Freundschaftsspiele mit 30 Spielern und 100 Zuschauern sind allerdings wieder erlaubt
Zum Training sind Meinungen geteilt

Kreis Höxter  (WB). Landesregierung, Westdeutscher Fußballverband und Vereine – von Einigkeit konnte in den vergangenen Wochen kaum die Rede sein. Das Thema Trainingsauftakt im Sport und speziell im Fußball spaltet das Land und auch die heimischen Trainer. Ein Stimmungs- und Meinungsbild haben wir nach den Corona-Lockerungen der Landesregierung bei den A-Liga-Trainern eingeholt. Die Meinungen gehen auseinander. Allerdings sind seit gestern sogar wieder Freundschaftsspiele erlaubt. Unsere Umfrage zum Für und Wider der Aufnahme des Trainingsbetriebs ist vor der neuen Regelung des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV) erfolgt.

Dienstag, 23.06.2020, 01:10 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 05:02 Uhr
Ab sofort sind wieder Testspiele erlaubt: Die heimischen Fußballer, hier Niko Ridder (links) von der SG Kollerbeck/Rischenau, gehen in die Offensive Foto: Michael Risse
Ab sofort sind wieder Testspiele erlaubt: Die heimischen Fußballer, hier Niko Ridder (links) von der SG Kollerbeck/Rischenau, gehen in die Offensive Foto: Michael Risse

Gundolf Walaschewski, Präsident des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbands, hatte zuvor in Sachen Training immer wieder zur Vorsicht gemahnt.

Präsidenten-Bedenken

Gundolf Walaschewski (FLVW-Präsident): „Ich war von der weitgehenden Öffnung des Sportbetriebs völlig überrascht. Wohl niemand hat ernsthaft damit gerechnet. Was sich als spontane Botschaft ausgibt, entpuppt sich bei gründlichem Überdenken aus meiner Sicht als voreilig, unausgegoren und hoch riskant, “ kritisierte WFLV-Walaschewski in einem Interview. In der heimischen A-Liga teilen einige Trainer die Meinung des Präsidenten.

Risiko zu hoch

Andreas Niemann (Trainer SG Kollerbeck/Rischenau): „Nach den aktuellen Lockerungen und Bestimmungen betrachte ich das Risiko immer noch als zu hoch. Wer übernimmt am Ende die Verantwortung, wenn bei einem Fußballer aus meiner Mannschaft Covid-19 festgestellt werden sollte? Das kann und möchte ich nicht verantworten. Sobald feststeht, wann die Saison beginnt, werden wir wieder mit dem Training beginnen. Zudem müssten die Lockerungen noch konkreter beschrieben und die Verantwortung von den Vereinen und Trainern genommen werden“, sagt Niemann.

Frank Ziegeroski (Trainer FC Neuenheerse/Herbram): „Unsere Sportanlage in Neuenheerse ist so hergerichtet, dass wir alle Hygienevorschriften problemlos einhalten könnten. Dennoch werden wir in diesem Monat noch nicht mit dem Training starten. Bei uns stehen die Empfehlungen des Verbandes vor den Lockerungsmaßnehmen der Landesregierung. Das Risiko ist immer noch zu groß.“

Thomas Waldeier (Trainer FC Germete/Wormeln): „Die nach wie vorhandenen Auflagen, beispielsweise ist das Duschen nicht möglich, machen normale Abläufe und ein normales Mannschaftstraining noch nicht möglich. Außerdem gibt es gerade in dieser schweren Zeit wesentlich wichtigere Dinge im Leben als den Fußball. Wir haben dennoch einen internen Wettbewerb gestartet, bei dem jeder individuell trainieren kann. Dabei werden auch Preise ausgelobt. Das stachelt den Konkurrenzkampf an.“

Thorsten Diekmann (Trainer SV Brenkhausen/Bosseborn): „Wir haben uns einmal getroffen und besprochen. Am nächsten Freitag gibt es einen Pizzaabend auf Abstand. Es macht keinen Sinn ins Training einzusteigen, wenn der Saisonbeginn noch gar nicht feststeht. Zudem müssten Spieler nach dem Training ungeduscht in ihren Pkw steigen, denn Duschen im Sportheim ist nach den Übungseinheiten noch nicht erlaubt.“

Individuell

Michael Puhl (Trainer SuS Gehrden/Altenheerse): „Aufgrund der nach wie vor bestehenden Auflagen macht ein Trainingsbetrieb aktuell wenig Sinn. Bei uns werden wir das individuelle Training noch einige Zeit durchziehen. Die Spieler trainieren nach Plan.“

Rainer Knöfel (Trainer SSV Würgassen): „Der mögliche Nutzen würde dem Aufwand bei den aktuellen Bedingungen und Vorgaben nicht rechtfertigen.“

Dieter Olejak (Trainer beim Aufsteiger SG Bühne/Körbecke): „Wir haben uns nach langer Besprechung dafür entschieden, den Trainingsbetrieb vorerst ruhen zu lassen. Die Abstandsregeln sowie die Hygienevorschriften schränken zu sehr ein.“

Hustadt ohne Probleme

Dennis Hustadt (Trainer TuS Bad Driburg) : „In den nach wie vor vorhandenen Einschränkungen sehe ich keine Probleme. Ein abwechselungsreiches Training ist möglich und kann auch wieder Spaß machen. Es gibt genügend tolle Übungen für kleinere Gruppen, besonders im Bereich der Technik und Passschule. Natürlich müssen sich die Spieler erst einmal an ein Training unter veränderten Bedingungen gewöhnen. Inzwischen ist ja auch wieder das Trainingsspiel möglich. Damit ergeben sich weitere Möglichkeiten und Abwechselung.“

Andreas Struck (Trainer FC Stahle): „Wir haben bei der Stadt Höxter ein gutes sowie überzeugendes Hygienekonzept vorgelegt und sind seit drei Wochen wieder im Training. Wir trainieren parallel auf zwei Plätzen. Das gibt die Lage der beiden Sportplätze in Stahle her. Wir haben die Plätze in Zonen eingeteilt, die über Markierungen erreicht werden. Das geht und bereitet uns keine Probleme.“ Jürgen Voss (Trainer Warburger SV): „Wir haben im Vergleich zu vielen anderen Teams früh wieder mit dem Training begonnen. Hygiene und Desinfektion stehen an erster Stelle und es funktioniert.“ Auch die beiden Aufsteiger TuS Lüchtringen , SV Breden bor n sowie der TuS Vinsebeck , der SV Albaxen und die SG Scherfede/Rimbeck/W. trainieren wieder.

Testspiele wieder erlaubt

Die gute Nachrichten für die heimischen Fußballer kam gestern: Nachdem sie bereits wieder das Training aufnehmen durften, können sie ab sofort auch wieder Freundschaftsspiele austragen. „Es dürfen insgesamt 30 Spieler beteiligt und nicht mehr als 100 Zuschauer auf der Anlage sein“, sagt Reinhold Spohn, der Vorsitzende des Verbands-Fußball-Ausschusses. Der FLVW verbindet das Grüne Licht allerdings mit einem ganz klaren Hinweis: „Es darf natürlich nur dann gespielt werden, wenn ein entsprechendes Hygienekonzept erarbeitet wurde und strikt eingehalten wird. Dazu sollten sich die Vereine mit der jeweiligen Kommune absprechen.“

Fast normal

Der WFLV hat sich trotz aller Bedenken seines Präsidenten in der vergangenen Woche, wir berichteten am Donnerstag, 18. Juni, bereits neu positioniert. So hieß es in einem Schreiben an die Vereine: „Annähernd normales Training ist nach den Lockerungen für den Sport in NRW wieder möglich, wenn es die jeweilige Kommune erlaubt und die Voraussetzungen, wie zum Beispiel das Hygieneschutzkonzept, erfüllt sind.“ Das sagte Manfred Schnieders, Vizepräsident Amateurfußball des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen, zu den neuen Anpassungen der Corona-Schutzverordnung. Diese beinhalten Lockerungen für den Sport in Nordrhein-Westfalen. Demzufolge sind wieder erlaubt: Kontaktsport im Freien mit bis zu 30 Personen, Kontaktsport mit bis zu zehn Personen drinnen, sportliche Wettbewerbe mit bis zu 30 Personen im Freien unter Beachtung der Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte. Zudem muss die Rückverfolgbarkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewährleistet sein. Sportwettbewerbe im Breiten- und Freizeitsport können unter Auflagen auch in Hallen wieder stattfinden. Die neue Fassung der Coronaschutz-Verordnung gilt vorerst bis 1. Juli. Sie ist im Internet unter www.land.nrw abrufbar.

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