Bernd Hake (71), Günter Nitschack (71) und Adolf Hachmeyer (67) sind die Vereinsmotoren
209 Jahre treiben den FC BW Weser an

Beverungen  (WB). Ein Trio steht für mehr als Erfahrung: Bernd Hake (71), Günter Nitschack (71) und Adolf Hachmeyer (67). Gemeinsam bringen es die drei gestandenen Vorstandsmitglieder auf 209 Jahre. Beim FC BW Weser sind sie stolz auf ihre Rentner. Das gemeinsame Motto der drei Herren lautet: „Grenzenlose Leidenschaft.“ Die Treue zum Verein hat allerdings altersbedingte Grenzen.

Freitag, 17.07.2020, 21:10 Uhr
Daumen hoch: Günter Nitschack (von links), Bernd Hake und Adolf Hachmeyer leisten seit Jahrzehnten Vorstandsarbeit. Foto: Jürgen Drüke
Daumen hoch: Günter Nitschack (von links), Bernd Hake und Adolf Hachmeyer leisten seit Jahrzehnten Vorstandsarbeit. Foto: Jürgen Drüke

„In guten wie in schlechten Zeiten stehen wir zum FC BW Weser“, stellt Bernd Hake heraus. Mit großem Engagement wirkt der rüstige Rentner im FC-Vorstand. „Wenn es nur das Amt des Ressortleiters für das Ehrenamt und die Mitgliederpflege wäre. Es geht weit über meinen Posten hinaus“, sagt der ehemalige Steuerfahnder. Antragsteller für den Verein, so wie beim Programm “Meine moderne Sportstätte“, Redakteur der Stadionzeitung oder Handwerker bei der aktuellen Sanierung einer Wohnung im Vereinsheim des FC BW Weser in Lauenförde – der Sportsmann ist da, wo und wenn er gebraucht wird. Hake wurde der Verein in die Wiege gelegt – sein Vater Bernd war von 1954 bis 1984 Vorsitzender des ehemaligen VfB Beverungen. „Mit zwei Jahren kannte ich bereits alle Sportplätze des Kreises Höxter“, schmunzelt der Abwehrspieler, der nach wie vor in der Ü60-Kreisauswahl aktiv ist. Seine aktive Laufbahn als Spieler begann am 13. August 1959. „Als Verteidiger war der Ur-Beverunger immer ganz nah an seinem Gegenspielern dran. Schiedsrichter, Mitglied im Kreis-Schiedsrichterausschuss oder Schiri-Beobachter – Hake sorgte dafür, dass es auf den Plätzen fair zuging. Vorstandsarbeit beim VfB und danach beim FC Weser sind seine Visitenkarte.

1964 gestartet

Günter Nitschack ist dem ehemaligen SC Lauenförde 1964 beigetreten. „Ich bin habe erst in der A-Jugend angefangen. Hier habe ich mich als Torwart bewährt. Erste und zweite Mannschaft schlossen sich an. 1982 ist der ehemalige Kaufmann mit den Altherren des SCL Kreispokalsieger geworden. „Die Feier danach war phänomenal.“ Als Schiedsrichter hat es Nitschack bis zur Landesliga gebracht. Seit 1977 ist er im Vorstand des SCL und seit 1979 für die schwarzen Zahlen beim ehemaligen SC Lauenförde und nun beim FC BW Weser als Ressortleiter Finanzen zuständig. „Eigentlich wollte ich 2009 Schluss machen. Die Fusion mit dem VfB Beverungen war in Planung.  Ich habe weitergemacht“, sagt der 71-Jährige und hat dem aktuellen Vorsitzenden Matthias Bergmann bereits das Versprechen gegeben, sich bei der Jahreshauptversammlung zu Beginn des kommenden Jahres erneut zur Wahl zu stellen. „Dann ist aber garantiert endgültig Schluss“, betont Nitschack, der sich neben seinem Amt als Kassierer aktuell um die Platzpflege in Lauenförde und im Beverstadion in Beverungen kümmert. Zudem renoviert und saniert der ehemalige Schiedsrichter die Wohnung im Vereinsheim in Lauenförde. „Hier zieht meine Tochter ein. Die Zimmer sind nun hochmodern“, stellt der Sportsmann heraus.

Mit 68 Junior

Adolf Hachmeyer (junior) ist der Dritte im Bunde. „Der Anhang junior ist mit inzwischen 67 Jahren schon etwas gewöhnungsbedürftig. Doch mein Vater hieß ebenfalls Adolf. Als ich 1971 in den Vorstand des VfB Beverungen gewählt wurde, war ich gerade einmal 19 Jahre und eben noch ein Jungspund. Verwechselungen sollten vermieden werden. So war mir der junior hinter Hachmeyer sicher.“ Der ehemalige Finanzbeamte ist als Geschäftsführer eingestiegen und hat dieses Amt auch im neuen Verein FC BW Weser inne. Hachmeyer ist Ressortleiter des Spielbetriebs und der Verwaltung. „Ein intensiver Posten. Trotzdem, die Tätigkeit macht Spaß und liegt mir.“ Allerdings sei nun das Ende der Vorstandsära langsam in Sicht: „Mit 70 Jahren werde ich diesen Posten nicht mehr ausüben. Die Jüngeren müssen endlich ran“, weiß der Mann mit dem guten Zahlen- und Jahres-Gedächtnis, dass fast alle Vereine Nachwuchssorgen plagen. „Die Jüngeren reißen sich leider nicht um die Ehrenämter. Hoffentlich sorgt auch Corona für ein Umdenken. Das Vereinsleben und die ehrenamtliche Tätigkeit stützen das gesellschaftliche Leben.“ Das Wir-Gefühl und das Miteinander hätten auch den VfB Beverungen und nun den FC stark gemacht. So seien auch Krisen gemeistert worden.

Fusions-Befürworter

Hake, Nitschack und Hachmeyer waren Befürworter des Zusammenschlusses 2013: „Die Fusion zwischen dem VfB Beverungen und dem SC Lauenförde war die richtige Entscheidung“, betonen die Drei unisono. Die demografische und sportliche Entwicklung haben dafür gesprochen“, so Hake. In der vergangenen Saison sei der Klassenerhalt wahrscheinlich nur geschafft worden, weil es den Saisonabbruch wegen Corona gegeben habe. Auch die nächste Spielzeit wird für uns schwierig“, schauen die Fachmänner voraus.

Wir-Gefühl

Doch viel wichtiger sei das Miteinander im Verein. Gern erinnern sich die drei Männer an die beiden Kreispokalfinals der FC-Seniorenkicker: „Das waren absolute Höhepunkte. Gegen die Spvg Brakel haben wir knapp verloren und gegen den SV Dringenberg gewonnen.“ Die Endspiele würden wie einst das Freundschaftsspiel Anfang der 80er Jahre gegen den damaligen Bundesligisten Eintracht Braunschweig oder die Kreispokalerfolge den Altherren des SC Lauenförde und des VfB Beverungen unvergessen bleiben.

In allen Zeiten

„In guten wie in schlechten Zeiten.“ Ohne unsere Ehefrauen hätten wir uns nicht über Jahrzehnte einbringen können“, stellt Bernd Hake heraus und spricht für seine beiden Mitstreiter. Bernd und Christa Hake, Günter und Edeltraud Nitschack sowie Adolf und Doris Hachmeyer leben grenzenlose Leidenschaft. So wie es auch das Motto des FC BW Weser ist. Die Niedersachsen aus Lauenförde und die Westfalen aus Beverungen haben Grenzen überwunden. „Nur altersbedingt sind uns Grenzen gesetzt“, bedauern die drei Rentner.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Drei Männer zeigen seit Jahrzehnten Flagge und halten ihren Verein auf Kurs. Hut ab vor Bernd Hake, Adolf Hachmeyer und Günter Nitschack. Ihr unermüdlicher Einsatz ist mehr wert als 1000 Siege. Respekt! Die Rentner-Band hat gehörigen Anteil daran, dass der FC BW Weser (über)lebt.

Ehrenamt und Treue. Beide Begriffe gehören zusammen und stehen für den Sport und seine Vereine. Es darf allerdings nicht zur Tradition werden, dass die Alten die Kohlen aus dem Feuer holen und die Jungen sich vom Acker machen. Es reicht nicht, an den Spieltagen das Trikot überzustreifen. Tatkraft im Vorstand ist gefragt und gefordert. Nur so haben die Vereine und der heimische Fußball noch eine Zukunft.

Die Jungen sind am Zug, denn die Alten werden zwangsläufig weniger. Die drei Rentner des FC BW Weser sind Vorbilder. Trotzdem halten sie jungen Menschen und überalterten Vorständen den Spiegel vor.

 

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