Lütgenederer Stefan Reddemann stellt starken Zusammenhalt heraus
„Wir hatten eine Wahnsinnstruppe“

Lütgeneder (WB). „Sportliche Höhepunkte gab es in meinem Leben tatsächlich einige, bei denen ich ins Träumen gerate oder auch schmunzeln muss, wenn sie mir wieder ins Gedächtnis kommen“, sagt Stefan Reddemann. Der 40-Jährige stellt aber drei ganz besondere Momente in den Vordergrund: Den Aufstieg des SV Grün-Weiß Lütgeneder in die Fußball-Kreisliga A in der Spielzeit 2006/2007, den Wiederaufstieg des SC Paderborn in die 1. Bundesliga im vergangenen Jahr und seinen Beachvolleyballtitel, errungen 2011 in Afghanistan.

Freitag, 19.06.2020, 03:30 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 05:00 Uhr
In der Benteler-Arena hat sonst Stefan Reddemann das Mikrofon in der Hand und moderiert dort für die sehbehinderten Fans. Für dieses Foto durfte Lebensgefährtin Julia Wertz den Job einmal mimen. Foto: Privat
In der Benteler-Arena hat sonst Stefan Reddemann das Mikrofon in der Hand und moderiert dort für die sehbehinderten Fans. Für dieses Foto durfte Lebensgefährtin Julia Wertz den Job einmal mimen. Foto: Privat

In Afghanistan war Stefan Reddemann in Kundus mit der Bundeswehr im Auslandseinsatz. Das war ein Lebensabschnitt an den sich der ehemalige Soldat nicht gern erinnert. „Aber die ausgetragenen Lagerturniere schafften dort etwas Normalität“, blickt er zurück. Wenn es die Bedrohungslage erlaubte, lenkten sich die Soldaten mit Kicker- oder Beachvolleyball-Turnieren ab. Mehr als zehn Teams aus den verschiedenen im Lager stationierten Kompanien nahmen teil. Das Beachvolleyball-Turnier ging über zwei Tage. „Es war sehr heiß und staubtrocken“, weiß Reddemann noch als wäre es gestern gewesen.

Seinen Teamkollegen kannte er schon von seiner Grundausbildung in Straubing. „2003 war Florian mein Ausbilder, 2011 waren wir gemeinsam im Einsatz und haben dann noch das Turnier gewonnen. Das war schon witzig“, sagt der SCP- und BVB-Fan aus Lütgen­eder. Zum Erfolg trug sicher bei, dass sein Kamerad im Verein Volleyball spielte und daher natürlich ein starker Partner war. Aber auch Stefan Reddemann hatte in seiner Freizeit schon öfter den Fußball gegen den Volleyball getauscht. Mit seiner Technik konnte er ihn ganz gut über das Netz bugsieren. Auch seine Größe war von Vorteil.

„Mein persönlicher sportlicher Höhepunkt aber war der Aufstieg mit der ersten Mannschaft des SV Grün-Weiß Lütgeneder von der Warburger Kreisliga B in die A-Liga“, erinnert sich der Wahl-Paderborner gern an die Saison 2006/2007 zurück, in der das Team aus dem 400-Einwohnerdorf einen tollen Erfolg feierte. Trainer Rainer Breker war seit 2001 im Amt und führte diese „Wahnsinnstruppe“, wie es Stefan Reddemann ausdrückt, in das damalige Warburger Oberhaus. Dabei ging das letzte Saisonspiel auf heimischem Rasen 0:3 verloren. Tabellenführer war der SV Borussia Hohenwepel und diesen hatten die zweitplatzierten Grün-Weißen zu Gast. Das Hinspiel hatten die Borussen bereits mit 5:1 für sich entschieden. Die einzige Niederlage der Lütgen­ederer bis dahin. Zwar verkauften sich die Hausherren im Rückspiel gut, doch zur Pause lagen sie bereits 0:2 zurück, die 0:3-Niederlage konnten sie nicht abwehren. „Nach dem Schlusspfiff habe ich auch ein paar Tränen verdrückt, doch dann war die Freude über Platz zwei und den Aufstieg einfach nur noch riesengroß“, berichtet der damalige Torjäger.

Der Zusammenhalt war so gut, dass sich die Mannschaft heute noch trifft, um etwas gemeinsam zu unternehmen. „Viele sind nicht mehr in der alten Heimat, daher sind diese Treffen auch etwas ganz besonderes“, stellt Stefan Reddemann heraus. Nach einem Jahr A-Liga-Luft ging es für die Mannschaft zurück in die B-Liga. Reddemann war noch bis 2015 für seinen Heimatverein aktiv und bleibt ihm als Mitglied verbunden.

Um Fußball geht es für den Verwaltungsbeamten auch bei seiner aktuellen Freizeitbeschäftigung. Er ist ehrenamtlicher Moderator für sehbehinderte Fans des SC Paderborn 07. Diese Arbeit führt ihn bei den Heimspielen in die Benteler-Arena. Mit drei Kollegen aus Paderborn, Scharmede und Schloß Neuhaus macht er den Job seit 2016. „Wir vier Moderatoren bekommen viel Lob, Dank und positives Feedback von den Sehbehinderten. Das ist natürlich ein tolles Gefühl“, berichtet Stefan Reddemann. Er ist auf der Tribüne dicht dran an den Profis und fiebert auch als Fan des SCP mit.

Als dieser am packenden letzten Spieltag der Saison 2018/2019 trotz einer 1:3-Niederlage in Dresden als Tabellenzweiter hinter dem 1. FC Köln den Aufstieg in die 1. Liga schaffte, war Stefan Reddemann einfach glücklich. Den Wiederaufstieg feierten etwa 10.000 Fans vor dem Rathaus in der Paderborner Innenstadt. Sein Ehrenamt als Rettungssanitäter brachte Reddemann mitten ins Geschehen. Er war mit einem Kollegen auf dem Rettungswagen eingeteilt. Dienstlich blieb es ruhig, aber so dicht an der Tribüne ging für ihn schon die Post ab. „So nah dran zu sein und sogar mit einigen Spielern sprechen zu können – das war unbeschreiblich“, sagt Stefan Reddemann. Auch wenn es für den SCP nun wieder zurück in die 2. Liga geht, wird er sich auch in vielen Jahren noch gerne an den Aufstieg seines Lieblingsvereins erinnern. Ebenso wie an den Beachvolleyball-Erfolg in Afghanistan und den A-Liga-Aufstieg mit dem kleinen SV GW Lütgeneder.

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