Interkontinental-Derby in der Türkei: Fenerbahce empfängt Galatasaray Istanbul
Koray Günter: Heiß auf die Hölle

Istanbul/Höxter (WB). Sitzschalen, Bengalos, Feuerzeuge oder Münzen fliegen auf das Spielfeld. Es ist keine normale Partie, die an diesem Sonntag in Istanbul ansteht. Es ist das »Kitalar Arasi Derbi« (Interkontinental-Derby) zwischen Fenerbahce und Galatasaray. Mit dabei ist Koray Günter aus Höxter.

Samstag, 07.03.2015, 04:02 Uhr aktualisiert: 08.03.2015, 10:38 Uhr
Im Sükrü Saracoglu Stadi treffen die beiden Istanbuler Vereine Fenerbahce und Galatasaray an diesem Sonntag aufeinander. Vor 50509 Zuschauer...
Im Sükrü Saracoglu Stadi treffen die beiden Istanbuler Vereine Fenerbahce und Galatasaray an diesem Sonntag aufeinander. Vor 50509 Zuschauer will der Höxteraner Koray Günter mit den Löwen siegen.

 Wenn der 20-Jährige das Spielfeld im Sükrü Saracoglu Stadi betritt, werden auch ihn über 50000 Menschen gnadenlos auspfeifen. Die beiden Vereine verbindet nämlich nur eins – eine innige Feindschaft. »Es ist unglaublich, was vor diesem Duell in Istanbul los ist. Man wird von allen Leuten angesprochen«, sagt der Innenverteidiger, der seit über einem Jahr beim türkischen Klub spielt. Für Günter ist es das erste Derby im asiatischen Stadtteil Kadiköy. Vielleicht sogar eins, indem er in der Startelf steht.

 Zumindest hat sein Trainer Hamza Hamzaoglu in den vergangenen Spielen auf den kräftigen Höxteraner gesetzt. Zusammen mit Aurélien Chedjou bildet er eine sichere Bank. »Ich habe von Beginn an vollstes Vertrauen in Koray Günter gehabt. Nach der Verletzung von Semih Kaya hat er seine Chancen bekommen. Er und Aurélien Chedjou sind hinten drin ein ausgeglichnes Duo«, lobt der 45-jährige Coach, der Anfang Dezember 2014 den Posten von Cesare Prandelli übernommen hat.

 Nach dem Trainerwechsel ändert sich für Günter einiges. Oft sitzt der 20-Jährige nur auf der Bank, steht manchmal überhaupt nicht im Kader und bekommt erst am 24. Januar gegen Caykur Rizespor eine Chance. Und das mit Erfolg: »Cim Bom«, wie die Fans ihre Mannschaft nennen, fährt mit Günter in sechs Spielen fünf Siege und nur ein Remis ein. »Die Einsätze haben mir sehr gut getan. Ich weiß aber auch, dass ich noch viel besser werden kann«, sagt der ehemalige Akteur von Borussia Dortmund.

 Sein Ex-Team ist ein gutes Stichwort. Denn die brisanten Derbys in Deutschland könne man nicht mit denen in der Türkei vergleichen. »Wochen vor dem Spiel darf ich Kadiköy nicht mehr besuchen. Als Spieler ist es viel zu gefährlich. Es reicht, wenn wir mit dem Bus die Brücke überqueren und Wurfgegenstände an die Fensterscheibe fliegen«, berichtet Günter.

 Denn wenn die Mannschaft mit dem Bus Asien erreicht, passieren skurrile Dinge, die man sich nicht vorstellen könne. »Bei einem anderen Auswärtsspiel ist eine Scheibe im Bus geplatzt. Zum Glück waren wir damals schon direkt vor dem Stadtion. Es ist schwer, alles in Worte zu fassen. Es ist die Hölle«, berichtet die »Kante«.

 Wenn die Fahrt endet, sind die Spieler aber noch lange nicht in Sicherheit. Selbst im Stadion, in dem nur heimische Fans Zutritt haben, werden die Kicker angegriffen – mit Gegenständen und Beschimpfungen. »Es ist so laut, dass man Schmerzen in den Ohren bekommt. Es ist der pure Hass der einem gegenüber steht«, sagt Koray Günter, der auch auf dem Platz vor Nickeligkeiten nicht geschützt ist. »Wenn es nach unseren Fans geht, sollen wir unseren Gegenspielern die Beine brechen.« Anhänger, die ihn in der Stadt sehen, betteln darum, den großen Rivalen zu besiegen. Das Spiel zwischen Fenerbahce und Galatasaray bleibe lange das große Gesprächsthema der Stadt. Jetzt kurz vor der Partie wird auch viel spekuliert. Der Höxteraner steht bei den türkischen Medien hoch im Kurs. Günter oder Kaya – diese Frage stellt sich jeder.

 »Ich bereite mich so auf das Spiel vor, als wenn ich in der Startelf stehen würde. Alles andere würde mich viel zu nervös machen«, sagt der 20-Jährige, der an Spieltagen stets den gleichen Ablauf pflegt. 1. Fast als erster Spieler beim Frühstück. 2. Eine Serie oder Fernsehen gucken. 3. Mittagessen. 4. Mittagsschlaf. 5. Eine kleine Mahlzeit (»pre-match meal«), 6. Eine kalte Dusche und 7. Ab in den Bus.

 Doch vor diesem Spiel ist eigentlich nichts normal. Auch der Verteidiger weiß: »Es ist für alle etwas Besonders«. Denn bei einem Sieg bleiben die Löwen an der Spitze. »Wenn wir Meister werden, bekommen wir den vierten Stern. Das wäre großartig für die Fans, den Verein und das Team«, sagt Koray Günter – viel Erfolg!

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