Meine Corona-Pause: Borgentreicher Reiterin Clair Sophie Lücke ist jeden Tag bei ihren Pferden
Langeweile kommt bei ihr nicht auf

Borgentreich -

„Bei uns gibt es kein zu kaltes oder zu matschiges Wetter“, sagt Claire Sophie Lücke. Jeden Vormittag bringt sie ihren westfälischen Wallach „Sir Walter“ und ihr Reitpony „Chiara“ auf die nahe gelegenen Weiden. Reitsport ist das große Hobby der Borgentreicherin, die sich seit rund zehn Jahren im Reit- und Fahrverein Bevertal Dalhausen engagiert.

Samstag, 06.02.2021, 02:16 Uhr aktualisiert: 06.02.2021, 07:38 Uhr
Claire Sophie Lücke trainiert viermal in der Woche mit ihrem westfälischen Wallach „Sir Walter“ (links) und mit ihrem Reitpony „Chiara“. Beide sind 14 Jahre alt. „Wenn die Grundlagen funktionieren, funktionieren auch die schwierigen Sachen“, sagt die Studentin.
Claire Sophie Lücke trainiert viermal in der Woche mit ihrem westfälischen Wallach „Sir Walter“ (links) und mit ihrem Reitpony „Chiara“. Beide sind 14 Jahre alt. „Wenn die Grundlagen funktionieren, funktionieren auch die schwierigen Sachen“, sagt die Studentin. Foto: Privat

Der erste Weg nach dem Aufstehen geht für die 24-Jährige in den Pferdestall. „Meine beiden Turnierpferde Chiara und Sir Walter, den wir in der Familie alle Santo nennen, stehen nicht in einer Reitanlage, sondern wir machen eigentlich alles selbst“, sagt die Studentin, dass sie das Glück habe, dass ihre Mutter Jutta Lücke selbst Reiterin ist und sie in jeglicher Hinsicht unterstützen kann. „Pferde sind definitiv ausgeglichener und zufriedener, wenn sie sich täglich mit anderen Artgenossen austoben können und nicht in der Box verharren“, betont Claire Sophie Lücke voller Tatendrang. Langeweile kommt bei ihr auch in Corona-Zeiten nicht auf. „Neben Uni, Familie und Freund verbringe ich viel Zeit mit meinen Vierbeinern“, sagt sie und will gleich wieder los.

Ein Pferd sei ein Sportpartner und kein Sportgerät, das man einmal am Tag aufsucht, um seinem Hobby nachgehen zu können. Je mehr man sich mit dem Pferd beschäftige, desto schneller bekomme man es auf seine Seite, ist sie sicher. „Um mit ihm einen leistungsstarken und leistungsbereiten Sportpartner zu haben, müssen wir Reiter im Gegenzug unseren Pferden auch das gewähren, was sie brauchen – eine artgerechte Haltung“, unterstreicht Lücke. Das erfordere natürlich auch viel Zeit und Geduld, führt die Studentin aus, die fast ein Jahrzehnt als Jugendwartin des RV Bevertal fungierte und in dieser Zeit mehr als 30 Mädchen und Jungen an den Reitsport herangeführt hat. „Das habe ich zusammen mit meiner Mutter gemacht. Sie hat die Jugendarbeit unseres Vereins im Jahr 2008 neu aufgebaut und ist seit dreizehn Jahren Sportwartin“, berichtet Claire Sophie Lücke.

Nach langem Überlegen und aufgrund beruflicher Veränderungen (sie hat ein duales Studium in Höxter aufgenommen) entschloss sie sich im vergangenen Jahr, diese ehrenamtliche Arbeit zu beenden. Als Schriftführerin wirkt sie weiter im Vorstand mit. Neue Reitlehrerin des RV Bevertal für Kinder und Jugendliche ist seit dem 1. November des vergangenen Jahres Helena Hemsing. „Aufgrund des zweiten Lockdowns war leider noch kein Neustart möglich“, berichtet Lücke und weist auf die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Reitsport hin. „Die damit verbundenen Maßnahmen gefährden Schulbetriebe, die sich hauptsächlich durch viele Reitschüler finanzieren“, bedauert sie. Die Pferde und Ponys könnten aber nicht einfach Pause machen. „Sie müssen weiterhin versorgt und auch finanziert werden.“

Weil viele Turniere abgesagt werden mussten, konnte Claire Sophie Lücke im vergangenen Jahr lediglich an zwei Veranstaltungen teilnehmen (jeweils im Herbst). Wann es dieses Jahr losgehen kann, stehe in den Sternen, sagt die begeisterte Pferdesportlerin auch mit Blick auf die ersten Absagen geplanter Frühjahrsturniere.

 

Ein schöner Erfolg: 2019 ist Claire Sophie Lücke mit „Chiara“ Dressur-Kreismeisterin der Leistungsklasse 4 geworden

Ein schöner Erfolg: 2019 ist Claire Sophie Lücke mit „Chiara“ Dressur-Kreismeisterin der Leistungsklasse 4 geworden Foto: Privat

Mit einem Leuchten in den Augen denkt sie daran zurück, wie sie vor elf Jahren „Chiara“ und vor acht Jahren „Sir Walter“ bekommen hat. „Chiara war von Anfang an ein Traumpferd für mich. Das Anreiten war schon damals unkompliziert. Sie ist einfach ein Kämpferherz und versucht immer, das Beste zu geben. Sir Walter hingegen war sehr kompliziert, obwohl er schon immer gute Veranlagungen für ein Dressurpferd hatte“, beschreibt sie. Wenn der Kopf des Pferdes aber nicht mitspiele, nütze alles andere bekanntlich auch nichts. „Zu Anfang hat er eigentlich immer genau das gemacht, was ich gerade nicht wollte“, sagt sie mit einem fröhlichen Lächeln.

Fröhlich, denn das sei nun Geschichte. „Sir Walter“ habe sich vor allem in letzter Zeit enorm entwickelt, was auch ihr Trainer Fritz Lutter immer wieder bestätige. „Dass dieses Pferd jemals eine M-Dressur laufen wird, hätte ich mir vor fünf Jahren nicht erträumt“, sagt Claire Sophie Lücke.

Aktuell reite sie oft mit ihrer Mutter und beiden Pferden aus, longiere oder konzentriere sich auf die unerlässliche Basisarbeit auf dem eigenen Reitplatz. Seit Corona habe sie wieder gemerkt, dass die Grundlagen, wie zum Beispiel verschiedenste Übergänge, immer wieder absolut wichtig für die aufbauenden Lektionen sind. „Wenn das funktioniert, funktionieren auch die schwierigeren Sachen“, erklärt sie.

Die schwierigen Herausforderungen der Corona-Krise meistern möchte auch der neue Vorstand des Reit- und Fahrvereins Bevertal Dalhausen. „Die Vorstandsarbeit läuft weiter. Wir stimmen uns einmal im Monat in Sitzungen ab, die als Zoom-Meetings laufen“, berichtet Claire Sophie Lücke. Dass Anja Frewer den Trainerschein gemacht hat, gehöre zu den besonderen Erfolgen des Vereins trotz der Corona-Pandemie. „Damit ist der RV Bevertal in Zukunft noch besser aufgestellt“, freut sie sich mit ihr. Grund zur Zufriedenheit hatten auch Vorsitzender Johann Denecke und Vereinskollegin Johanna Decker, die im November 2020 das große Reitabzeichen absolviert haben.

Die sonst im Frühjahr stattfindende Jahreshauptversammlung wird aufgrund der Corona-Pandemie verschoben. Ob das Reitturnier sowie der Reitertag ausgerichtet werden, ist noch unklar. „Die Corona-Auflagen fordern in allen Bereichen zusätzliches Hilfspersonal, was für einen relativ kleinen Verein schwer umzusetzen ist“, sagt Claire Sophie Lücke. Sie hofft darauf, dass es bald wieder Lockerungen hinsichtlich der Individualsportarten gibt.

Kurz gefragt

Kraft- oder Lauftraining: Auf jeden Fall Lauftraining. Ich bevorzuge immer den Sport an der frischen Luft. Meistens laufe ich mit den beiden Magyar-Viszla-Hündinnen meiner Eltern. Die beiden sind allerdings unkaputtbar. Im Gegensatz zu mir.

Bringdienst oder selber kochen: Teils, teils. Ich gebe offen zu, dass ich nicht die geborene Köchin bin. Ich habe noch nie gern viel Zeit in der Küche verbracht. Die Hauptsache für mich ist, dass es schmeckt und dass man einigermaßen satt wird.

Playstation oder Netflix: Keins von beiden. Ich gehöre vermutlich zu den wenigen Personen meiner Altersgruppe, die noch nie eine Serie geschaut hat. Aber dazu habe ich auch einfach keine Lust.

Podcast oder Buch: Ich war noch nie eine große Leseratte, dafür fehlt mir die Ruhe. Auch Podcasts gehören irgendwie nicht in meine Welt.

Spotify oder Radio: Meistens läuft bei mir tatsächlich noch das Radio. Spotify oft, wenn ich mit Freunden unterwegs bin. Da gibt es schon den ein oder anderen Musikgeschmack, der im Radio nicht sehr präsent ist.

Lieblingsseite im Internet: In letzter Zeit war ich tatsächlich viel auf youtube unterwegs und habe mir viele Trainingsvideos angesehen. Vor allem von Ingrid Klimke bin ich wirklich begeistert.

Sportlerbiografie: Leider hat meines Wissens nach noch kein „Top-Reiter“ eine Biografie verfasst. Allerdings habe ich mit meinem Freund, der fußballerisch unterwegs ist, die Doku von Bastian Schweinsteiger geschaut. Die hat mir sehr gut gefallen.

Corona-Rituale: Wer früh aufsteht, hat auch in dieser Zeit mehr vom Tag. Vor allem während der Uniphase mit den Prüfungen ist jede Stunde Gold wert. Auf das Reiten könnte ich jedoch wirklich nur in absoluten Ausnahmefällen verzichten. Das kam tatsächlich bislang auch noch nie vor.

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