist Michael Gaentzsch wieder als Trainer beim LC Paderborn tätig, hat dort unter anderem die Spitzenathletin Chantal Butzek, U20-WM-Dritte mit der Staffel, betreut. Das Foto zeigt beide im Trainingslager in Portugal. Foto: privat

 

„Weihnachten sind ja auch die Ehemaligen meistens bei ihren Familien in Bad Driburg zu Besuch. Da hat sich das so eingebürgert“, sagt Michael Gaentzsch. Er hat Heiligabend Geburtstag und hält mit vielen seiner früheren Leichtathleten auch nach Jahrzehnten noch Kontakt. „Da wir uns diesmal nicht sehen durften, haben wir eine Videokonferenz gemacht“, erzählt der 72-Jährige, der immer noch als Trainer aktiv ist – aktuell beim LC Paderborn.

In den 1970er Jahren hat er als junger Trainer beim TV Jahn Bad Driburg die damalige Leistungsgruppe der Leichtathleten trainiert. Zwölf der Kreisrekorde, die seine Athleten damals aufgestellt haben, sind auch nach Jahrzehnten immer noch aktuell.

 

Seine erste Trainingsgruppe beim TV Jahn Bad Driburg liegt Michael Gaentzsch (ganz links) immer noch am Herzen. Mit vielen der damaligen Athleten hält er auch nach vier Jahrzehnten immer noch Kontakt

Seine erste Trainingsgruppe beim TV Jahn Bad Driburg liegt Michael Gaentzsch (ganz links) immer noch am Herzen. Mit vielen der damaligen Athleten hält er auch nach vier Jahrzehnten immer noch Kontakt Foto: privat

„Michael war immer für uns da und hat einen Großteil seiner Freizeit nach unseren Terminen ausgerichtet“, sagt Marie-Luise Jansen, geborene Bockelmann. Sie gehörte damals zu den Driburger Top-Athleten, war eine der schnellsten Sprinterinnen in Nordrhein-Westfalen und startete bei Deutschen Meisterschaften. „Ohne Michael hätten wir diese ganzen Erfolge nie erreicht. Er hat uns dorthin geführt“, betont auch Martin Haupt, der als Hochspringer bei den Deutschen Meisterschaften dabei war.

Trainer Michael Gaentzsch war selbst ein Kind des Turnvereins, war als Turner und Leichtathleten aktiv, bevor er früh seine Leidenschaft für das Traineramt entdeckte. Allerdings mehr durch Zufall.

„In Driburg fehlten Jugendtrainer. Das habe ich beim Vorstand kritisch angemerkt und hatte den Job dann am Hals“, erinnert sich Gaentzsch mit einem Augenzwinkern. Er selbst sei eher ein durchschnittlicher Athlet gewesen, meint der Driburger.

Als Trainer startete er dagegen durch, schöpfte zunächst aus eigenen Erfahrungen, machte dann einen ersten Übungsleiterschein und war 1978 zusammen mit dem Brakeler Franz-Josef Babik der erste B-Lizenz-Trainer im Kreis Höxter. Die Lizenz hat er in all den Jahrzehnten immer wieder verlängert. „Dieses Frühjahr werden zum Glück auch einige Online-Kurse dazu angeboten“, hebt Gaentzsch hervor. Seinen erfolgreichen Driburger Talentschuppen, zu dem neben Haupt und Bockelmann unter anderen auch Frank Kanbach, Willi Fromme und die Nilling-Schwestern gehörten, trainierte er bis 1980.

Dann wechselte er nicht zuletzt aus beruflichen Gründen zum LC Paderborn. „Ich hatte meinen Meister als Radio- und Fernsehtechniker gemacht und hatte in Paderborn mehr Möglichkeiten. Leichtathletik war ja nur ein Hobby“, erinnert sich Michael Gaentzsch. Allerdings ein ambitioniertes Hobby. Immer wieder formte er aus Talenten Top-Athleten, die auf Bundesebene auf sich aufmerksam machten und sogar international erfolgreich waren.

 

Als „eher durchschnittlich“ beschreibt Trainer Michael Gaentzsch den Leichtathleten Michael Gaentzsch. Den silbernen Kranz hat er beim Mehrkampf des Iburg-Bergfestes trotzdem mal gewonnen.

Als „eher durchschnittlich“ beschreibt Trainer Michael Gaentzsch den Leichtathleten Michael Gaentzsch. Den silbernen Kranz hat er beim Mehrkampf des Iburg-Bergfestes trotzdem mal gewonnen. Foto: privat

So trainierte er die Lipperoderin Regina Ahlke schon zu Schülerzeiten und führte sie als Hürdenläuferin in die Spitzenklasse mit EM- und WM-Einsätzen.

Seine Arbeit als Stützpunktleiter in Paderborn über mehr als zwei Jahrzehnte würdigte der Deutsche Leichtathletikverband mit der DLV-Verdienstnadel in Silber.

1998 heuerte Michael Gaentzsch nach einer Familienpause, in der er allerdings weiter den Paderborner Stützpunkt leitete, wieder beim TV Jahn Bad Driburg an und baute eine neue starke Sprintgruppe auf. Die neue 4x100-Meter-Staffel der weiblichen A-Jugend knackte sogar den 24 Jahre alten Kreisrekord seiner ersten Bad Driburger Staffel. Im Juni 1980 hatten Andrea Nilling, Cornelia Thöne, Bettina Nilling und Elke Freytag die Stadionrunde im Endlauf der Westfalenmeisterschaften in 49,48 Sekunden abgespult. 2004 waren Sabrina Eckert, Elena Knoke, Inga Versen und Friederike Flemming-Schmidt in 49,26 bei den Deutschen Meisterschaften in Jena noch etwas schneller. Seither sind erneut 16 Jahre ins Land gegangen – ohne, dass eine heimische Staffel daran hätte anknüpfen können.

Von 2005 bis 2010 war Michael Gaentzsch in Geseke aktiv, bevor ihn noch einmal der Ruf des LC Paderborn ereilte und er unter anderem mit Chantal Butzek wieder eine Top-Athletin am Start hatte, die sogar einen deutschen U18-Rekord über 60 Meter Hürden aufstellte und mit internationalen Erfolgen wie Staffel-Bronze bei der U20 Weltmeisterschaft auftrumpfte.

Wenn ihn nicht gerade die Corona-Pandemie ausbremst, steht Michael Gaentzsch als Leichtathletik-Trainer weiterhin drei- bis viermal in der Woche auf dem Trainingsplatz und gibt seine Erfahrungen an die jungen Schützlinge weiter. Seit fast fünf Jahrzehnten. Einen besonderen Stellenwert nehmen in all der Zeit immer noch seine ersten Athleten ein. „Die waren nicht nur im Sport, sondern auch privat eine eingeschworene Truppe und haben viel zusammen unternommen“, betont der Bad Driburger. Viele der damaligen Geschichten werden auch im neuen Jahrtausend noch regelmäßig lebendig – Heiligabend bei Kaffee und Kuchen im Hause Gaentzsch.

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