Seit 35 Jahren Trainer beim ESV Warburg: Corona zwingt Schmidt zur längsten Pause
„Hoffe auf Start nach Sommerferien“

Warburg (WB). Michael Schmidt steht allein in der 180 Quadratmeter großen Sporthalle des ESV Warburg. Ein Mattenwagen neben sich, eine Desinfektionsflasche in der Hand. Wo sich sonst montags bis zu 24 Kinder im Training tummeln, herrscht Leere. Der Judomeister kann seine Schützlinge trotz Lockerungen der Corona-Schutzverordnungen im Sport nicht zum Training bitten.

Samstag, 20.06.2020, 03:31 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 05:01 Uhr
Mit einer Desinfektionsflasche in der Hand und einem Teil der Judomatten, die montags und freitags beim Training ausgelegt werden, steht Warburgs Mister Judo Michael Schmidt in der Sporthalle des ESV. „Insgesamt sind es 150 Matten, jede acht bis zehn Kilogramm schwer. Sie müssten nach jeder Gruppe desinfiziert werden“, erklärt er. Foto: Günter Sarrazin
Mit einer Desinfektionsflasche in der Hand und einem Teil der Judomatten, die montags und freitags beim Training ausgelegt werden, steht Warburgs Mister Judo Michael Schmidt in der Sporthalle des ESV. „Insgesamt sind es 150 Matten, jede acht bis zehn Kilogramm schwer. Sie müssten nach jeder Gruppe desinfiziert werden“, erklärt er. Foto: Günter Sarrazin

„Das ist theoretisch und praktisch nicht möglich“, sagt der 54-jährige Familienvater. Zwar dürften nun laut der Regelung der NRW-Landesregierung unter Beachtung von Hygiene- und Infektionsschutzkonzepten vorerst bis zum 1. Juli bis zu zehn Personen in Sporthallen trainieren, wenn die jeweiligen Kommunen zustimmen. Doch finge es im engen Eingangsbereich und in den kleinen Umkleidekabinen der Sporthalle des Eisenbahnersportvereins schon beim Thema Abstand halten mit den Gründen an, die gegen eine Wiederaufnahme des Kindertrainings sprechen. So gerne er es wieder anbieten würde.

„Die Kinder kommen, um Spaß am Sport zu haben. Sie wollen ihre Kräfte messen und dabei auch Fang- und Partnerspiele machen“, sagt der Träger des 5. Dan und Judomeister. Judo – das ist Kontakt pur. „Vollkontakt, nicht Abstand“, unterstreicht Schmidt, der auch mit Hinweis auf die Empfehlungen des Nordrhein-Westfälischen Judoverbandes aufzeigt, warum eine Wiederaufnahme des Trainings unter den derzeitigen Bedingungen für einen Verein wie den ESV Warburg nicht zu stemmen sei.

„Die Sportflächen sind nach jeder Trainingsgruppe zu reinigen“, zitiert er aus dem Schreiben. Die Sportflächen – das sind nicht Gymnastikmatten, wie sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der wieder stattfindenden Fitness- und Gymnastikgruppen des Vereins von zu Hause mitbringen. Es sind ein Quadratmeter große Matten, jede von ihnen acht bis zehn Kilogramm schwer. Sie werden für das Judotraining mit seinen Würfen und Fallübungen auf dem Hallenboden ausgelegt. Und zwar 150 Stück an der Zahl.

Die Regelung zur Reinigung hieße konkret: Nach dem Training der jüngsten Warburger Judoka im Alter von sechs bis elf Jahren sowie vor und nach dem anschließenden Training der Jugendlichen und Erwachsenen müssten die 150 Matten, auf denen die Sportler barfuß trainieren, desinfiziert werden. „Da wäre man schon lange beschäftigt“, sinniert Michael Schmidt mit einem Augenzwinkern. Er beschreibt nicht nur den hohen Aufwand, sondern spricht auch die Verantwortung an, die man trage. Jeder Trainer möchte seine Schützlinge wiedersehen, sie wieder trainieren und im Verein behalten. „Jeder möchte aber vor allem, dass alle gesund bleiben“, betont Warburgs Mister Judo.

Seit 1982 ist er in der Kampfsportart aktiv. Seit 35 Jahren fungiert er als Trainer, hat ungezählte Kinder und Jugendliche an den Judosport herangeführt. Selbst als er sich einmal eine Verletzung zugezogen hatte, hat er das Training geleitet. Eine so lange Pause wie jetzt, seit Mitte März als der coronabedingte Lockdown begann, hat er noch nie gemacht. „Und sie geht noch weiter“, bittet der Trainer des ESV Warburg seine Schützlinge weiterhin um Geduld. Die Kinder und Eltern hätten Verständnis gezeigt. Von Austritten habe er nichts gehört. So solle es auch bleiben, sagt Michael Schmidt.

„Ich hoffe, dass der Judosport nach den Sommerferien wieder zum Regelbetrieb wird. So wie es in den Schulen sein soll“, blickt der Weldaer voraus, der am Warburger Johann-Conrad-Schlaun-Berufskolleg Studiendirektor für die Abteilungen Elektrotechnik, Informatik, EDV und Sport ist.

Er selbst hat sich in den vergangenen Monaten mit Gartenarbeit, Renovieren im Haus, Radfahren sowie einem Yogakursus fit gehalten. Seinen Judoschülerinnen und Judoschülern empfiehlt er, in den Ferien ganz viel mit Freunden zu toben. „Bewegt euch viel an der frischen Luft, bleibt einfach aktiv und gesund. Nicht am Bildschirm abhängen – egal, an welchem“, lautet sein Fitness-Tipp.

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