Sa., 25.05.2019

Fußball-Landesliga: Brakels Trainer Burkhard Sturm im Interview »Extrem hohe Ansprüche«

Sein letztes Heimspiel steht bevor: Nach sechs Jahren verabschiedet sich Burkhard Sturm am Sonntag aus Brakel.

Sein letztes Heimspiel steht bevor: Nach sechs Jahren verabschiedet sich Burkhard Sturm am Sonntag aus Brakel. Foto: Rene Wenzel

Brakel (WB). Nach sechs erfolgeichen Jahren endet am Sonntag mit dem Hochstift-Derby gegen den Hövelhofer SV die Amtszeit von Burkhard Sturm als Trainer der SpVg. Brakel. Mit unserem Mitarbeiter Rene Wenzel hat er sich vor seinem Abschied unterhalten.

 

Herr Sturm, eine kleine Quizfrage zum Einstieg: Sie standen bisher in 89 Spielen als Trainer der Spvg. 20 Brakel in der Landesliga an der Seitenlinie. Wie viele Partien davon haben Sie gewonnen?

Burkhard Sturm: Schwer zu sagen. Vielleicht 50 Prozent?

 

Gar nicht schlecht. Es waren in der Landesliga 44 Siege, 14 Unentschieden und 31 Niederlage. Welche Saison bleibt Ihnen bei über insgesamt 150 Spielen als Trainer der Rot-Schwarzen besonders in Erinnerung?

Sturm: Die erste Landesliga-Saison 2016/2017 fand ich überragend. Da hat man von Spiel zu Spiel eine Entwicklung in der Mannschaft gesehen. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern.

 

Gibt es auch besondere Spiele, die Sie nie vergessen werden?

Sturm: Da fällt mir gleich das Auswärtsspiel beim VfL Theesen ein. In unserer ersten Landesliga-Saison haben wir gegen einen stark besetzten Gegner mit 4:1 gewonnen. Das entscheidende Spiel in Anreppen um die Bezirksliga-Meisterschaft bleibt auch in Erinnerung. Und natürlich die Westfalenpokalspiele gegen Lotte und Ahlen – da wurden wir nicht abgeschossen (lacht).

 

In den fast sechs Jahren in Brakel gab es bestimmt auch einen Spieler, der Sie richtig begeistert hat…

Sturm: Mark Riechmann war eine prägende Figur. Mit seiner Persönlichkeit und Autorität war er ganz wichtig in der Mannschaft. Er hat früh Probleme erkannt und sie direkt glatt gebügelt, bevor sie überhaupt richtig zum Thema wurden. Der kompletteste Spieler auf dem Platz war sicherlich Dominik Kling bis zu seiner Verletzung. Er konnte immer auf nahezu jeder Position spielen. Von seinem Talent und auch seinen körperlichen Voraussetzungen hätte ich ihm den Sprung in den Profifußball zugetraut.

 

Es gab aber nicht nur positive Zeiten. Was regt Sie noch heute auf?

Sturm: Mein erstes Jahr in Brakel war sehr schwierig. Da hatten wir einen kleinen Kader und oft Personalnot. Als wir dann in meinem zweiten Jahr das Entscheidungsspiel um den Landesliga-Aufstieg in Erwitte gegen den SC Münster verloren haben, habe ich mir große Sorgen gemacht. Uns haben einige Leute wie Frank Seltrecht oder André Kleine verlassen. Da fragt man sich schon, ob man das Niveau halten oder verbessern kann. Aber dann ging es zum Glück kontinuierlich bergauf.

 

Dazu haben gerade die jungen Spieler beigetragen…

Sturm: Klar. Es gibt ja immer zwei Herangehensweisen. Entweder man steckt viel Kohle rein und kauft sich fertige Spieler oder man betreibt in der Jugend einen wahnsinnigen Aufwand und etabliert den eigenen Nachwuchs. Die zweite Möglichkeit finde ich deutlich charmanter und besser.

 

Sie sprechen immer wieder die Jugend an. Wäre der Nachwuchsbereich nicht auch eine reizvolle Aufgabe? Sie haben mal von einer Aufgabe beim SC Paderborn gesprochen.

Sturm: Das habe ich mehr aus Flachs gesagt. Ich würde es mir aber zutrauen, Talente zu entwickeln. Ich habe extrem hohe Ansprüche an mich und die Truppe. Wenn das Umfeld, der Verein und die Mannschaft meinen Ansprüchen nicht genügt, dann bin ich der Falsche. Für mich gibt es aktuell im Kreis Höxter außer der Spvg. 20 Brakel keinen Verein, bei dem ich Trainer sein möchte. Diverse Anfragen habe ich auch schon abgelehnt.

 

Der Zeitaufwand und Umfang waren ausschlaggebend für Ihre Entscheidung. Was wollen Sie jetzt zur eigentlichen Trainingszeit und den Spielen am Sonntag machen?

Sturm: Da lasse ich mich mal überraschen. Ich halte mich sehr gerne im Garten auf und habe auch andere Hobbys wie Fahrradfahren oder Angeln – das kam alles in den vergangenen Jahren zu kurz. In diese Dinge kann ich dann ab Sommer mehr Zeit investieren, muss nicht immer die gleichen Strecken fahren und kann dann auch mal Samstag plus Sonntag unterwegs sein. Vielleicht gucke ich mir mal bei einem höherklassigen Verein eine Trainingseinheit an. Ich werde bestimmt auch mal nach Brakel zum Sportplatz fahren. Aber erst mal muss ein gewisser Abstand her.

 

Am Sonntag nehmen Sie als Trainer Abschied von der Mannschaft. Wird es ein emotionaler Moment?

Sturm: Das kann ich noch nicht genau sagen. Ich bin ein emotionaler Mensch, auch wenn ich es mir nicht so anmerken lasse. Die Mannschaft ist schon so ein bisschen mein Baby. Wir sind sechs Jahre lang durch dick und dünn gegangen. Es wird bestimmt ein Stückweit Leere da sein. Ich bin aber beruflich stark eingespannt und kann mich genug ablenken.

 

Was wünschen Sie dem Verein und Ihren Nachfolger Haydar Özdemir in der Zukunft?

Sturm: Der Verein feiert im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag. Für mich bleibt die Spvg. 20 Brakel das Flaggschiff im Kreis Höxter. Man kann dem anderen zukünftigen Landeslisten FC Nieheim nicht annähernd mit diesem Klub vergleichen. Ich hoffe, dass alle Ehrenamtlichen weiter über ausreichend Energie verfügen und alle gewillt sind, den Verein nach vorne zu treiben. Für Haydar wünsche ich mit, dass er weiterhin mit einem guten Kader arbeiten und trainieren kann. Er war mein Wunschtrainer, da er fußballerisch sehr viel drauf hat. Haydar ist ein Kämpfer, arbeitet sehr hartnäckig und zieht seine Pläne durch. Vielleicht kann er meine Siegesausbeute überbieten (lacht).

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