Sa., 13.07.2019

Profi Koray Günter geht in zweite Saison beim italienischen Erstligisten FC Genua »Möchte mich beweisen«

Koray Günter (links) trifft in Italien auf Topakteure. Hier gewinnt er den Zweikampf gegen den belgischen Nationalspieler Dries Mertens.

Koray Günter (links) trifft in Italien auf Topakteure. Hier gewinnt er den Zweikampf gegen den belgischen Nationalspieler Dries Mertens. Foto: Imago

Höxter (WB). »Ich würde es gerne mir und allen anderen beweisen, dass ich mich in der Bundesliga durchsetzen kann«, sagt Koray Günter. Der frühere Jugendfußballer des SV Höxter und der Spvg Brakel ist seit dem vergangenen Jahr beim italienischen Erstligisten FC Genua unter Vertrag. Zum Gespräch mit unserem Mitarbeiter René Wenzel in einem Hannoveraner Café erschien der 24-jährige Fußballprofi ganz entspannt in einer auffälligen Stoffhose der italienischen Luxus-Marke Gucci, mit neonfarbenen Sneakern und weit geschnittenem Shirt.

Herr Günter, Sie haben Ihre Frau Betty Taube am 17. November 2016 standesamtlich geheiratet. Am 8. Juni dieses Jahres folgte die freie Trauung in den Herrenhäuser Gärten in Hannover. Wie fühlen Sie sich ein paar Wochen nach diesem besonderen Tag?

Koray Günter: Es wurde alles noch mal aufgefrischt – das war ein sehr, sehr spezieller Moment. Es waren dieses Mal alle Freunde und Familienmitglieder mit dabei. Dieser Tag hat unsere Beziehung noch einmal richtig gepusht.

 

Im Anschluss ging es in die Flitterwochen auf die Seychellen und mit Freunden in die Türkei. Hätten Sie gerne noch etwas anderes unternommen?

Günter: Viel mehr als diese beiden Urlaube waren leider nicht drin. Wir hätten gerne noch etwas anderes gemacht. Meine Frau und ich sind sehr große Amerika-Fans. Doch wir haben in diesem Jahr sehr viel Zeit mit der Hochzeitsplanung verbracht.

 

Beschäftigen Sie sich jetzt mit der Familienplanung?

Günter: Wir machen uns darüber regelmäßig Gedanken. Meine Frau soll aber ihren beruflichen Höhepunkt noch ausleben – dafür hat sie sehr hart gearbeitet. Unser grober Plan sieht vor, dass wir in zwei, spätestens drei Jahren Eltern sein wollen.

Sie leben in der wunderschönen Hafenstadt Genua am Ligurischen Meer. Ihre Frau ist aus beruflichen Gründen als Model sehr viel unterwegs. Sehen Sie sich trotzdem noch oft?

Günter: Ganz so einfach ist es nicht. Betty wird immer spontan gebucht. Im schlimmsten Fall sehen wir uns nur zwei Wochen im Monat. Es kam auch schon vor, dass wir uns komplett einen Monat lang nicht gesehen haben. Aber oft ist sie nur eine Woche unterwegs und die restliche Zeit des Monats zu Hause.

 

Ihr Bruder Ferdi lebt in Hannover, Ihre Eltern halten sich oft in der Türkei auf. Wie intensiv ist der Kontakt zu Ihrer Familie?

Günter: Mit meinem Bruder telefoniere ich fast jeden Tag. Meine Eltern pendeln sehr viel zwischen Deutschland und der Türkei. In meinem ersten Jahr in Italien konnte ich meinen Bruder und meine Eltern leider nur drei-, viermal sehen. Ich versuche aber, so oft wie möglich in Deutschland zu sein.

 

Ihr Zeitaufwand als Profi-Fußballer in der Serie A ist sehr hoch. Wie laufen bei Ihnen die nächsten Wochen vor dem Liga-Start mit dem FC Genua am 24. August ab?

Günter: Wir sind vier Wochen durchgehend unterwegs, da unser Trainingsgelände aktuell renoviert und neugestaltet wird. Wir sind erst einmal in Österreich, dann in der Schweiz und zum Abschluss in Südtirol.

 

Es ist klar, dass Sie jetzt auch in Genua bleiben und keinen neuen Verein suchen. Es gab aber immer wieder Gerüchte über einen Wechsel. Der FC Schalke 04 und Hannover 96 sollen interessiert gewesen sein ...

Günter: An den Gerüchten ist manchmal etwas dran, es wird aber auch oft Quatsch geschrieben. Ich habe mich damit eher weniger beschäftigt. Wenn mein Berater oder der Verein auf mich zukommen würden, dann würde ich mir die ersten Gedanken machen.

 

Denken Sie dennoch über einen Wechsel in die Bundesliga nach?

Günter: Ich habe schon noch das Ziel, mich in Deutschland zu beweisen. Ich habe bisher nur ein kurzes Spiel mit Borussia Dortmund in der Bundesliga gemacht. Ich würde es gerne mir und allen anderen beweisen, dass ich mich hier durchsetzen kann.

 

Sie haben beim FC Genua einen Vertrag bis Ende Juni 2021. Muss man sich dann überhaupt schon Gedanken über die fußballerische Zukunft machen?

Günter: Im Fußball hast du nie Planungssicherheit. Es kann von heute auf morgen ein Angebot kommen – und dann geht es ganz schnell. Auch Verletzungen könnten einen Plan komplett über den Haufen werfen. Ein gutes oder schlechtes Jahr kann deine ganze Karriere verändern.

 

In Italien haben Sie sich nach einer schweren Zeit in der Türkei zurückgekämpft. Oft standen Sie aber ohne einen Einsatz im Kader und absolvierten nur 14 Saisonspiele. Ist das zufriedenstellend?

Günter: Es war mein erstes Jahr in Italien. Ich musste mich zunächst an die Sprache, das Land und die Kultur gewöhnen. Ich war mit meinen Leistungen sehr zufrieden, es waren aber mehr Einsätze drin. Zum Reinkommen war es insgesamt ganz gut.

 

Ihr neuer Trainer heißt Aurelio Andreazzoli. Nehmen Sie uns mit: Wie läuft es ab, wenn der Verein einen neuen Coach verpflichtet – erfahren Sie es aus der Zeitung oder ruft er Sie an?

Günter: Ich habe es noch nie erlebt, dass ein neuer Trainer jeden Spieler einzeln anruft. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe mit den Spielern und Verantwortlichen. Da werden wichtige Informationen hineingestellt. Man gibt erst ein kurzes Statement in der Gruppe ab und lernt sich dann persönlich kennen.

 

In Deutschland genießt die italienische Liga eine nicht so hohe Aufmerksamkeit. Die Blicke gehen eher in Richtung England und Spanien. Was macht die Serie A in Ihren Augen besonders?

Günter: Der italienische Fußball ist gerade für das moderne Verteidigen bekannt. In den anderen Ländern wurde früher oft mit einer Viererkette gespielt, jetzt setzen immer mehr Mannschaften auf eine Fünferkette. Das kommt so aus Italien und wird seit Jahren bis ins Detail trainiert. 90 Prozent der Vereine spielen in der Serie A mit einer Fünfer-/Dreierkette, legen einen hohen Wert aufs Verteidigen und agieren extrem ergebnisorientiert. Alles andere spielt keine so große Rolle. Da wirst du im Training auf einen Meter verschoben, alles wird analysiert und korrigiert – das habe ich so vorher noch nicht erlebt.

 

Eine positive Entwicklung war zuletzt in der türkischen Nationalmannschaft zu sehen. Können Sie sich vorstellen, für dieses Land zu spielen?

Günter: Es gab Gespräche und ich wäre auch dazu bereit gewesen. Aber es entpuppt sich als nicht ganz so einfach. Ich besitze nur den deutschen Pass und habe es damals versäumt, auch den türkischen Pass zu beantragen. Es kam dann das Gesetz, dass man sich für eine Nation entscheiden muss. Und dann habe ich mich bewusst für Deutschland entschieden.

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