Fußball-Bezirksliga: Paboy Fanneh flüchtete aus Mali über Italien nach Deutschland
Das Team als Ersatzfamilie

Peckelsheim (WB). Fußball gibt Paboy Fanneh ganz viel Kraft für ein Leben ohne Familie in Deutschland. Beim FC Peckelsheim-Eissen-Löwen ist der Malier bestens angekommen. Für ihn ist die Bezirksliga eine ganz neue Herausforderung. Und die ersten Wochen der neuen Saison zeigen: Der 26-Jährige schlägt mit vier Toren in sechs Spielen richtig ordentlich ein.

Samstag, 17.10.2020, 06:11 Uhr aktualisiert: 17.10.2020, 06:20 Uhr
Peckelsheims Neuzugang Paboy Fanneh (hier im Zweikampf mit Dringenbergs Florian Steinig) hat sich gut eingelebt. Foto: Rene Wenzel
Peckelsheims Neuzugang Paboy Fanneh (hier im Zweikampf mit Dringenbergs Florian Steinig) hat sich gut eingelebt. Foto: Rene Wenzel

„Ich bin sehr zufrieden mit unserem Saisonstart, es macht sehr viel Spaß. Für mich war es am Anfang aber schwierig. Das war schon ein großer Unterschied“, sagt Fanneh. Den Wechsel von der SG Bellersen/Aa-Nethetal/Bökendorf zum FC PEL vollzog der Angreifer in der Winterpause der vergangenen Saison. Mit großer Vorfreude ging es in die ersten Einheiten. Doch dann folgte der Corona-Stopp. Auf das Pflichtspieldebüt am 8. März gegen den FC BW Weser folgten vorerst keine weiteren Spiele.

Vier Tore in sechs Spielen

Erst Ende August ging es für Fanneh und sein Team weiter. „Für mich lief es dann schon etwas besser“, blickt der 26-Jährige auf die ersten Partien nach der Pause. In den sechs Bezirksliga-Auftritten gelangen ihm vier Treffer – darunter auch besonders wichtige. In Beverungen traf der Malier doppelt zum 2:1-Sieg, gegen den SV Dringenberg machte er mit dem 3:3 den Punktgewinn perfekt. Besonders danach zeigte sich sein großer Ehrgeiz. Fanneh rannte nach dem verwandelten Elfmeter in der 88. Minute zum Tor und schnappte sich direkt den Ball. „Wenn noch ein paar mehr Minuten zu spielen gewesen wären, hätten wir noch das vierte Tor gemacht“, meint der Stürmer.

Auch bei Rückstand nicht aufgeben

Auch Fanneh weiß, dass das vergangene Heimspiel eigentlich komplett in die andere Richtung lief. Es stand 0:3 aus PEL-Sicht, Dringenberg war klar besser. „Die haben aber ihre Chancen nicht genutzt. Ich habe nach dem 1:3, spätestens nach dem 2:3, fest daran geglaubt, dass wir noch mindestens einen Punkt holen können. Nach unserem zweiten Tor haben alle 120 Prozent gegeben. Wir haben alle Möglichkeiten genutzt und die Zuschauer haben uns wieder super unterstützt“, sagt Fanneh. Er benötigt diese Erfolge und den Zusammenhalt wohl noch eine Portion mehr als seine Mitspieler. Denn seine private Situation ist nicht einfach.

Familie seit sieben Jahren nicht gesehen

Der 26-Jährige lebt in Brakel – ohne seine Familie. Für seine Flucht nach Deutschland ließ er seine Liebsten in der Heimat zurück. Darunter auch seinen Bruder und seine drei Schwestern. „Das macht mich schon sehr traurig, wenn ich an sie denke. Manchmal unterhalten wir uns über Video-Telefonie. Aber richtig gesehen habe ich sie schon seit über sieben Jahren nicht mehr“, sagt Fanneh, der 2013 aus Mali in Richtung Italien flüchtete. Dort blieb er für ein paar Monate. „Ich habe da auch Fußball gespielt“, erklärt der heute 26-Jährige. Seit 2014 ist der Offensivspieler in Deutschland. Er arbeitet in einer Tischlerei in Bellersen.

Mit der SG Bellersen aufgestiegen

Fanneh kickte direkt für die SG Bellersen/Aa-Nethetal/Bökendorf in der C-Liga. In der Aufstiegssaison traf er in 20 Spielen 28 Mal. Eine Liga höher legte er 21 Buden in 21 Partien nach. In der Saison 2018/2019 folgten 15 Tore in 28 Partien. Bis zur Winterpause der Folgespielzeit waren es schon wieder acht Treffer nach 13 Begegnungen. „Ich habe mir dann neue Ziele gesetzt und wollte unbedingt höher spielen. In der Bezirksliga sind für mich mit dem FC Peckelsheim-Eissen-Löwen, SV Dringenberg und TSC Steinheim drei Vereine infrage gekommen. Ein damaliger Mitspieler hatte Kontakt zu Matthias Rebmann (Trainer des FC PEL, Anm. d. Red) und erzählte ihm von meinen Plänen. Wir haben uns getroffen und danach stand für mich schnell fest, dass ich dorthin möchte“, berichtet Fanneh.

In der Liga weiter Fuß fassen

Schon in seinen ersten Einheiten spürte er „viel Vertrauen“ von seinen neuen Kollegen. „Der Trainer und die Mitspieler haben mir sehr viel Zeit gegeben und geholfen. Sie haben immer gesagt, dass ich keine Angst haben und einfach spielen soll“, sagt Fanneh, der sich auch nicht selten von verschiedenen Leuten anhören musste, dass es sehr schwer für ihn werde. „Aber ich gebe nie auf und glaube an meine Ziele“, betont der 26-Jährige. In der Bezirksliga weiter Fuß fassen und die Momente in der harmonischen Truppe genießen – so stellt sich der Malier seine Zeit bei den Rot-Weißen in der Bezirksliga vor. Und vielleicht geht´s in Zukunft nochmal eine Liga höher: „Das würde ich gerne noch versuchen zu schaffen.“

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