Meine schönsten Sporterlebnisse: Sascha Gerken liebt Sport auf vier und zwei Reifen
„Diese Rallye war einfach klasse“

Wettesingen (WB). Die Füße auf Gaspedal und Kupplung, die Hände fest um das Lenkrad gelegt. Der ganze Körper fiebert dem Start des Rennens entgegen – dieser Moment ist Adrenalin pur. Im Pulk der Fahrer tritt Sascha Gerken in die Pedale seines Mountainbikes und fühlt: „Das ist wie damals mit dem Auto.“ Der Scherfeder, der sich in Wettesingen ein Haus gebaut hat und dort mit der Familie lebt, liebt den Sport, egal ob auf vier oder auf zwei Rädern.

Freitag, 16.10.2020, 04:00 Uhr
Sascha Gerken (links) zeigt bei der Everesting Challenge auf der steilen und langen Kreisstraße 44 nach Jakobsberg Stehvermögen. Matthias Rose aus Rösebeck fuhr als Motivator ein paar Mal zur Unterstützung mit hinauf und hinunter. Foto: Astrid E. Hoffmann
Sascha Gerken (links) zeigt bei der Everesting Challenge auf der steilen und langen Kreisstraße 44 nach Jakobsberg Stehvermögen. Matthias Rose aus Rösebeck fuhr als Motivator ein paar Mal zur Unterstützung mit hinauf und hinunter. Foto: Astrid E. Hoffmann

1994 in Bochum auf Platz zwei

1994 ist er die Rally Ruhrgebiet mit seinem Suzuki Swift Typ AA gefahren und hat dabei in Bochum den zweiten Platz abgeräumt. Mit dem Mountainbike wollte er in diesem Jahr die MTB-Kurzstrecken als Amateur fahren, doch bekanntlich wurden alle Rennen wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Als Ersatz fuhr er die Everesting Challenge und schaffte letztlich zweimal die halbe Distanz.

Mit Orientierungsfahrten fing für Gerken seine Rallye-Sportzeit an, denn dabei lernte er die Motorsportler des Automobilclubs (AC) Warburg kennen. Dort stieg er zunächst als Beifahrer von Mathias Ritgen ins Auto und sammelte Rennerfahrung. Dann wechselte er hinter das Steuerrad und nahm mit verschiedenen Beifahrern unter anderem am Nordhessen-Cup teil. „Als schönstes Erlebnis aus meiner aktiven Zeit ist mir die Rallye Ruhrgebiet in Erinnerung“, sagt der 49-Jährige.

Um 5 Uhr geht´s los

Am 17. September 1994 ging es morgens um 5 Uhr mit Beifahrer Dietmar Weber nach Bochum. Am Suzuki Swift waren die Rennreifen montiert, so dass er auf dem Hänger transportiert wurde. Nach der Technischen Abnahme kam ein wichtiger Teil des noch jungen Tages. „Man kennt die Streckenführung nicht, die steht im Bordbuch, das man dann erst bekommt“, erklärt Sascha Gerken den Ablauf. Die Strecke wird abgefahren und alles wichtige – wie schnell kann die Kurve gefahren werden – im sogenannten Gebetbuch notiert. Die Rallye findet im normalen Straßenverkehr statt, dort muss sich an die Regeln gehalten werden und auf abgesperrten Strecken, auf denen die Wertungsprüfungen vorgenommen werden.

Wichtigster Job des Beifahrers ist es, die gemeinsam erfassten Streckendaten während der Rallye an den Fahrer weiterzugeben. „Wenn ich vorher die Kurve falsch eingeschätzt habe, schlägt sich das dann auch nieder“, weiß der Bohrmeister, der auch im Beruf seine Wege genau kennen muss.

Kurven liegen dem Suzuki

„Bochum war super, weil es viele Kurven gab. Die Strecke war sozusagen klein-klein, dass heißt, es gab wenig lange Geraden. Mein Suzuki war genau das richtige Fahrzeug für diese Strecke, da konnte ich dann auch fahrerisch etwas herausholen“, ist Sascha Gerken einen Moment wieder in der von Herbert Grönemeyer besungenen Stadt. In der Klasse bis 1300 Kubikzentimeter waren etwa 30 Fahrzeuge am Start, an der gesamten Rallye nahmen 120 Starter teil. Es gab drei Wertungsprüfungen, die je zweimal gefahren werden mussten, die restliche Strecke ging mitten durch Bochum. Es wurde der fast perfekte Tag für das Warburger Duo, denn kurz vor Mitternacht standen Sascha Gerken und Dietmar Weber auf Platz zwei des Siegerpodestes. „Erster war ich nie, aber diese Rallye war einfach klasse“, freut sich der ehemalige Rallyefahrer noch immer über diese Platzierung.

Umstieg auf das Mountainbike

2009 stieg Gerken auf das Mountainbike um. „Beim Motorsport liegt auch viel daran, wie viel Geld man in das Auto steckt oder stecken kann. Beim Radfahren kann man viel mehr durch Training und Willen erreichen, das gefällt mir besser“, sagt Gerken.

Der Rösebecker Lizenzfahrer Jörg Redeker, der für die Bad Bikers Wernigerode fährt und sich nun als Trainer profilieren möchte, nahm Gerken unter seinen Fittiche. Das Jahr 2020 sollte mit Rennen und Training den Weg für den Einstieg in die Ü50-Klasse der Amateure im nächsten Jahr werden. Dann kam der Virus und alle Rennen wurden abgesagt. Da fand er im Internet die Everesting Challenge. Ein beliebiger Berg muss dabei so oft hinauf und natürlich auch wieder hinunter gefahren werden, bis die Höhe des Mount Everest, also 8848 Höhenmeter, geschafft sind.

Zweimal die halbe Distanz

Anfang Juli gelang Jörg Redeker die Besteigung der Kreisstraße 44 nach Jakobsberg, bei der er die geforderten Höhenmeter radelte. Sascha Gerken, der nach einem Arbeitsunfall gerade erst wieder mit dem Training begonnen hatte, fuhr mit und packte die halbe Distanz von 4424 Höhenmetern. Am 1. August startete er seinen eigenen Versuch. Abends um 20 Uhr ging es los, in der Nacht wurde er vom Gewitter gestoppt. Am Morgen gab es noch einmal eine Regenfront. Nach den unfreiwilligen Pausen ging es weiter den Berg hinauf. Der Radcomputer hatte die Feuchtigkeit nicht gut weggesteckt und das führte schließlich zu einem Messfehler. „Wir dachten, wir wären durch, aber letztlich haben wir festgestellt, das 400 Meter fehlten“, war Sascha Gerken zunächst enttäuscht. Er wusste, dass er die fehlenden zweimal den Berg hoch auch noch geschafft hätte. Für die „Everesting Hall of Fame“ kann man sich auch mit der Halbdistanz qualifizieren, die er nun zweimal geschafft hat, aber er sagt, es ist in Ordnung: „Ich weiß, dass ich es gepackt hätte und es war trotzdem ein tolles Erlebnis“.

Motivator auf der Strecke

47 Mal ist er den langen und steilen Berg nach Jakobsberg hinauf und hinunter gefahren. In 23 Stunden, davon 18 Stunden Fahrzeit, hat er 8450 Höhenmeter überwunden oder umgerechnet einmal den Cho Oyu (Himalaja, sechsthöchster Berg der Erde). Vollkornbrote, Gels und 15 Liter Kohlehydrat-Getränk sorgten für die Energie. Bei den letzten Aufstiegen begleiteten ihn Jörg Redeker, Max Wetzel und Maja Redeker. Zuvor war Matthias Rose aus Rösebeck ein Motivator auf der Strecke gewesen. „Es ist eine tolle Clique, die einen schon den halben Berg hinaufgetragen hat“, lobt der Mountainbiker, für den es ein unvergessliches Sporterlebnis ist.

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