Do., 26.03.2020

Reiten: Das Wohl der Pferde steht auch während der Corona-Pandemie an erster Stelle Reitvereine arbeiten mit Notfallplänen

Die heimischen Reiterinnen und Reiter, wie die Zwillinge Sarah-Christin (links) und Theresa-Marie, müssen auch in Zeiten der Corona-Krise die tägliche Versorgung und Bewegung ihrer Pferde “Lieschen” und “Schnuffi” gewährleisten.

Die heimischen Reiterinnen und Reiter, wie die Zwillinge Sarah-Christin (links) und Theresa-Marie, müssen auch in Zeiten der Corona-Krise die tägliche Versorgung und Bewegung ihrer Pferde “Lieschen” und “Schnuffi” gewährleisten. Foto: Lena Brinkmann

Von Lena Brinkmann

Kreis Höxter (WB). Seit Mitte März sind aufgrund der Corona-Pandemie sämtliche Sportstätten, öffentliche und private, geschlossen. Seit ein paar Tagen herrscht zudem ein umfassendes Kontaktverbot. Doch wie organisieren sich nun die heimischen Reiter? Denn Pferde müssen versorgt und regelmäßig bewegt werden, um gesund zu bleiben. Das besagt das Tierschutzgesetz. Deswegen ist in den heimischen Reitvereinsanlagen und Reitställen noch Betrieb – allerdings mit besonderer Vorsicht.

Die Auswirkungen des Corona-Virus bringt auch die 22 Reitvereine im Kreis Höxter mit ihren Pferdesportlern, die zahlreichen Privatställe, Berufsreiter, Züchter und Turnierveranstalter in eine noch nie dagewesene Situation.

Nur eine Person pro Pferd zugelassen

Hals über Kopf mussten sich die heimischen Reitvereine und Privatställe organisieren. „Vom Land NRW wurde ein Leitfaden zur Sicherstellung von Pferden erstellt. Dadurch unterliegen wir deutlichen Regeln und Einschränkungen auf unserer Vereinsanlage, durch die die Betreuung der Pferde sichergestellt ist“, erklärt Heinz Kirchhoff, erster Vorsitzender des RV Nethegau Brakel, dem größten Pferdesportverein im Kreis Höxter. Allein 40 Einstaller haben ihre Pferde in der Brakeler Reithalle untergebracht. Ohne Listen geht auch hier seit Tagen nichts mehr. „Unsere Reitanlage ist für den Publikumsverkehr geschlossen. Es ist nur eine Person pro Pferd zulässig. Die Anwesenheit ist auf ein Minimum begrenzt und wir führen ein Anwesenheitsbuch. Zudem gelten Hygiene- und Abstandsregeln. Pro 200 Quadratmeter Reitfläche ist die Anzahl der Pferde in der Bahn begrenzt“, stellt Heinz Kirchhoff die wichtigsten Vorgaben kurz heraus.

Pferde brauchen die Bewegung

Der Reit- und Voltigierunterricht ist überall seit Tagen abgesagt. Doch die Reitschul- und Voltigierpferde in den Vereinen müssen trotzdem bewegt werden. „Auch hierfür haben wir ein Notfallplan erstellt. Ebenfalls, wenn ein Einstaller in Quarantäne müsste und sich nicht mehr selbst um sein Pferd kümmern kann“, sagt Heinz Kirchhoff.

Die strengen Maßnahmen hat auch Jan Schamberger, erster Vorsitzender des RV Steinheim, in der Vereinsanlage der Emmerstadt sofort ergriffen. „Wir setzen das alles eins zu eins um. Dabei möchten wir vom Vorstand unseren Einstallern und Reitern ein großes Lob aussprechen, denn Alle halten sich wirklich sehr diszipliniert an die Vorgaben, denn Alle haben Angst, dass es noch weitere Einschränkungen gibt und wir nicht mehr zu unseren Pferden können. Für den Fall einer Ausgangssperre haben wir die nötigen Berechtigungsscheine bereits vorliegen“, berichtet Andrea Mahlmann, Pferdehalterin und zweite Vorsitzende beim RV Steinheim.

Die Corona-Krise trifft insbesondere Berufsreiter wie Anncatrin Redder. Die 23-Jährige führt mit ihren Eltern ein Schul- und Ferienbetrieb in Alhausen. Foto: Lena Brinkmann

Springreiterin Lisa Mahlmann hat laut Maßnahmenkatalog zwei Stunden täglich pro Pferd Zeit, es in der Steinheimer Vereinsanlage zu versorgen. Das ist auch nötig, denn Turnierpferde sind Leistungssportler, deren Bewegung nicht eingestellt werden kann oder die einfach auf die Wiese gestellt werden können.

Separaten Eingang für Auswärtige in Steinheim

Der RV Steinheim will seine rund 30 auswärtigen Anlagennutzer, die ihre Pferde bewegen möchten, nicht ausschließen. „Die auswärtigen Reiter machen ihre Pferde draußen bereit und haben einen separaten Eingang. Natürlich ist das gute Wetter momentan günstig, sodass wir Halle und Außenplätze nutzen können“, stellt Andrea Mahlmann heraus.

„Pferdesportveranstaltungen, wie Reit- und Voltigierturniere werden in den kommenden drei Monaten wohl nicht stattfinden. Die Gesundheit geht vor“, vermutet der Brakeler Heinz Kirchhoff. So steht auch hinter dem großen Brakeler Sommerturnier mit Kreismeisterschaften im Juni ein dickes Fragezeichen.

„Pferdebesitzer unterstützen mich auch jetzt“

Das Turnierreiten ist ein großer Bestandteil der Arbeit von Berufsreiterin Anncatrin Redder aus Alhausen. „Die Turniere sind für meine Berittpferde wichtig. Aber meine Pferdebesitzer unterstützen mich auch in diesen Zeiten“, sagt Anncatrin Redder, die zusammen mit ihren Eltern einen Reitschul- und Ferienbetrieb in Alhausen führt.

Auch aus dem Schul- und Ferienbetrieb brechen für Redders jetzt die Einnahmen weg. „Unsere zahlreichen Schulpferde und Ponies werden von Reitschülern versorgt, die eigenständig ein Pferd vorbereiten, reiten und nachher versorgen können und zum Glück haben wir noch die Einstaller“, führt Anncatrin Redder weiter aus.

Das Wichtigste bleibt am Ende auch für die Reiterinnen und Reiter aus dem Kreis Höxter: Bloß nicht mit dem Corona-Virus anstecken, denn dann wird es auf den Vereinsanlagen und in den Reitställen kompliziert.

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