Mitglieder vermissen gemeinsame Fahrten zu Bundesligaspielen
Sie hoffen auf Rückkehr ins Stadion

Kreis Höxter (WB). „Achtung, alle Termine sind vorerst abgesagt“, steht auf der Homepage der Schalker Freunde Bad Driburg. Borussia-Dortmund-Anhängern im Kreis Höxter und anderen Fanclubs geht es ebenso. Statt beim Fußball vor dem Fernseher zu sitzen, möchten sie in der nächsten Saison wieder live im Stadion dabei sein. Doch in Coronazeiten wird die Rückkehr zu den geliebten Bundesligafahrten noch dauern. Was macht ein Fanclub ohne Stadionbesuch? „Sich langweilen“, sagt Driburgs Vorsitzender Dominik Fluri . Trotzdem gehe es weiter.

Dienstag, 28.07.2020, 03:30 Uhr aktualisiert: 28.07.2020, 07:02 Uhr
„Fußball live im Stadion – das ist einfach unbeschreiblich“, sagt Dominik Fluri. Der Vorsitzende der Schalker Freunde Bad Driburg reckt in der 62.000 Zuschauer fassenden Veltins-Arena das Vereinsbanner in die Höhe. Bis die Fans wieder Schulter an Schulter gemeinsam im Stadion stehen können, müssen sie sich weiter gedulden.

Der Vorstand arbeite weiterhin. Es gebe Besprechungen und Planungen. „Wir können die Zeit für organisatorische Dinge nutzen. Ordner sortieren und Ablage machen“, berichtet der 23-Jährige. Anfang des Jahres ist er zum Vorsitzenden des mehr als 120 Mitglieder zählenden Driburger Fanclubs gewählt geworden. Seit dessen Gründung Ende 1997 hatte dieser nach seinen Worten kein Heimspiel des FC Schalke 04 verpasst, egal ob in der Bundesliga, im DFB-Pokal und bei internationalen Wettbewerben. Dann kam Corona. „Ganz oder gar nicht, alle oder keiner“, sagt Fluri nun mit Blick auf die kommende Saison, dass er einen Ausschluss von Fans nicht gut finde. So werde man auch keine Busfahrt zu einem Spiel organisieren können. „Das lohnt sich nur, wenn bei uns wie üblich 25 bis 30 Fans dabei sind.“

Die Fahrten zu Bundesligaspielen – das sind Rituale, das sind Höhepunkte für die Fanclubmitglieder. „Generell hat man an den Tagen nur Fußball im Kopf. Morgens nach dem Aufstehen macht man sich schon fertig für die Fahrt. Schon vor der Abfahrtszeit trifft man sich mit Freunden und Bekannten, um gemeinsam zum Bus zu gehen. Im Bus fängt es an, dass man sich auf das Spiel einstimmt“, beschreibt Fluri. Ohne Bundesligabesuche fehlen Emotionen, Leidenschaft und Zusammenhalt. „Auch fehlen Einnahmen für den Fanclub, mit denen wir Kosten für die Tombolas reduzieren, die wir bei unseren Vereinsfeiern machen“, merkt er an. „Wenn wir Fans im Stadion gehabt hätten, hätte Schalke in der Rückrunde nicht so schlecht gespielt. Mit den Fans im Rücken, hätten die Akteure mehr Leidenschaft, Einsatz und Kampf gezeigt“, ist er überzeugt.

In Zeiten von Corona mache man als Fanclub nicht viel, sagt Stefan Gördemann Vorsitzender des 83 Mitglieder zählenden BVB-Fanclubs Peckelsheim, der ebenfalls 1997 gegründet worden ist. „Unsere Generalversammlung sollte eigentlich Ende März sein, andere Treffen waren lange Zeit auch nicht möglich“, berichtet der 40-jährige Familienvater, dass Kontakte in Whattsappgruppen gepflegt werden. Da sich die Zeiten jetzt auch ändern, versuche man, etwas zu initiieren. „Wir beobachten die Coronaentwicklung mit ihren Regelungen und Verordnungen. Ein Stück weit zur Normalität wäre gut“, hofft er.

„Dauerkarte behält man“

Die Peckelsheimer sind sonst zu jedem Heimspiel der Borussen gefahren. Auch für sie ging es auf null. „Alle Mitglieder sind dabei geblieben“, sagt Gördemann, der beim BVB seit mehr als 20 Jahren eine Dauerkarte hat und diese auch behalten wird. „Die gibt man nicht ab, sonst bekommt man sie nicht wieder“, berichtet er, dass zigtausende Fans auf der Warteliste stehen. „Das ist bei Schalke nicht anders“, fügt Fluri hinzu.

„Man vermisst das gemeinsame Losziehen, die Gespräche unterein­ander, das Fachsimpeln über Fußball und die Welt“, sagt Manuel Pawlik , Vorsitzender des Effzeh-Fanclubs Bördeland. Es sei ein kleiner Fanclub, „denn der 1. FC Köln ist leider nicht so erfolgreich“, ergänzt der 30-Jährige mit einem Lächeln. „Wir haben versucht, sechs, siebe Spiele pro Saison zu sehen. In Köln oder auch auswärts“. Nun seien die Aktivitäten quasi komplett eingeschlafen. Bundesliga-Fußball ohne Zuschauer sei für ihn nicht das Gleiche wie mit Fans im Stadion. „Die Emotionen fehlen und das Produkt Fußball mit seinen wirtschaftlichen Interessen steht im Vordergrund und nicht mehr die Fans“, kritisiert er. Pawlik wünscht sich, bald wieder mit seinen Freunden ein Spiel der Geißböcke live sehen zu können. „Am liebsten aber im vollen Stadion – und zwar nach der Pandemie“, würde er persönlich aufgrund der ganzen Regelungen derzeit nicht hinfahren. „So macht es keinen Spaß.“

Grillabend mit Fußball

„Was Bundesligafahrten angeht, trifft es uns nicht so sehr. Schon wegen der Entfernung sind wir nicht so häufig wie die Dortmund- oder Schalke-Fans live dabei“, erklärt der Tourenplaner der Bayernfreunde Peckelsheim, Sascha Boblest . Er versuche, so viele Spiele wie möglich am Fernsehen zu sehen, berichtet der 44-Jährige, der davon ausgeht, dass die Stehplätze der Bundesliga-Stadien noch länger leer bleiben werden.

„Zu Beginn der Corona-Krise haben wir uns nur mit zwei, drei Personen getroffen. Nach den Lockerungen wollen wir wieder mit mehreren Leuten gemeinsam schauen“, blickt er auf das Champions-League-Viertelfinalrückspiel seines Lieblingsvereins gegen Chelsea London am 8. August. „Da machen wir einen Grillabend mit Fußball“, freut er sich.

Spiele ohne Fans im Stadion sind für ihn „wie Weißwurst ohne Senf“. Soll heißen: Die Würze fehlt. Auch dem Bayern-Fanclub sind die Mitglieder treu geblieben. „Jemand ausgetreten? Nein, um Gottes Willen. Einmal Roter, immer Roter“, betont Boblest.

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