Elternhaus des Führungsduos Tobias und Marius Röhl ist Zentrale des Traditionsvereins
Am Küchentisch sind sie gemeinsam kreativ

Eissen (WB). Der Dienstweg an der Spitze eines Sportvereins könnte nicht kürzer sein. Beim SV Germania Eissen lenken zwei Brüder die Geschicke. „Kleine Angelegenheiten besprechen wir nicht selten beim Mittagessen am Küchentisch unseres Elternhauses“, sagt Tobias Röhl. „Hier diskutieren wir bei Schnitzel und HR4-Musik im Hintergrund über anstehende Ereignisse oder planen kommende Aktivitäten, bevor wir damit vor den restlichen Vorstand treten“, ergänzt Marius Röhl. Sind sind erster Vorsitzender und zweiter Vorsitzender des Traditionsvereins.

Freitag, 10.04.2020, 03:30 Uhr aktualisiert: 12.04.2020, 09:32 Uhr
Der Küchentisch ihres Elternhauses ist die Vereinszentrale: Die Brüder Tobias (links) und Marius Röhl führen den SV Germania Eissen als Vorsitzender und zweiter Vorsitzender. Foto:
Der Küchentisch ihres Elternhauses ist die Vereinszentrale: Die Brüder Tobias (links) und Marius Röhl führen den SV Germania Eissen als Vorsitzender und zweiter Vorsitzender.

Zwei Brüder an der Vereinsspitze – das ist eine Besonderheit. „Das gab es sicher noch nie in der nun 100-jährigen Vereinsgeschichte“, sagt Tobias Röhl mit einem Lächeln. Mal sei die Zusammenarbeit harmonisch, mal seien sie sich auch nicht einig. „Und dann sind wir wieder gemeinsam kreativ“, beschreibt der 29-Jährige, der ein Senkrechtstarter in Sachen Sportfunktionär ist. Bei seiner ersten Wahl ins Führungsteam wurde er gleich Vereinschef. „Ich glaube, dass ich mir zu der Zeit keine großen Gedanken dazu gemacht habe“, blickt er auf den Januar 2016 zurück. Der jüngere Bruder Marius Röhl (25) hatte da immerhin schon vier Jahre Vorstandserfahrung, war drei Jahre Beisitzer und dann 2015 im Alter von 19 Jahren zweiter Vorsitzender geworden.

Nach vier Jahren als Chefs der Grün-Weißen würden Tobias und Marius Röhl keinem Brüderpaar davon abraten, einen Verein zu führen. Wobei es für die anderen Vorstandsmitglieder nicht immer leicht sei, ihnen bei manchen Themen folgen zu können. „Weil wir uns vorab schon häufig zuhause intensiv damit auseinandergesetzt haben“, sagen sie mit Blick auf die Vereinszentrale im Elternhaus.

Die Brüder sind seit Kindheitstagen Mitglieder des SV Germania Eissen, haben im Fußball angefangen und spielen heute in der Volleyball- und der Dart-Abteilung. „Wir ergänzen uns gut und versuchen, uns auch gegenseitig die Arbeit zu erleichtern“, berichtet Tobias Röhl, dass er und sein Bruder grundsätzlich auf einer Wellenlänge liegen, aber natürlich auch mal nicht einer Meinung sind. „Die häusliche Nähe ist hier Fluch und Segen zugleich. So ist man bei Meinungsverschiedenheiten quasi gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen“, beschreibt Marius Röhl anschaulich. Bei den unterschiedlichen Vorstellungen handele es sich aber meist nur um Details, so dass sie immer schnell ein Kompromiss finden würden.

Mit Spaß und Ernst

„Definitiv einig sind wir uns darin, dass der Spaß im Vordergrund steht, und dass dieser für eine erfolgreiche Vereinsarbeit mit der notwendigen Ernsthaftigkeit gepaart werden soll“, stellen die Röhl-Brüder heraus. Dabei haben sie ihre Aufgabenbereiche so aufgeteilt, dass jeder seine Stärken ausspielen kann. „Die klassische Rollenverteilung des ersten Vorsitzenden und seines Stellvertreters greift bei uns nicht“, erklären sie.

Wie eine Familie – so stehe ihnen der gesamte Vorstand von Anfang an zur Seite. „Jeder hilft jedem. Jeder steht jedem zur Seite“, betont Tobias Röhl. Ihr Glück sei es, dass sie auf die Erfahrung der ehemaligen Vorsitzenden und früherer Vorstandsmitglieder bauen können. Namentlich nennt er den ehemaligen Schatzmeister Dominic Wink, der sie oft auf den Boden der Tatsachen geholt habe.

„Mit Geschäftsführer Dominic Wiemers, der seit dem Januar 2018 im Amt ist, und Schatzmeister Helge Deren­thal, der in diesem Januar gewählt wurde, bilden wir ein lebendiges Team“, sagt Marius Röhl. Die Zusammenarbeit sei auch daher einfach, weil sie auch abseits des Vereins alle gut befreundet sind.

Nach vier Jahren als Führungsduo können Tobias und Marius Röhl eine positive Bilanz ziehen. In den ersten Monaten ihrer gemeinsamen Amtszeit sei die Zahl der tatenwilligen Mitglieder enorm gestiegen, berichten sie von einer aktuell große Mannschaft an Vorstandsmitgliedern, Übungsleitern und „Malochern“, wie sie die Helfer im Hintergrund liebevoll nennen. „In diesem großen Kreis sind wir nur ein Teil des Ganzen“, zeigen sie sich bescheiden und zugleich erfreut, mit so einem motivierten Team zusammenarbeiten zu können. „Aktuell haben wir um die 290 Mitglieder – Tendenz steigend. Damit sind wir nach dem Schützenverein der zweitgrößte Verein im Ort“, so die Röhls.

Stolz auf Platzumbau

Stolz können sie mit allen Mitgliedern auf das größte Projekt ihrer bisherigen Amtszeit blicken – den im Vorjahr erfolgten Umbau der Hibbekekampfbahn vom Aschen- zum Rasenplatz. Um zukünftig auch in Eissen Fußball mit dem FC Peckelsheim/Eissen/Löwen anbieten zu können, sei es eine leichte Entscheidung gewesen. „Anfänglicher Wehmut zum Verlust des altbekannten Aschenplatzes wandelte sich schnell in Vorfreude auf einen guten Rasenplatz“, berichten sie, dass die Ideen und Anliegen des SV Germania Eissen von den Planern im Vorfeld erfragt wurden und überwiegend berücksichtigt worden sind. „Den Löwenanteil des Projekts übernahm die Stadt als Auftraggeber. Die Kommunikation mit der Verwaltung funktionierte äußerst zufriedenstellend und wir freuen uns über unseren neuen Sportplatz“, betont Tobias Röhl.

Die Einweihung der neuen Hibbekekampfbahn soll im Spätsommer erfolgen. Es wäre ein Höhepunkt des 100-jährigen Vereinsbestehens, das Ende August, Anfang September ansteht. „Wir hoffen auf eine Entspannung der Lage im gesellschaftlichen Leben und im Sport“, sagt Marius Röhl mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie.

Auch wenn der Sportbetrieb derzeit ruht, gehen die Planungen weiter. Mit Blick auf die Zukunft des Vereins sind sich Tobias und Marius Röhl einig. „Es geht uns um die Bildung nachhaltiger Strukturen und um die Erweiterung und Pflege eines adäquaten Sportangebotes. Hier wollen wir uns speziell im Bereich der Jugendarbeit verbessern und das Dorfleben noch attraktiver machen“, nennen sie Ziele.

Manche Idee werden sie dabei am Küchentisch ihres Elternhauses besprechen. „Bei Schnitzel und HR4-Musik“, lächeln die Röhls.

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