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Do., 08.09.2016

Paralympics: Sebastian Dietz genießt tolle Eröffnungsfeier und fühlt sich in Rio wohl »Im Tunnel fiel die Anspannung ab«

Die deutsche Paralympics-Mannschaft beim Einmarsch. Bei den Athleten war zu diesem Zeitpunkt die Anspannung längst abgefallen, wie Sebastian Dietz berichtet.

Die deutsche Paralympics-Mannschaft beim Einmarsch. Bei den Athleten war zu diesem Zeitpunkt die Anspannung längst abgefallen, wie Sebastian Dietz berichtet. Foto: Ulrich Gasper/DBS

Von Alexander Grohmann

Rio de Janeiro/Bad Oeynhausen (WB). Sebastian Dietz ist hin und weg. Als »mega-emotional« beschreibt der für die BSG Bad Oeynhausen bei den Paralympics startende Sportler die Eröffnungsfeier in Rio de Janeiro. Für das WESTFALEN-BLATT schildert er exklusiv seine Eindrücke von der famosen Auftaktparty.

Die Spannung ist zum Greifen, als am Mittwochabend im legendären Maracanã-Stadion die Paralympics endlich eröffnet werden. »Schon auf dem Weg zum Stadion habe ich darüber nachgedacht, was es für eine Ehre ist, hier zu sein und sein Land vertreten zu dürfen«, beschreibt Dietz die Gedanken, die ihm Richtung Arena durch den Kopf schwirren. Im Tunnel, der ins Stadion-Innere führt, lässt er sich mit den anderen Mitgliedern der deutschen Paralympics-Mannschaft von der Samba-Stimmung mitreißen: »Wir haben ›Super Deutschland olé‹ angestimmt. In dem Moment ist von allen die Anspannung abgefallen«, schildert der 31-Jährige.

Einmarsch der Athleten als »coolster Moment«

Angeführt von Fahnenträger Markus Rehm, schreiten die deutschen Paralympioniken in die Arena. »Das Einlaufen war schon mit der coolste Moment. Die Leute im Stadion sind unglaublich mitgegangen«, sagt Dietz. Die mehrstündige Eröffnungsfeier hat anschließend neben viel Musik und Tanz auch diverse spektakuläre Momente zu bieten.

Sebastian Dietz (rechts) mit seinem Zimmerkollegen Mathias Mester.

Zum Auftakt rast Extrem-Rollstuhl-Künstler Aaron Fotheringham eine Rampe hinunter, springt durch einen Ring und löst ein Feuerwerk aus. Später tritt eine Balletttänzerin ohne Beine, dafür mit Prothesen auf – eine atemberaubende Performance. Da ist auch Dietz beinahe sprachlos. »In diesen Momenten sieht man einfach, was alles möglich ist. Das sind die Geschichten, die nur die Paralympics schreiben«, betont der Kugelstoßer, der in der Leistungsklasse F36 in der kommenden ­Woche um Gold kämpft.

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»Ich weiß nicht, warum es Kritik am Olympischen Dorf gab. Hier ist alles super. Es ist kein Fünf-Sterne-Hotel, aber ich bin ja auch nicht hier, um Urlaub zu machen, sondern um Sport zu treiben.«

Sebastian Dietz fühlt sich in Rio bestens aufgehoben

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Der in Hüllhorst lebende Sportler, der seit einer Woche in Rio weilt, genießt jeden Tag in vollen Zügen. »Die Menschen hier freuen sich, dass wir da sind. Wir stehen mit den Paralympics den Olympischen Spielen, glaube ich, in nichts mehr nach«, so Dietz, der im deutschen Behindertensport allerdings noch Nachholbedarf erkennt. »In anderen Ländern ist das schon jetzt ganz groß.«

Wie groß, zeigen auch die Zahlen. »Ich habe gehört, dass bislang mehr als zwei Millionen Tickets für die Wettkämpfe verkauft wurden«, freut sich der Mann der BSG Bad Oeynhausen über die Begeisterung, die rund um die Spiele der Menschen mit Behinderung in Rio ausgebrochen ist. Auch vom »Paralympischen Dorf«, in dem vor kurzem noch die Olympia-Sportler lebten, kann er nur Gutes berichten. »Ich kann gar nicht verstehen, warum es da bei Olympia Kritik gab. Auch das Essen ist super«, sagt Dietz, der sich mit seinem Teamkollegen Mathias Mester, ebenfalls Kugelstoßer, das Zimmer teilt. »Natürlich ist das kein Fünf-Sterne-Hotel, aber ich bin ja auch hier, um Sport zu treiben und nicht, um Urlaub zu machen«, stellt Dietz klar.

Familie und Freundin zu Besuch in Rio

Zusammen mit seinem Trainer Alex Holstein feilt der Perfektionist jeden Tag an den Abläufen. »Es gibt immer etwas zu arbeiten. Jetzt geht es darum, bis zum Wettkampf die richtige Spannung aufzubauen«, erklärt der Kugelstoßer, für den auch gestern am Tag nach der Eröffnungsfeier noch Techniktraining auf dem Programm steht. Abends begibt sich Dietz als Zuschauer ins Olympia-Stadion, wo die ersten Leichtathletik-Wettkämpfe stattfinden.

Tagsüber ist der deutsche Goldmedaillenkandidat aber zunächst als »Guide« gefragt. »Meine Familie und die meiner Freundin ist nach Rio zu Besuch gekommen. Ich habe ihnen einen Tagespass für das Olympische Dorf besorgt«, sagt Dietz, der die Gäste stolz über die Anlage führt.

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