Mo., 24.12.2018

E-Sport: Verband sieht enormes Potenzial – Neue Mitglieder können gewonnen werden Eine Chance für die Vereine

Er hat den Controller fest in der Hand: Lukas Wannemacher (16) lenkt mit dem kleinen Gerät beim Fußball in Fifa 19 an der Play-Station seine Akteure auf dem Bildschirm. Der Helmerner betreibt seit einigen Jahren E-Sport hobbymäßig.

Er hat den Controller fest in der Hand: Lukas Wannemacher (16) lenkt mit dem kleinen Gerät beim Fußball in Fifa 19 an der Play-Station seine Akteure auf dem Bildschirm. Der Helmerner betreibt seit einigen Jahren E-Sport hobbymäßig. Foto: Manuel Gockeln

Von Günter Sarrazin   und Manuel Gockeln

Kreis Höxter (WB). »E-Sport betreibe ich seit mehreren Jahren hobbymäßig. Es ist neben dem Fußball im Verein fester Bestandteil des Alltags geworden«, sagt Luca Schwanitz (17) aus Willebadessen. Das Spielen des Fußball-Simulations-Videospieles am Computer oder an einer Konsole könnte auch für die Sportvereine im Kreis Höxter eine Chance sein, sich breiter aufzustellen. Und vielleicht sogar neue Mitglieder zu gewinnen.

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) jedenfalls sieht im E-Football enormes Entwicklungspotenzial für seine Mitgliedsvereine. Als einer von drei Pilotverbänden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) rückt er dieses Thema in den Fokus. 2019 wird erstmals der E-Football-Westfalenpokal ausgespielt.

»Während der vergangenen Beiratssitzung ist uns das Thema erstmals vorgestellt worden«, berichtet der Jugendobmann des Sportkreises Höxter, Horst Sünderman n . »Ich kenne Fifa 19, weil meine längst erwachsenen Söhne es seit einigen Jahren spielen. Mich haben sie nicht mitspielen lassen. Ich interessiere mich aber auch nicht so sehr für Computerspiele«, ergänzt der 57-jährige Höxteraner. Darauf angesprochen, ob man E-Sport auch im Kreis umsetzen könne, hält er sich zurück. »Zunächst einmal möchte ich die Erfahrungen aus den ersten E-Football-Turnieren des FLVW abwarten. Im Februar werden wir Kreisjugendobleute in Kaiser­au informiert, wie es gelaufen ist. Danach würde ich das Thema den hiesigen Vereinen vorstellen, damit man gemeinsam eine mögliche Lösung für unseren Kreis findet«, führt Sündermann aus.

Eines der Turniere steigt am 13. Januar beim Salzkottener Vorortverein SC RW Verne. »Wir haben das Glück, dass mit Manfred Schnieders der Vizepräsident des FLVW ein Verner ist«, erklärt SC-Vorsitzender Wolfgang Spenner. Bei den Rot-Weißen gibt es eine Gruppe von zehn, zwölf Jugendlichen, die an spielfreien Wochenenden bereits interne E-Footballturniere veranstaltet haben. So etwas könnte sich der Willebadessener Pascal Knoke auch für die A-Jugend der JSG Willebadessen/Peckelsheim vorstellen, deren Betreuer er seit 2017 ist. »Wenn wir für unsere Teams im TuS ein solches Turnier veranstalten würden, wäre ich auf jeden Fall dabei«, sagt der 22-Jährige, der als Torjäger des Fußball-Bezirksligisten Peckelsheim/Eissen/Löwen bekannt ist, und seit einigen Jahren hin und wieder E-Sport spielt.

Thorsten Kraut , erfolgreicher Juniorentrainer der SpVg. Brakel, ist einen Schritt weiter. Der 41-jährige Warburger hat schon solche Abende mit seinen Teams organisiert. »Man geht mit der Zeit. Statt Brettspielen wie früher finde ich Fifa als Gemeinschaftsaktion mit der Mannschaft ganz gut. Es ist ein Spiel, das auch den Zusammenhalt stärken kann«, sagt er. »Wenn wir Ende dieses Jahres mit der C-Jugend wieder am Hallenturnier in Bautzen teilnehmen, werden wir wieder einen solchen Spielabend absolvieren«, blickt er voraus. Nicht sein Fall sei es, Fifa online gegen einen entfernten Gegner zu spielen. »Dann sollten wir lieber ein gepflegtes Eins-gegen-Eins auf dem Fußballplatz machen«, so Kraut, der auch darauf hinweist, dass Kinder und Jugendliche zum Teil zu viel am Computer spielen und nicht mehr so fit und beweglich sind.

»Online gegen andere Spieler FIFA 19 zu spielen, macht am meisten Spaß«, sagt hingegen Alex­ander Roth (17) aus Helmern, der ebenso wie seine Willebadessener Teamkollegen Luca Schwanitz und Marco Kiens (18) begeistert von diesem Hobby ist. Dabei gehe es auch um ein hohes Maß an Koordination sowie strategischem und taktischem Verständnis, stellt Roth heraus.

»Von unseren Fußballern im FC Westheim/Oesdorf weiß ich, dass sie gerne Fifa spielen. Ich selbst halte es eher mit Uli Hoeneß, dem Präsidenten meines Lieblingsvereins FC Bayern München, der sich deutlich gegen eine E-Sportabteilung ausgesprochen hat«, sagt der Geschäftsführer des FC Westheim/Oesdorf und des TuS Westheim, Dr. Oliver Seewald (45). »Wir haben im TuS vier Abteilungen, über eine E-Sportgruppe haben wir noch nie nachgedacht«, ergänzt er auf Nachfrage. Damit spricht er für die allermeisten Vereine im Sportkreis Höxter.

Uli Hoeneß ist auf das Thema angesprochen worden, weil andere Fußball-Bundesligisten E-Sportabteilungen gebildet haben und in der virtuellen Bundesliga mitspielen. Auch Weltmeisterschaften gibt es. »Wurde früher nur im heimischen Wohnzimmer gezockt, spielen mittlerweile Millionen Menschen weltweit um Titel. Die wichtigsten Turniere füllen große Arenen und werden immer höher dotiert«, schreibt der FLVW. Die Digitalisierung nehme in allen Bereichen des Lebens eine immer größere Rolle ein. Dazu zähle auch der Sport. »Für viele Jugendliche und Erwachsene ist E-Sport mehr als ein einfaches Freizeitvergnügen. Dabei darf es nicht als Konkurrenz zum normalen Sportangebot betrachtet werden, sondern vielmehr als Ergänzung, um Jugendliche ins Vereinsleben einzubinden«, heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

Müssten sich Luca Schwanitz, Alexander Roth und Marco Kiens zwischen Fußball an der Konsole und Fußball im Verein entscheiden, würden sie den Vereinssport bevorzugen. »Die Emotionen an der Play-Station sind einfach nicht genauso wie beim Fußball im echten Leben«, findet Schwanitz. Vor allem in der langen Winterpause bis zum März könnte E-Sport aber eine Möglichkeit sein, sich mit der Mannschaft zu treffen und beim gemeinsamen Spiel den Teamgeist zu stärken. Es ist eine Chance für die Vereine.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6277324?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2198415%2F2514662%2F