Serie Meine schönsten Sporterlebnisse: Heribert Neuhann ist Radsportler aus Leidenschaft
Bergfahrten sind seine Faszination

Daseburg -

Bis zum Alter von 30 Jahren war Sport nicht seine Welt. Dann hat Heribert Neuhann mit dem Radsport begonnen, um seine Gesundheit zu stärken. Und wie. Der Daseburger ist die höchsten Berge Europas mit seinem Rennrad hinauf gefahren. Traumtouren für Radsportler hat er in verschiedenen Ländern der Welt absolviert. „Ich habe großen Gefallen an der Teilnahme an organisierten Rennradurlauben gefunden“, erklärt er seine Starts auf faszinierenden Strecken.

Donnerstag, 04.03.2021, 09:55 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 10:56 Uhr
Beim Training auf Mallorca legt er die Grundlagen für die Saison. Heribert Neuhann ist hier auf der Calobra-Passstraße unterwegs.
Beim Training auf Mallorca legt er die Grundlagen für die Saison. Heribert Neuhann ist hier auf der Calobra-Passstraße unterwegs.

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Am höchsten hinaus ging es vor drei Jahren in Andalusien. In der dortigen Sierra Nevada meisterte er den Anstieg auf den Pico del Veleta. „Mit seinen 3384 Metern ist er der höchste anfahrbare Punkt in Europa. Die Auffahrt wird auch Königin der Bergstraßen genannt“, beschreibt Neuhann, der langjähriger Vorsitzender des Radsportvereins 1998 Warburg ist, das Besondere dieser Reise. Der 67-Jährige schätzt den großen Aktionsradius, den der Radsport bietet. Die Durchquerung der französischen Pyrenäen mit Start in Biarritz am Atlantik und Ziel in Perpignan am Mittelmeer, die Alpendurchquerung von Wien nach Nizza und die Organisation der Großveranstaltungen des RSV mit mehr als 1000 Teilnehmern gehören zu seinen schönsten Sporterlebnissen.

1375 Kilometer mit 27.000 Höhenmetern in zwölf Tagen. Das sind beeindruckende Zahlen der Tour von der österreichischen Hauptstadt Wien bis nach Nizza an der französischen Riviera. Dabei geht es steile Bergpässe wie Sellajoch, Stilfserjoch oder Col de la Bonette hinauf und hinab, auf denen es herrliche Aussichten gibt. „Der Pass Col de la Bonette liegt auf 2802  Metern über dem Meeresspiegel und ist damit die zweithöchste asphaltierte Straße der Alpen“, weiß Neuhann, der bei seinen Touren die Schönheit der Natur genießen kann. „Da es sich nicht um Rennen handelt, kann man an interessanten Punkten anhalten.“

Wo sonst die Profis über namhafte Pässe der Tour de France fahren, spulte er bei der Pyrenäendurchquerung 865 Kilometer mit 16.350 Höhenmetern in sieben Tagen ab. Wie fit man sein muss, um das hohe sportliche Niveau des Streckenverlaufes meistern zu können, erklärt der starke Bergfahrer in seiner bescheidenen Art erst auf Nachfrage. In seinen besten Zeiten ist Heribert Neuhann insgesamt 12.000 Kilometer im Jahr gefahren. Willenskraft, Fitness, Kraftausdauer und eine gute Sauerstoffaufnahme sind seine Stärken.

Diese zeigte er auch beim anspruchsvollsten Radmarathon der Alpen, dem Ötztaler. „Jedes Jahr haben rund 4.000 Rennradfahrer einen Traum: ihn zu finishen“, sagt Neuhann. Der Rundkurs führt auf 238 Kilometern von Sölden über vier Alpenpässe (Kühtaisattel, Brenner-, Jaufenpass und Timmelsjoch) nach Südtirol und wieder retour. „Unglaubliche 5.500 Höhenmeter meistern die Teilnehmer. Die schnellsten unter ihnen – ehemalige Radprofis – gelangen in einer Rekordzeit von etwas mehr als sieben Stunden ins Ziel. Mein Traumergebnis war im Jahr 2001 eine Zeit von deutlich unter neun Stunden“, beschreibt der Daseburger. Sie lautet: acht Stunden und 39 Minuten.

 

Die Zeit des gemeinsamen Trainings wünschen sich auch die Aktiven des Radsportvereins Warburg zurück. „Wir haben in der Börde gute flache Strecken und in der Nachbarschaft auch bergige Regionen“, stellt Heribert Neuhann (8. von links) heraus.

Die Zeit des gemeinsamen Trainings wünschen sich auch die Aktiven des Radsportvereins Warburg zurück. „Wir haben in der Börde gute flache Strecken und in der Nachbarschaft auch bergige Regionen“, stellt Heribert Neuhann (8. von links) heraus. Foto: Privat

Wenn die Motivation und Kraft bei all den Anstrengungen schwinden, kann die Unterstützung von Menschen an der Strecke Gold wert sein. „Im Kühtai bin ich einen steilen Streckenabschnitt allein hochgefahren. Da saß ein Zuschauer auf einem Felsen und hat mir laut zugerufen“, erinnert sich Neuhann sehr gut an die Situation. „Das motiviert. Das hilft den Berg hinauf“, sagt er mit einem Lächeln. Viermal ist er bei diesem Radsportevent gestartet. Beim ersten Mal wollte er fast aufgeben. „Als ich das Timmelsjoch hochgefahren bin, bin ich vom Rad abgestiegen und habe mir gesagt, dass ich hier nie wieder mitfahre. Zwei Stunden nach der Zielankunft macht man sich dann schon wieder Gedanken, wie man im nächsten Jahr den Radurlaub gestaltet“, beschreibt er anschaulich.

Sportliche Höchstleistungen zeigte der Daseburger auch beim Maratona dles Dolomites, an dem er ebenfalls viermal teilnahm (2000 bis 2004). Beim Giro delle Dolomiti, der sich nach seinen Worten zu einem der schönsten Amateur-Straßenrad-Events entwickelt hat, platzierte er sich in dem internationalen Teilnehmerfeld in seiner Altersklasse im vorderen Bereich. 1999 wurde er Zweiter, 2001 Vierter. „Von Bozen ausgehend werden eine Woche Etappen durch Südtirol bestritten“, sagt Neuhann.

Ein weiteres Highlight war die zweimalige Teilnahme am Dreiländergiro, bei dem Österreich, Italien und die Schweiz durchfahren werden. „Das Besondere ist die Auffahrt zum Stilfser Joch, das mit seinen 48 Haarnadelkurven unter Radsportbegeisterten als Königin der Alpenpässe gilt“, so Neuhann.

Das „faszinierendste und spektakulärste Rennrad-Etappenrennen Europas für jedermann“, nennt der Ausdauersportler den Transalp, den er im Jahr 2003 mit seinem Warburger Radsportkollegen Udo Kurten in Angriff genommen hat. In sieben Tagesetappen  ging es vom oberbayerischen Mittenwald zum Gardasee. „Italien war auch das Ziel meines ersten Rennradurlaubs“, merkt er an. Die weitesten Reisen führten ihn nach Kuba, in die USA und Nepal. „Ein Traumland.“

Mehr als zwanzigmal war er zur Saisonvorbereitung auf Mallorca. Auch in diesem Monat oder im April wäre er mit Vereinskollegen gerne zum jährlichen Training in den Norden der Insel, die Region Alcudia, gereist. „Zumal bei der Rückkehr in Deutschland die Pflicht zur Quarantäne besteht, werden wir wohl auch in diesem Jahr nicht zur Saisonvorbereitung fahren“, sagt der Daseburger, der im Gründungsjahr 1998 als aktives Mitglied in den RSV Warburg eingetreten ist. Seit Januar 2001 steht er als Vorsitzender an der Spitze des 101 Mitglieder zählenden Vereins.

Voriges Jahr mussten die Mallorca-Reise und die Warburger Diemel-Börde-Tour abgesagt werden. „Ob wir in diesem Jahr am 26. Juni unsere RTF durchführen können, ist ungewiss. Derzeit bereiten wir ein Hygienekonzept vor, um eine Chance auf eine Ausrichtung zu haben“, berichtet der Vereinschef, der für das bergige Fahren oft im Reinhardswald und Weserbergland unterwegs ist.

Begeistert von den Strecken in der Warburger Börde und der Nachbarschaft zeigten sich auch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des früheren Supercups des RSV Warburg, der Anfang der 2000er Jahre mehrere Male in Folge jeweils mehr als 1000 Teilnehmer aus ganz Deutschland anlockte. „Es gab pro Jahr nur sieben dieser Veranstaltungen, die vom Bund Deutscher Radfahrer begleitet wurden. Längste Strecke war der Marathon mit mehr als 200 Kilometern“, blickt Neuhann zurück.

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