Sportliche und wirtschaftliche Gründe sprechen dagegen
Phönix verzichtet auf Aufstieg

Höxter  (WB). Phönix 95 Höxter verzichtet auf den Aufstieg in die Frauenfußball-Westfalenliga. Nach dem coronabedingten und beschlossenen Saisonabbruch ist es in der Frauenfußball-Landesliga zur Härtefallregelung gekommen. Neben Herbstmeister SC Borchen hätte Phönix als Tabellendritter und Quotientenbester ebenfalls aufsteigen können. SCB und Phönix Höxter – beide Teams wollen nicht aufsteigen.

Montag, 22.06.2020, 04:05 Uhr aktualisiert: 22.06.2020, 05:01 Uhr
Phönix-Kapitän Lara Föst (links) und Renee Aarents werden mit Phönix Höxter auch in der nächsten Saison in der Landesliga spielen. Nun könnte Mariella Oebbeke (Mitte) mit dem SV Ottbergen/Bruchhausen als Viertplatzierter in die Westfalenliga aufsteigen. Foto: Jürgen Drüke
Phönix-Kapitän Lara Föst (links) und Renee Aarents werden mit Phönix Höxter auch in der nächsten Saison in der Landesliga spielen. Nun könnte Mariella Oebbeke (Mitte) mit dem SV Ottbergen/Bruchhausen als Viertplatzierter in die Westfalenliga aufsteigen. Foto: Jürgen Drüke

Die SCB-Verantwortlichen haben ihre Entscheidung bereits Mitte Juni mitgeteilt. Nun hat der Verein aus der Kreisstadt nachgezogen und offiziell verzichtet. „Wir haben uns nach einer sehr langen, aber sehr reifen Diskussion mit der gesamten Mannschaft, dem Trainerteam und dem Vorstand gegen den Aufstieg in die Westfalenliga entschieden. Der sportliche Anreiz ist da. Der Vorstand hätte uns auch mit allen Mitteln unterstützt. Allerdings haben die Argumente gegen den Aufstieg überwogen“, berichtet Lara Föst, Kapitänin und sportliche Leiterin der Damenmannschaft von Phönix.

Nach dem Stopp

Nach dem Stopp am 13. März führte der FC Donop-Voßheide die Landesliga-Tabelle mit 38 Punkten aus 16 Spielen an. Gefolgt vom Hinrundenersten SC Borchen, ebenfalls mit 16 Spielen und 36 Punkten. Dritter war Phönix Höxter mit 36 Zählern aus nur 15 Spielen. Nach dem offiziellen Beschluss des Verbandes am 8. Juni kam es somit zur Härtefallregelung. Davon profitierten der SC Borchen und Phönix.

„Das Ziel in unserem zweiten Landesligajahr war der Klassenerhalt. Dass es so gut für uns laufen würde, hätten wir nicht erwartet. Aber wir standen tatsächlich nur am dritten Spieltag einmal an der Tabellenspitze. Ob wir bei normalem Verlauf der Meisterschaft und Aufstieg geschafft hätten, wäre fraglich gewesen. Zudem fehlt uns eine zweite Mannschaft als Unterbau. Wir haben zwar eine starke Jugendabteilung. Für einige B-Juniorinnen wäre der Sprung in die Westfalenliga indes zu groß. Deshalb werden wir auch in der kommenden Saison in der Landesliga an den Start gehen und die Entwicklung unserer jungen, talentierten Mannschaft vorantreiben“, erklärt Lara Föst.

Weite Fahrten

Essenziell sind für das ranghöchste Fußballteam aus der Kreisstadt auch der finanzielle Mehraufwand in der Westfalenliga, verbunden mit den schlechten äußeren Bedingungen für den Verein. „Die weiten Auswärtsfahrten in der Westfalenliga bis nach Freudenberg oder Emsdetten müssten wir in privaten PKWs leisten. Unser Verein hat kein eigenes Vereinsgelände. Unsere Teams trainieren verstreut im gesamten Stadtgebiet. Für die Westfalenliga bräuchten wir weitere Sponsoren. Auf der Anlage des SV Höxter, wo wir trainieren und spielen, dürfen wir aber zum Beispiel keine Werbebanner aufhängen“, führt Lara Föst weiter aus. Zudem wohnen die Phönix-Spielerinnen zum Teil in Paderborn, Hildesheim, Blomberg oder Hannoversch Münden. Der zeitliche Aufwand ist mit den Trainingseinheiten unter der Woche für Hobbyfußballerinnen jetzt bereits hoch und wäre in der Westfalenliga noch um einiges höher. „Wir haben uns die Entscheidung gut überlegt und sind für die kommende Landesligasaison, wann immer diese auch starten wird, gut aufgestellt“, betont Lara Föst.

Ottbergens Chance

Herbstmeister SC Borchen mit Trainerin Sabrina Schütte nennt für den Verzicht ähnliche Gründe: „Wir haben jahrelang in der Westfalenliga gespielt. Die Mannschaft weiß um den Mehraufwand.“ Für Borchen rückt der aufstiegswillige FC Donop-Voßheide nach. Phönix hat den Verzicht am vergangenen Samstag offiziell mitgeteilt.

Bis Freitag, 26. Juni, können sich die Teams entscheiden. Der Herforder SV zog in der vergangenen Woche aus der Regionalliga zurück und will nun in der Westfalenliga neu starten. Landesliga-Staffelleiter Peter Dold will sich noch nicht äußern: „Es dürfen nach wie vor zwei Teams aus der Landesligastaffel eins in die Westfalenliga aufsteigen.“ Theoretisch könnte der SV Ottbergen/Bruchhausen als Vierter nachrücken.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Sie haben sich die Entscheidung bei Phönix Höxter nicht leicht gemacht. Der Verlockung Westfalenliga haben sie nach einer Woche des Abwägens widerstanden. Hinter dem Regionalligisten SV Bökendorf hätte sich Phönix allein an die Position zwei im heimischen Damenfußball gesetzt.

Entwicklung, Spaß und Bodenhaftung stehen bei Phönix Höxter vor dem Aufstieg, weniger Freude aufgrund des großen Aufwands in der höheren Liga und ein Verlust des eigenen Fußball-Fundaments.

Der Verein, der in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert, bleibt trotzdem auf Kurs. Die Kreisstädter(innen) haben immer die Grundtugenden des Fußballs nach vorne gestellt: Das Wir-Gefühl, die Gemeinschaft, Freude und die Entwicklung schweißen zusammen. Der Aufstieg in die Westfalenliga wäre der größte in der Vereinsgeschichte gewesen und hätte so gut zum 25. Geburtstag gepasst. Der Preis allerdings wäre zu hoch gewesen. Die Spielerinnen, von denen viele in der Woche an ihre Studienorte gebunden sind, wären an den Sonntagen auf weite Fahrten geschickt worden. Der Spaß wäre im wahrsten Wortsinn auf der Strecke geblieben. Der Verein wäre an seine wirtschaftlichen Grenzen gestoßen.

Phönix bleibt Phönix. Höxter ist und bleibt mit einem D- und B-Juniorinnenteam sowie einer Landesligamannschaft eine Hochburg im heimischen Frauenfußball. Phönix ist sich gezielt treu geblieben.

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