Höxteraner Nationalmannschaftsfans blicken begeistert auf EM-Reise 2016 zurück
„Eine unfassbare Stimmung“

Höxter (WB). Das Wort „eigentlich“ fällt in dieser Runde oft. Eigentlich wollten Markus Finger, Manuel Wenzel, Steffen Mönnekes, Christoph Altmiks und Stephan Watermeyer aktuell im Europameisterschaftsfieber sein. Eigentlich würde es zu den Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Stadion nach München gehen. Doch die Corona-Pandemie wirft ihren Plan über den Haufen.

Donnerstag, 25.06.2020, 03:30 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 05:01 Uhr
Begeistert von Paris. Das Foto vor dem Eifelturm bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 zeigt (von links): Steffen Mönnekes, Christoph Altmiks, Manuel Wenzel, Markus Finger und Stephan Watermeyer. Foto: Privat
Begeistert von Paris. Das Foto vor dem Eifelturm bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 zeigt (von links): Steffen Mönnekes, Christoph Altmiks, Manuel Wenzel, Markus Finger und Stephan Watermeyer. Foto: Privat

„Wir wollten in der Gruppenphase zu jedem Spiel mit dem Zug von Kassel aus nach München fahren. Nach einer Übernachtung wäre es wieder zurückgegangen“, erklärt Organisator Markus Finger. Die Gruppe rechnete insgeheim mit Platz zwei für die Löw-Truppe und dem damit verbundenen Achtelfinale in Dublin. Auch für ein mögliches Halbfinale in London schmiedete Finger schon einen Plan. Die Option Endspiel wäre in diesem Sommer sowieso in Frage gekommen. „Mit der ganzen Truppe“, wie Finger und Co. erklären.

Bei einer lockeren Runde in den Höxteraner „Bürgerstuben“ ist die Enttäuschung über die Absage der Europameisterschaft, die am 17. März nach mehreren Krisensitzungen des UEFA-Exekutivkomitees erfolgt war, auch jetzt noch groß. Aufgrund der aktuellen Situation sieht die Höxteraner Fantruppe aber auch keine andere Wahl. „Dann fahren wir halt nächstes Jahr“, sagt Manuel Wenzel. Die Tickets behalten ihre Gültigkeit, die Reise soll nicht anders als in diesem Jahr verlaufen. „Wir haben für die Hotels und Flüge die Rückerstattungen bereits erhalten“, erklärt Stephan Watermeyer.

Die Kumpels aus Höxter, Brenkhausen und Stahle wollen das Gefühl von der EM 2016 in Paris gerne erneut erleben. Die Gruppe beschreibt den Trip nach Frankreich vor vier Jahren als „größtes gemeinsames Erlebnis“ bisher. „Der Tag fing einfach schon geil an“, erinnert sich Christoph Altmiks an die stimmungsvolle Zugfahrt von Dortmund über Brüssel in die französische Hauptstadt.

Nordiren, Waliser, Engländer, Schweden und natürlich auch Deutsche – alle feierten gemeinsam ein großes Fest in Paris. Am 21. Juni erlebte die Truppe einen Fan-Walk zusammen mit Anhängern aus Nordirland. Es ging zum Spiel gegen die kampfstarken Grün-Weißen. Der Song „Will Grigg’s on fire“ durfte dabei nicht fehlen. „Es war einfach eine unfassbare Stimmung“, blickt Finger zurück. Auch das Spiel verlief aus deutscher Sicht mit dem 1:0-Sieg optimal. Doch nach dem Abpfiff war längst noch nicht Schluss.

Das Wetter passte, das große Musikfestival Fête de la Musique zog die Menschen auf die Straßen. Die Höxteraner feierten mit. „Am nächsten Tag wurden uns dann auch noch Karten für das Spiel Österreich gegen Island angeboten. Wir sind natürlich ins Stadion gegangen. Und die Isländer haben richtig Stimmung gemacht. Vorher und nachher“, sagt Finger, der die Leidenschaft mit seinen Kumpels so richtig intensiv seit dem FIFA-Konföderationen-Pokal 2005 teilt. Zwar ging es 2010 nicht zur Weltmeisterschaft nach Südafrika und auch 2014 nicht nach Brasilien, doch mit der deutschen Nationalmannschaft haben die Höxteraner schon so einiges erlebt.

„Es geht in erster Linie um den Fußball und die Spiele, aber auch Sightseeing und die Kultur stehen auf unserem Spielplan“, berichtet Watermeyer. Besonders spannend seien die Erfahrungen bei der WM in Russland gewesen. Dem letzten Turnier der deutschen Nationalmannschaft – bekanntlich mit einem Ausscheiden direkt nach der Gruppenphase. Frustriert ging es damals für die Truppe wieder nach Hause. Die Lust am Reisen mit dem deutschen Team ist aber geblieben. „Zuletzt waren wir Anfang September des vergangenen Jahres beim EM-Qualifikationsspiel gegen Holland “, sagt Steffen Mönnekes. Der nächste Spieltermin steht aktuell noch nicht. Unklar ist, wann und wie es für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw weitergeht.

Bei Finger und Co. ist das in puncto Reisen nicht so. Vom 3. bis 5. Juli geht es trotz EM-Absage nach München. Eine Städtetour, Biergartenbesuche und ein langer Zwischenstopp in der Kult-Kneipe „Stadion an der Schleißheimer Straße“ stehen an. Am 4. Juli ist mit dem DFB-Pokal-Finale zwischen dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen auch etwas Fußball mit angesagt. Doch so richtig packt die aktuelle Atmosphäre in den Stadien die Höxteraner nicht. „Da fehlen einfach die Emotionen“, betont Wenzel. Und Altmiks ergänzt: „Mich berührt das nicht.“

Bis zu einer kompletten Rückkehr der Fans in die Stadien dürfte es noch Monate dauern. Und so müssen auch die Höxteraner weiter auf ein Arena-Comeback warten. Träumen ist aber dennoch erlaubt. „Ich würde mal richtig gerne nach Madrid“, sagt Finger.

Und was ist mit der Weltmeisterschaft 2022 in Katar? „Das ist eine Option. Die Wege dort sind kurz. Ein paar Tage zur Vorrunde sind vielleicht machbar. Es darf nur nicht zu lange dauern“, sagt der Organisator. Denn die Familie und der Beruf müssen bei diesem Hobby mitspielen.

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