FLVW will ein Meinungsbild: Vereine des Fußballkreises Höxter sprechen sich geschlossen für eine Annullierung der Saison aus
Ein klares Plädoyer für den Neustart

Kreis Höxter  (WB). Soll die Fußballsaison 2019/20 im Amateurbereich annulliert oder eventuell im September fortgesetzt werden? Jetzt sind die Fußballvereine am Zug. In den schweren Zeiten von Corona muss bereits für den Tag X und die Zeit danach geplant werden. Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen hat die Vereine nun mit vier Szenarien konfrontiert. Bis zum morgigen Dienstag soll das Meinungs- und Stimmungsbild vorliegen.

Montag, 20.04.2020, 03:10 Uhr aktualisiert: 20.04.2020, 05:02 Uhr
Spielertrainerin Tina Drewitz (vorne) bezieht für den Regionalligisten SV Bökendorf klare Stellung: „Eine Annullierung der Saison macht Sinn. Eine Fortsetzung ist in der Regionalliga aufgrund der englischen Wochen und der weiten Fahrten nur schwer möglich.“ Foto: Jürgen Drüke
Spielertrainerin Tina Drewitz (vorne) bezieht für den Regionalligisten SV Bökendorf klare Stellung: „Eine Annullierung der Saison macht Sinn. Eine Fortsetzung ist in der Regionalliga aufgrund der englischen Wochen und der weiten Fahrten nur schwer möglich.“ Foto: Jürgen Drüke

Die vier Szenarien

Erstens: Abbruch und Annullierung der Saison ohne Auf- und Absteiger. Zweitens: Abbruch der Saison. Lediglich die Hinrunde wird gewertet. Es gibt ausschließlich Aufsteiger. Drittens: Beim Abbruch wird der aktuelle Stand nach den ersten Spielen der Hinrunde gewertet. Es gibt ausschließlich Aufsteiger. Viertens: Die Saison wird, falls möglich, ab September fortgesetzt.

Rechtlich abgesichert

„Das Meinungsbild, welches wir kurzfristig einholen, soll in unsere Entscheidung einfließen“, betont FLVW-Präsident Gundolf Waschkies. Schließlich seien es die Vereine, welche mit der Umsetzung leben müssten. „Die vier Szenarien hat der Verbands-Fußballausschuss im Gesprächen mit anderen Landesverbänden und Vereinen entwickelt. Zudem sind sie rechtlich geprüft“, hebt wiederum Manfred Schnieders, Vizepräsident des Amateurfußballs hervor.

Andreas Niemann, Trainer des SV Kollerbeck, sagt: „Wir sollten mit einer neuen Saison beginnen.“

Andreas Niemann, Trainer des SV Kollerbeck, sagt: „Wir sollten mit einer neuen Saison beginnen.“ Foto: Jürgen Drüke

Herrenfußball

Andreas Niemann (Trainer des A-Ligisten SV Kollerbeck) : „Solange der Impfstoff gegen das Coronavirus nicht da ist, muss sich der Sport hinten anstellen. Jede Entscheidung, die demnächst getroffen wird, ist zumindest aus Sicht einiger Beteiligter die falsche. Die bisherige Saison sollte nicht gewertet werden. Sie hat demnach nicht stattgefunden. Wir fangen mit der neuen Spielzeit wieder von vorne an.“

Sven Schmidt (Trainer des Bezirksligisten SV Dringenberg): „Beim SV Dringenberg sind wir klar für den Abbruch der Saison. Eine Saison fortzusetzen, die quasi seit Dezember 2019 unterbrochen ist, ist kaum möglich. Zumal die ersten Spielerwechsel für die neue Spielzeit vollzogen sind. Wenn die Tabellenersten aufsteigen sollen, muss es für Aufstockungen der jeweiligen Ligen eine Reform geben. Es kann Aufsteiger, aber es sollte keine Absteiger geben.“

Frauenfußball

Tina Drewitz (Spielertrainerin des Regionalligisten SV Bökendorf): „Wenn die Saison jetzt abgebrochen würde, müsste der SV Bökendorf mit elf Punkten aus den bisherigen 16 von insgesamt 26 Spielen aus der Regionalliga absteigen. Vor zwei Wochen gab es bereits eine Telefonkonferenz mit allen Mannschaften der Liga. Dabei war der Tenor, dass es bei einem Abbruch klare Regelungen zum Auf- und Abstieg geben muss. In der Regionalliga können mindestens noch drei Mannschaften aufsteigen. Der Kreis der Abstiegskandidaten, dem wir leider angehören, ist groß. Um den Teams gerecht zu werden, hat der SV Bökendorf für eine Annullierung votiert. Sollte die Spielzeit fortgesetzt werden, werden die Vereine der Regionalliga am 30. Juni entscheiden, wann und wie das geschehen soll. Eine Verlängerung der Spielzeit wäre nur möglich, wenn englische Wochen am Stück auf dem Spielplan stehen würden. Aufgrund der weiten Fahrten, beispielsweise von Bökendorf nach Köln, müssten sich die Spielerinnen quasi über Wochen am Stück jeweils einen Tag frei nehmen.“

Philipp Müller (Trainer des Landesligisten Phönix Höxter): „Wir sind in der Landesliga, Staffel eins, Dritter und liegen bei einem Spiel weniger nur zwei Zähler hinter Spitzenreiter FC Donop/Voßheide. Sicherlich wäre eine Annullierung für uns nicht gerade schön. Allerdings gibt es zu einem Abbruch keine Alternative.“

Manuel Bohnert (Trainer des Landesligisten SV Ottbergen/Bruchhausen): „Wir sind Vierter und stehen gut da. Der SV Ottbergen/Bruchhausen ist nur für einen Abbruch der Saison, wenn es wirklich auch erst im September mit einem Neustart weitergeht.“

Uwe Lindow (Trainer des Bezirksligisten SV Kollerbeck): „Wir haben in der Bezirksliga, Staffel eins, mit dem Auf- und Abstieg nichts zu tun. Deshalb fällt uns die Entscheidung wahrscheinlich leichter. Ein Abbruch der Saison ohne Absteiger wäre richtig. Dabei könnten durchaus die Mannschaften aufsteigen, die vorne stehen. In unserer Staffel führt TuRa Löhne die Werteleiter mit weitem Abstand an und hätte den Aufstieg verdient. Eine Fortsetzung der Spielzeit im September würde größte und nicht lösbare Probleme verursachen und die Spielerinnen, die zumeist studieren oder sich in der Ausbildung befinden, sowie auch die ehrenamtlichen Kräfte in den Vereinen sehr belasten. Kurzum, es wäre nicht machbar.“

Meike Friebe (Spielertrainerin des Bezirksligisten FC Germete/Wormeln): „Die Annullierung der Saison ohne Absteiger ist der richtige Weg. Natürlich will man als Sportler eine Saison mit Ergebnissen zu Ende bringen. Das allerdings ist aus unserer Sicht nach der langen Unterbrechung und der folgenden englischen Wochen sowie der langen Fahrten nicht möglich. Den Mannschaften, welche die jeweiligen Tabellen anführen, sollte der Aufstieg ermöglicht werden. Zwangsläufig müssten Ligen aufgestockt werden.

Juniorenfußball

Gunrad Deilke (Juniorenobmann des SV Brenkhausen/Bosseborn): „Wir sollten bei Null anfangen. Deshalb kann es bei einem Neustart nur so aussehen, dass die bisherigen Tabellen und damit die Saison annulliert werden. Als Trainer der D-Junioren der JSG Heiligenberg weiß ich, dass die jungen Spieler das wegstecken. Wir sind in der bisherigen Saison sehr erfolgreich gewesen und wollen das beim Neustart fortsetzen. Bei den Kinder und Jugendlichen stehen die Weiterentwicklung und der Spaß im Vordergrund. Natürlich wollen sie nach Möglichkeit wieder schnell spielen. Die Frage ist doch jetzt überhaupt, wann es wieder losgehen kann? Wir müssen uns weiter in Geduld üben. Die Gesundheit steht an erster Stelle.“

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

 

Wann und wie soll es weitergehen? Eine Frage, die sich in Zeiten von Corona Amateur-Fußballvereine stellen. Im Kleinen wie im Großen kann dabei allerdings nicht die Antwort zur Lösung der Probleme sein. Sollte es in der Bundesliga demnächst auch Geisterspiele geben, würden diese in den untersten Spielklassen keinen Sinn machen. Denn Kreis- und Bezirksligisten sind nicht von Fernsehgeldern abhängig.

Das Fortbestehen der Kleinen hängt in Zeiten von Corona vielmehr an den klassischen Werten wie Wir-Gefühl, Fairness und Spaß. Solidarität ist dabei wichtiger denn je. Es besteht nicht die Not, dass nun auf Teufel komm raus ein Termin gefunden werden muss, um den Spielbetrieb fortzusetzen. Die Gesundheit und der Abstand haben Vorrang.

Die ehrenamtlichen Kräfte in den Vereinen sowie die Amateurfußballer müssen nun Geduld haben. Dabei bereiten sie sich gerade in einer Zeit, in welcher fast alles still zu stehen scheint, auf den Tag X vor. Gut so!

Wann und wie soll es weitergehen? Die vier Szenarien des FLVW beantworten diese Frage zumindest zart: In der vierten und letzten Möglichkeit zur Fortsetzung des Spielbetriebs wird der September ins Spiel gebracht. Es erscheint allerdings sehr unwahrscheinlich, dass dann eine Saison weitergeht, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit neun Monaten in der Pause befinden würde. Es kann deshalb nur den Neustart geben. Dieser sollte mit Aufsteigern und ohne Absteiger hingelegt werden. Das wäre für den Tag X in schlechten Zeiten eine gute Lösung.

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